Lohr

Lohrer Gymnasium: Artenschutz durch ein neues Mähkonzept

Der Gebirgsmäher im Einsatz auf der Artenvielfaltswiese (von links): Biodiversitätsbeauftragter Christian Salomon, Landwirt Christian Höhlein und Lehrer Markus Ruf.
Der Gebirgsmäher im Einsatz auf der Artenvielfaltswiese (von links): Biodiversitätsbeauftragter Christian Salomon, Landwirt Christian Höhlein und Lehrer Markus Ruf. Foto: Carolin Höhlein

Die Biodiversität im Siedlungsraum ist spätestens seit dem Volksbegehren Artenvielfalt ein präsentes Thema geworden. So ist die Stadt Lohr derzeit bayerische Modellgemeinde zum "Marktplatz der biologischen Vielfalt" und hat laut Pressemitteilung unter anderem die Pflege der städtischen Grünflächen optimiert. Das Lohrer Franz-Ludwig-von-Erthal-Gymnasium bewirbt sich zudem um das Zertifikat "Umweltschule in Europa/Internationale Nachhaltigkeitsschule" des Landesbundes für Vogelschutz und wertet in diesem Zuge die Grünanlagen auf dem Schulgelände auf.

"Das Zertifikat muss jährlich erneuert werden. Hierfür müssen Workshops und Aktionen zu zwei Umweltthemen bearbeitet werden. 2019/20 sind das 'Maßnahmen zum Klimaschutz' und 'Biologische Vielfalt in der Schulumgebung'", wird Geographielehrer Markus Ruf in der Pressemitteilung zitiert. Ruf leitet den Wahlkurs "Umweltschutz – Nachhaltigkeit – Biodiversität" mit Schülern der Klassen sechs bis zehn. Mit ihnen entwickelt er das Konzept der Artenvielfaltswiese, so gut wie es die coronabedingten Einschränkungen derzeit zulassen.

Im Frühjahr 2020 hat Ruf sich fachlichen Rat bei Christian Salomon, dem Biodiversitätsbeauftragten an der Regierung von Unterfranken, geholt. Statt der Anlage klassischer Blühflächen hat der einen anderen Projekteinstieg aufgezeigt: Die Umstellung von der Rasenmäherpflege auf eine tierschonende Heumahd. "Da sind jetzt schon sehr gute Wiesenbereiche dabei", sagt Salomon. Man müsse die nur anders mähen und damit auch weiterentwickeln: weniger Schnitte, schonendes Mähwerk, Abräumen des Schnittgutes und Streifen stehen lassen.

Gebirgsmäher für steile Hangbereiche

Auch Schulleiter Dr. Rottenbacher war von diesem Ansatz überzeugt, zumal Salomon gleich einen interessierten Landwirt vermitteln konnte. Schafhalter Christian Höhlein aus Rodenbach, der seit 2013 seinen Betrieb mit Schwerpunkt auf Artenvielfalt und Erhalt der Kulturlandschaft führt, besitzt hierfür die idealen Maschinen: Sein Gebirgsmäher mit Messerbalken kommt auch an den steilen Hangbereichen zurecht und schneidet den Aufwuchs schonend ab. Dieses Jahr mäht er rund einen Hektar der Schulwiesen testweise auf eigene Kosten und als "Beitrag zum Artenschutz".

Wenn es gut funktioniert, plant er die geeigneten Flächen künftig langfristig in die landwirtschaftliche Nutzung zu nehmen. Dieses Beispiel könnte im wahrsten Sinne des Wortes "Schule machen". Die Schule spart sich so nicht nur Kosten bei der Grünflächenpflege, mit den Mähwiesen haben die Schüler nun auch Untersuchungsflächen zur Artenvielfalt direkt vor dem Klassenzimmer. So lässt auch die Naturpark-Spessart-Grundschule Partenstein seit diesem Jahr bereits Teilflächen des Schulgeländes als Heuwiesen mähen und fördert damit die Insektenfauna und die Umweltbildung zugleich.

Insektenfreundliche Mahd im Siedlungsbereich – praktische Tipps vom Lohrer Gymnasium:

- Auf Mulchen oder Rasenmähermahd zugunsten tierfreundlicher Balkenmähwerke verzichten, da diese das Mähgut nicht zerkleinern und für Insekten keine Sogwirkung haben.

- Mähgut von den Grünflächen abräumen. Die dadurch stattfindende Ausmagerung erhöht meist den Artenreichtum und reduziert den Aufwuchs – und damit den Pflegeaufwand.

- Größere Wiesenbereiche wie freie Bauplätze lassen sich nachhaltig für Grünfutter, Heu oder als Weidekoppel nutzen. Das schont Ressourcen.

- Gerade auf größeren Wiesenflächen sollte man immer abschnittsweise mähen oder kleine blütenreiche Inseln oder Streifen stehen lassen. Das gilt auch über den Winter, denn viele Insekten überwintern in Pflanzenstengeln oder an Blättern.

- Der Blütenreichtum lässt sich auf natürliche Weise fördern, indem man die Samen von den gewünschten Arten wie Margerite, Glockenblume und Natternkopf bewusst ausreifen lässt.

- Auf das giftige Jakobskreuzkraut achten. Blühende Pflanzen sollten umgehend ausgestochen und in der Restmülltonne entsorgt werden. Verbleiben die abgemähten Blüten auf der Fläche, können die Samen noch ausreifen.

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