Lohr

Lyrische Krisenbewältigung in Pandemiezeiten

Die Schüler der Klasse 7GT verarbeiten ihre Lockdown-Erfahrungen in eindrucksvollen Gedichten

Im Rahmen eines Projekts zum Thema "Lockdown-Lyrik" verfassten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 7GT im Homeschooling ihre eigenen Lockdown-Gedichte. Die Werke geben mit beeindruckenden und ehrlichen Worten Einblick in die derzeitige, vom Homeschooling geprägte Situation und Gedankenwelt der Schülerinnen und Schüler.

"Wie soll man in meinen Augen sehen, wie ich nichts verstehe?"

Aufgrund von zweimaliger Quarantäne und der darauffolgenden Schulschließungen lernen die Schüler der 7GT bereits seit Ende November im Onlineunterricht. Eine Zeit inmitten der Pandemie mit der ständigen ungewissen Frage, wann man wieder zurück in die Schule zu seinen Freunden und Klassenkameraden darf. Das Projekt im Rahmen des Deutschunterrichts sollte der Klasse die Möglichkeit geben, Erlebnisse und Gefühle, die in der langen Zeit des Zuhause seins entstanden sind, loszuwerden und auf Papier zu bringen.

"In dieser Zeit ist das Wichtigste Zusammenhalt!"

So sind Gedichte entstanden, die durch ihre aufrichtigen Verse erahnen lassen, wie sich für ein Kind das Leben zwischen Lernen am Computer, Onlineunterricht und täglich neuen Nachrichten über Corona anfühlt. Und trotz all dieser schweren Gedanken sind die Gedichte der 7GT auch Zeugnisse der Hoffnung, denn in jedem dieser Texte schwingt Zuversicht und die Freude auf eine Zeit nach dem Lockdown mit: "Irgendwann ist der Lockdown rum, da ist die Schule nicht mehr stumm."

Gedicht von Julian:

In diese Zeilen stecke ich den Schmerz,

der mich verfolgt schon viel zu lange.

Es ist, als wäre ich gefangen.

Die Zukunft, die Gegenwart und Vergangenheit.

Die Klinge, die meine Vernunft zerteilt.

Schicksalsschläge, meine Seele weint

und das Kind in mir, ja es schreit.

Wie soll man in meinen Augen sehen, wie ich nichts verstehe,

wenn dieser Mensch keine weitere Erklärung kennt?

Hausaufgaben gemacht oder nicht geschickt – ganz egal.

Gibt es noch Hoffnung, gibt es noch Verstand?

Nur ein wenig Verstand reicht, so steht es geschrieben.

Was muss ich noch tun, um es mir zu verdienen?

Denn Gelegenheit macht Diebe und davon gibt es ganz schön viele.

Doch das Schicksal hat mich stark gemacht.

"Es erhebt sich ein Schüler mit Gelegenheit zur guten Note",

hat er immer gedacht, weil der Unterricht im Netz einfach scheint.

Eine Mauer herum und die Maske getragen.

Niemand soll wissen diesen Namen.

Den Namen des Kummers, der Name des Leids.

Denn irgendwann, da kommt die Zeit,

wo er nicht mehr ist allein.

Darum wartet er auf den Moment, in dem die Zahlen sinken

und der Präsenzunterricht wieder beginnt.

Neu entfachtes Potenzial, gute Noten aus der Asche der Unvernunft.

Am Ende, da ist es vollbracht.

Homeschooling von Leander

Jeden Tag Schule daheim,

an meinem Tisch ganz allein.

Früh um acht Computer an,

hoffentlich nimmt Herr Schell mich nicht dran.

"Der Lockdown wird doch nie aufhören!",

tut sich die ganze Klasse empören.

Und ich sag zur Klasse und Lehrer:

"Homeschooling ist definitiv schwerer!"

Irgendwann ist der Lockdown rum,

da ist die Schule nicht mehr stumm.

Von: Michaela Hilf für die Gustav-Woehrnitz Mittelschule

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Main-Spessart und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren
Lohr
Pressemitteilung
Computer
Deutsch-Unterricht
Elend
Hausaufgaben
Hausunterricht
Lehrerinnen und Lehrer
Schicksalsschläge
Schülerinnen und Schüler
Vernunft
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!