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Lohrs Klima unter der Lupe: Wo kann man noch bauen?

Die bislang unbebaute Wiesenfläche unterhalb der Bahnlinie zwischen den Stadtteilen Lindig und Sackenbach will die Stadt mit einem Lokalklimagutachten ganz besonders untersuchen lassen. Es geht um die Frage, ob Randbereiche der Wiese bebaut werden können, ohne die Frischluftzufuhr in den Talkessel zu mindern.
Foto: Johannes Ungemach | Die bislang unbebaute Wiesenfläche unterhalb der Bahnlinie zwischen den Stadtteilen Lindig und Sackenbach will die Stadt mit einem Lokalklimagutachten ganz besonders untersuchen lassen.

In Lohr sind Bau- und Gewerbeflächen rar. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass sich das Bebauen der wenigen freien Flächen auf das Kleinklima und die Frischluftzufuhr für den gesamten Talkessel auswirkt. Mit einem Gutachten will die Stadt nun herausfinden, wo sich die lokalklimatisch besonders heiklen Bereiche befinden und wo eine Bebauung vielleicht doch möglich wäre, ohne der Stadt die Luft abzuschneiden. Den Auftrag für ein etwas gestelzt daherkommendes "Lokalklimakonzept mit Klimawandelanpassungseffekten" hat der Stadtentwicklungs- und Umweltausschuss des Stadtrates in seiner Sitzung am Mittwochabend vergeben.

Hintergrund des Gutachtens ist nicht zuletzt, dass die Stadt eine von acht auserwählten Kommunen im bayernweiten Modellprojekt "Klimagerechter Städtebau" ist. Ausgerufen hat es das Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr. Ziel ist, dem Schutz des Lokalklimas bei städtebaulichen Planungen und Entwicklungen mehr Gewicht zu verschaffen. So sollen die aus dem Klimawandel resultierenden Risiken und Schäden minimiert werden. Gleichzeitig geht es darum, Naturräume zu sichern.

Jede der Modellkommunen ist daher aufgerufen, in ihrem Bereich zunächst die lokalklimatischen Voraussetzungen, Risiken und Entwicklungspotenziale per Gutachten untersuchen zu lassen. Wie der Lohrer Landschaftsarchitekt Markus Fleckenstein, der das Projekt im Auftrag der Stadt begleitet, in der Sitzung erklärte, werden für das Gutachten umfassende Daten beispielsweise zur Landnutzung und Luftströmung erhoben. In der Folge werde ein "Stadtklimamodell" entwickelt. Es soll aufzeigen, wo es noch Entwicklungsreserven für zusätzliche Bebauung gibt.

Fokus auf "Grünzäsur"

Ein besonderer Fokus soll laut Fleckenstein auf die im Planerjargon als "Grünzäsur" bezeichneten Wiesen zwischen den Stadtteilen Lindig und Sackenbach gelegt werden. Der oberhalb der Bahnlinie gelegene Bereich dieser Wiesen wurde kürzlich erst unter Naturschutz gestellt, ist somit also baulich unantastbar. Auf die unterhalb zwischen Bahnlinie und B 26 gelegenen Wiesen jedoch schielt die Stadtpolitik schon seit Jahren in ihrem händeringenden Bemühen, neue Gewerbeflächen zu schaffen.

Allerdings: Ein Klimagutachten aus dem Jahr 1976 stuft die dortigen Grünflächen als wichtigste Frischluftschneise für den gesamten Lohrer Talkessel ein. Im maßgeblichen Regionalplan sind die Flächen daher als sogenanntes "Trenngrün" eingestuft, was eine Bebauung eigentlich ausschließt. Die Stadt hatte im vergangenen Jahr jedoch Signale von der Regierung von Unterfranken erhalten, wonach eventuell ein kleinerer Randbereich oberhalb des Umspannwerkes als Abrundung des Gewerbegebietes bebaut werden könnte. Das Gutachten soll nun auch Infos dazu ergeben, wie sich eine solche Bebauung auf das Klima im Talkessel auswirken würde.

Generell, so erklärte Fleckenstein, gehe es darum, lokalklimatisch sensible Bereiche zu identifizieren und mögliche Auswirkungen des Klimawandels auf den Lohrer Talkessel zu prognostizieren. Der Stadtpolitik solle das Gutachten in Form eines "Stadtklimaszenarios 2050" Entwicklungsziele sowie einen Maßnahmenkatalog liefern für künftige städtebauliche Entscheidungen. All das werde eine "sehr umfassende Geschichte", so der Landschaftsarchitekt.

Bärbel Imhof (Grüne) bezeichnete das Gutachten als wichtigen Schritt, um die Stadt "fit für die Zukunft" zu machen. Man werde dann sehen, wo man in Lohr "städtebaulich überhaupt noch 'was machen kann".

Luftzufuhr beachten

Christine Kohnle-Weis (SPD) sprach davon, dass man angesichts von zuletzt an mehreren Stellen in der Stadt entstandenen oder noch entstehenden größeren Gebäuden die Luftzufuhr in den Talkessel genau im Blick haben müsse. Auch angesichts zweier Großbetriebe, die "Emissionen in nicht unerheblichem Maße" produzierten, sei die Frischluftzufuhr für Lohr "elementar wichtig". Manfred Wirth, der städtische Umweltbeauftragte, erklärte dazu, dass die Ausbreitungsfahnen der Industrieemissionen ein Bestandteil der Untersuchungen des Gutachtens sein werden.

Michael Kleinfeller (CSU) wünschte sich, dass besonders der Bereich der oberen Altstadt zwischen dem jetzigen Kreiskrankenhaus und dem ehemaligen Stadtbahnhof untersucht wird. Dieser Bereich werde städtebaulich "das nächste große Entwicklungsgebiet" in Lohr. Deswegen müsse man wissen, wie sich Veränderungen in der Bebauung auswirken würden. Dazu erklärt Wirth, dass die Innenstadt ein Schwerpunktbereich des Gutachtens sein werde.

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