Marktheidenfeld

Luther auf der Suche nach einem Mörder

Tatjana Rese und Matthias Eckoldt stellten ihren gemeinsamen Kriminalroman „Freies Geleit für Martin Luther“ vor.
Foto: Martin Harth | Tatjana Rese und Matthias Eckoldt stellten ihren gemeinsamen Kriminalroman „Freies Geleit für Martin Luther“ vor.

Das Lutherjahr bringt 2017 so manche Blüte hervor. Warum also nicht mit einem Luther-Krimi auf das Reformationsjubiläum aufmerksam machen, mögen sich die beiden Berliner Schriftsteller Tatjana Rese und Matthias Eckoldt gedacht haben.

Am Donnerstagabend begrüßte Susanne Wunderlich, die Leiterin der Stadtbücherei Marktheidenfeld, das Autorenduo zu einer Lesung in ihrem Haus. Rund 30 Zuhörer interessierten sich dafür, ob ein historischer Stoff den Rahmen für eine spannende Erzählung bilden kann.

Matthias Eckoldt lehrt als Schreibdozent an der Freien Universität Berlin und legte im Jahr 2000 seinen ersten Roman vor. Er veröffentlichte seitdem neben belletristischen Werken auch mehrere Sachbücher aus dem Bereich der Medientheorie.

Tatjana Rese ist als Autorin und Regisseurin am Theater beheimatet. Unter anderem schuf sie für das Landestheater Eisenach das Musical „Luther! Rebell wider Willen“.

In Marktheidenfeld versicherten die beiden Autoren, dass sie bei ihrer Lesung den eigentlichen Clou der Geschichte, in der Martin Luther und sein Begleiter, der Augustinermönch Johann Petzensteiner, wider Willen zu einer Art Sherlock Holmes und Dr. Watson der Reformationszeit werden, nicht verraten würden. Schließlich sind Bücher ja zum Lesen und nicht nur zum Zuhören da.

Die vorgetragenen Passagen machten dennoch eine flüssige Handlung mit reichlich Spannung und einer guten Prise humorvoller Betrachtung deutlich. Bekanntere und unbekanntere Persönlichkeiten aus der Historie bekommen neben fiktiven Gestalten Charakter, so der Wittenberger Rechtsgelehrte Dr. Hironymus Schurf oder der Naumburger Theologe und Reformator Nikolaus von Amsdorf. Eckoldt und Rese führten nach Worms, wo der vom Papst bereits exkommunizierte Martin Luther im April des Jahres 1521 bei einem Reichstag vor dem Kaiser zum Widerruf seiner Thesen gebracht werden sollte.

Die Zuhörer erfuhren vom bunten Treiben in der Stadt, bei dessen Schilderung die beiden Autoren freilich manchmal gängige Klischees bemühen, wie die rothaarige Hure in den Straßen oder den unvermeidlich über den Köpfen aus dem Obergeschoss ausgeleerten Nachttopf. Auch bei der Schilderung des mönchischen Lebens der Zeit geht es bisweilen recht trivial zu.

Jedenfalls geschieht während des Aufenthalts des Reformators eine vermeintliche Mordtat an Reichardt von Bayern, dem Burggraf zu Amberg-Sulzbach. Martin Luther wird der Anstiftung des Druckergesellen und späteren Selbstmörders Thomas Seibelt bezichtigt. Mit Petzensteiner muss er vor den Häschern der Obrigkeit fliehen und sich mit seinem Gefährten um die Klärung des Vorgangs bemühen. Die Spur führt auch zu den bierbrauenden Mönchen im Dominikanerkloster und der ganze Fall nimmt dort schließlich seine unvermutete Wendung.

Im Rahmen des Kriminalromans werden Schlüsselelemente der reformoratorischen Auseinandersetzung der Zeit in Sätzen wie „Denn nicht der ist gerecht, der viel wirkt, sondern wer ohne Werk viel an Christus glaubt“ (Thomas von Aquin) deutlich.

Dialogisches Arbeiten funktioniert

Das Publikum nahm die Geschichte mit Anerkennung und Applaus auf. Man wollte von den Autoren wissen, wie die Erfahrung, im Team zu schreiben, gewesen sei. Rese und Eckoldt haben schon auf anderen Feldern zusammengearbeitet, etwa bei dem ARD-Hörspielkrimi „Ich bin ein Schweinehund, das ist gar nicht auszudenken“.

Das dialogische Arbeiten beschrieben die Schriftsteller als positiv. Man ergänze sich vom Ansatz, im Wissen und in der Kritik. Das Duo folgte einem zuvor festgelegten Plot, bei dessen Ausarbeitung man sich gegenseitig anregte, um im historischen Krimi etwas vom Geruch der damaligen Zeit lebendig werden zu lassen. Rein stilistisch nähere man sich dabei an. „Bisweilen kann ich nicht mehr sagen, welcher Satz von Tatjana oder von mir stammt“ – mit diesen Worten charakterisierte Eckoldt die Intensität der Zusammenarbeit mit Co-Autorin Rese.

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