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Markus Rill: Vom Mekka in den Mehlingskeller

Abschluss im Sitzen: Am Ende seines Konzerts im Lohrer Mehlingskeller setzte sich Songschreiber Markus Rill an den Bühnenrand.
Foto: Rita Gress | Abschluss im Sitzen: Am Ende seines Konzerts im Lohrer Mehlingskeller setzte sich Songschreiber Markus Rill an den Bühnenrand.

„Dream Anyway“ – „Trotzdem träumen“ heißt das neue und nunmehr zehnte Album des Songschreibers, Gitarristen und Americana-Sängers Markus Rill aus Würzburg. Am Donnerstag stellte er es im Mehlingskeller vor.

Bereits der Titel spricht für sich. Und so tun es auch die starken Liedtexte. Sie berühren und klingen nach, mal sind sie traurig, doch immer mit zärtlichen Tönen. Sie sind weit weg von vorgefertigten Konserven. In größtenteils persönlichen Geschichten und Erfahrungen lässt Rill seine Zuhörer nahe an sich heran. Sein Lied „Late Night Sunday Drive“ hat er für seine Frau und seine kleine Tochter geschrieben. Er trägt es mit geschlossenen Augen vor, nur sein linker Fuß geht im Takt mit. Mikrofon und Verstärker braucht er nicht, Gitarre, Mundharmonika und seine Stimme genügen. Rauchig, rau, tief und ungemein emotional.

Ihrer Faszination kann man sich kaum entziehen. „The Pauper's Daughter“ (die Tochter des Armen) und der gefühlvolle Country-Song „Free To Fly“ ernten Bravo-Rufe. Im Film „The Last Stand“ wurde Rills Song „Hobo Dream“ auf die Selbstverwirklichung von Zombies genutzt, in „Walk on Water“ zielt er auf Heiratsschwindler und meint schmunzelnd: „Das wäre meine zweite Berufsoption gewesen.“

Mit viel Humor

Dass er nicht nur ein großartiger Musiker ist, sondern ein Mensch, der sich mit herrlichem Humor selbst auf die Schippe nehmen kann, zeigt sich während des ganzen fast zweieinhalb-stündigen Konzerts. Die Lacher prasseln, die Atmosphäre ist prächtig entspannt. Dann der Titelsong seiner neuen Scheibe „Dream Anyway“: „Ein Mädchen ging weg; ich bin nicht mehr derselbe, der ich einmal war.“ Dynamisch, temperamentvoll, große Klasse! Ebenso wie der Johnny Cash-Song „Big River“.

In „Losing my Mind“ wird Rill ernst. Er hat den Song nach einem Kontakt mit einem an Alzheimer Erkrankten geschrieben. Es berühre ihn zutiefst, wie offen der Mann mit seinem Leiden umgehe. Tragisch das Lied „The Boy Who Never Was My Friend“. Es handelt von einem 14-jährigen Jungen, den Rill persönlich kannte und der sich nach dem Diebstahl eines Messers erhängt hat. „Das liegt 30 Jahre zurück, doch es ist mir bis heute in Erinnerung“, sagt der Musiker. „Walls“ ist Rills Version eines Songs von Tom Petty.

Der Film „Crazy Heart“ (2009) mit Jeff Bridges in der Hauptrolle regte ihn an zu dem Song, „den der Film eigentlich gebraucht hätte“ (Rill lacht schallend). Die Ode an seine Gitarre „My Rocket Ship“ schrieb er in einer Nacht in Kopenhagen. Es sind fast streichelnde Griffe in die Saiten, zu denen er singt „Meine Gitarre bringt mich weit weg von hier; sie bringt mir meine Mutter zurück. Mit meiner Gitarre kann ich fast die Sterne berühren, mit ihr kann ich ein anderes Herz berühren.

“ Den Gaunern und Ganoven in der Folk- und Country-Tradition wird er mit „Me & Bonnie Parker“ gerecht. „Die Fakten stimmen alle, die Gefühle habe ich mir so vorgestellt.“ Rills Gäste honorieren den Song mit donnerndem Applaus, gehen im Takt klatschend mit und tun ihre Begeisterung im folgenden „Six Days On The Road“ des US-Country-Musikers Dave Dudley (1928 bis 2003) wiederholt kund.

Schließlich die Zugaben: „The Things That Count“ – die Dinge, die wirklich zählen im Leben, das lebhafte „Something Great“ und schließlich „The Late Great TvZ“ in Erinnerung an den texanischen Musiker Townes van Zandt (1944 bis 1997). Ihn hat Markus Rill persönlich kennengelernt. Van Zandt starb aufgrund von Drogen- und Alkoholabhängigkeit mit 53 Jahren.

Markus Rill wurde in Frankfurt geboren. Mit 18 Jahren begann er, Gitarre zu spielen. Er studierte in Würzburg und lebt dort und in München. Das Songschreiber-Handwerk lernte er in den 1990er Jahren in Austin/Texas, im „Mekka“ Nashville/Tennessee verpasste er ihm den Feinschliff. Sein Name ist längst Markenzeichen im internationalen Rock, Folk und Country. Rills Album „Dream Anyway“ erscheint am 15. April.

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