Lohr

Lohrer Stadtrat zur B26n: Eine Straße, zwei Meinungswelten

Die Demonstranten setzten sich für den Erhalt von Boden und Natur ein, die durch den Bau der B26n bedroht werden. (Archivbild)
Foto: Thomas Josef Möhler | Die Demonstranten setzten sich für den Erhalt von Boden und Natur ein, die durch den Bau der B26n bedroht werden. (Archivbild)

Im Lohrer Stadtrat ist es nicht anders als im ganzen Landkreis: Die B26n spaltet. Das wurde in der Sitzung am Mittwochabend deutlich, auch räumlich. Auf der einen Seite des großen Saals der Stadthalle saßen die Befürworter des Straßenbauprojekts: CSU, Freie Wähler, Bürgerverein und FDP. Auf der anderen Seite dominierten die Gegner: Grüne und ÖDP. Die SPD präsentierte sich uneinheitlich.

Eine Vielzahl an Redebeiträgen offenbarte die fundamental unterschiedlichen Sichtweisen. So erklärte Bärbel Imhof für die Grünen, dass der Bau der B26n "aus ökologischen und klimatischen Aspekten unverantwortlich" sei. Die aktuellen Unwetterkatastrophen seien Folge einer Bagatellisierung des Klimawandels. "Haben Sie den Weckruf nicht gehört?", fragte Imhof die B26n-Befürworter. Politiker müssten endlich den Mut aufbringen, auf eine klima- und umweltschonende Politik umzusteuern.

Die B26n sei ein unausgegorenes Planungsrelikt aus den 1970er-Jahren mit Baukosten von zehn Millionen Euro pro Kilometer, so Imhof. Dass die lokale Wirtschaft die neue Straße brauche, bezeichnete sie als "Mythos". Das belege die niedrige Arbeitslosenquote im Landkreis. Der Stadt Lohr werde die B26n eine starke Verkehrszunahme bringen, umso mehr, da der Bau des Zubringers eher unwahrscheinlich sei. "Kämpfen Sie für eine lebenswerte Zukunft Ihrer Kinder und Enkel", schloss Imhof.

Ruf: Verfehlte Verkehrspolitik

Torsten Ruf (ÖDP) forderte, man müsse "endlich Vorbild werden statt die Menschheit weiter an die Wand zu fahren". Die B26n sei Symbol einer "verfehlten Verkehrspolitik". Sie vernichte 140 Hektar Land sowie Lebensräume bedrohter Arten. Ruf sagte, dass in Lohr kein einziges bedeutendes Unternehmen die B26n fordere. Durch die Straße und die Verkehrszunahme werde die Attraktivität Lohrs zerstört.

Den Reigen der B26n-Befürworter eröffnete Frank Seubert: Seine CSU befürworte eindeutig den Bau der Straße mit allen Abschnitten. Dabei habe der Grundsatz der Umweltverträglichkeit "allerhöchste Priorität", sagte Seubert, was für Gelächter im Zuhörerraum sorgte.

Seubert sagte jedoch, dass die Region durch die neue Trasse "nur in erträglichem Rahmen belastet" werde. Er brachte die Option von Tunnels zwischen Wombach und Rechtenbach und im Buchental ins Spiel. Der Bau solcher Tunnels sei heute "kein Problem mehr", so Seubert.

Kritik an Steinfeld

Die B26n werde Steinbach, Sendelbach und der Lohrer Altstadt eine erhebliche Entlastung bringen, fuhr er fort. Der schlimmste Fall wäre freilich, wenn die B26n bis Karlstadt aber ohne Zubringer nach Lohr gebaut würde. Dann würde Lohr zum Flaschenhals. Lohrer Unternehmen seien eindeutig für den Bau der B26n, erklärte er. Die Straße werde ein Standortvorteil. Insgesamt biete die B26n "erheblich mehr Chancen" als Nachteile, so Seubert.

Er und Karl-Herrmann Hummel (Bürgerverein) kritisierten Steinfeld dafür, einerseits gegen die B26n zu sein, andererseits aber "ein Gewerbe- und Baugebiet nach dem anderen" auszuweisen. Unter dem Verkehr leide dann Lohr, so Hummel. Er forderte im Namen des Bürgervereins den "kompletten Bau der B26n". Diese könne als "vernünftige Sammelstraße" einen Beitrag zu Verringerung des Kohlendioxidausstoßes leisten. Brigitte Riedmann (Freie Wähler) verwies als Steinbacherin auf die starke Verkehrsbelastung dort. Diese könne nur durch den Zubringer und eine dritte Mainbrücke im Lohrer Süden verringert werden.

Sander: Wirtschaft hat Priorität

Peter Sander (FDP) sagte, dass bei der B26n der "wirtschaftliche Faktor entscheidende Priorität" haben müsse. Es gehe darum, Einkommen, Wohlstand und somit Lebensqualität zu sichern. Zwar gebe es in der Lohrer Wirtschaft unterschiedliche Haltungen zur B26n. Ihm habe jedoch ein Unternehmer gesagt: "Wenn die Straße nicht zum Unternehmen kommt, dann geht das Unternehmen zur Straße."

Thomas Nischalke (SPD) erklärte, dass seine Fraktion nicht einheitlich abstimmen werde. Er sprach einerseits davon, dass der Flächenverbrauch gestoppt werden müsse, andererseits aber auch davon, dass "Mobilität zu unserem Leben gehört".

Paul: Tatsachen ins Auge sehen

Bürgermeister Mario Paul versuchte sich im Spagat zwischen beiden Lagern. Aus Gründen des Klima- und Umweltschutzes sei die B26n klar abzulehnen. Man müsse jedoch auch den "Tatsachen ins Auge sehen". Deswegen könne Lohr nicht alleine darauf setzen, die B26n zu verhindern. Überdies habe die Straße "auch positive Effekte für die Region", so Paul. Es sei kein Widerspruch, sich einerseits zum Klimaschutz zu bekennen und deswegen gegen die B26n insgesamt zu sein, andererseits für den Fall, dass die Straße gebaut wird, aber für die zeitgleiche Realisierung des Zubringers nach Lohr zu kämpfen.

Den von der ÖDP beantragten Beitritt zur Bürgerinitiative gegen den Bau der B26n lehne er ab, da Lohr "spezielle Eigeninteressen hat, die nicht durch die BI vertreten" würden, so Paul. Dem Antrag der Grünen, die B26n generell abzulehnen, könne er auch nicht unterstützen, da es zu kurz greife, nur zu verhindern.

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