RETZBACH

Meditation unter Weinlaub

Oase Gesundheitsgarten: Diese Planung des Architekturbüros Stieber und Seelhorst zeigt die einzelnen Stationen der Besinnung, Meditation und Gesundheit im 4000 Quadratmeter großen Areal.
| Oase Gesundheitsgarten: Diese Planung des Architekturbüros Stieber und Seelhorst zeigt die einzelnen Stationen der Besinnung, Meditation und Gesundheit im 4000 Quadratmeter großen Areal.

Der zu Ehren von Papst Benedikt XVI. gepflanzte Nussbaum steht in der Mitte – genau dort, wo im künftigen Gesundheitsgarten in Retzbach das Rasenlabyrinth geplant ist. Für den 2005 gepflanzten Erinnerungsbaum an das Weltjugendtreffen wird es eine andere Stelle im Gesundheitsgarten geben.

Vor wenigen Tagen beschlossen die Gemeinde Zellingen, Landratsamt und Verein für Wein, Gesundheit und Tourismus im Main-Retztal e.V. die Planung der Landschaftsarchitekten Stieber und Seelhorst umzusetzen und zu finanzieren. Mit im Boot sitzen die Leader-Arbeitsgruppe (LAG) Wald, Wein, Wasser, die mit EU-Mitteln die Entwicklung im ländlichen Raum bezuschusst, sowie die Retzbacher Kirchenstiftung.

Mit diesem Beschluss endet eine Genehmigungsetappe für die beiden Vereinsvorsitzenden Günter Kirchner und Reinhold Meurer. Der Zellinger und der Retzstadter, beide ehemalige Lehrer, beschäftigen sich seit Vereinsgründung im Januar 2010 mit der Frage, wie man das Retztal an der Wallfahrtskirche „Maria im grünen Tal“ zwischen Retzbach und Retzstadt für Naherholung und für Touristen erschließen könnte. Die erste Idee war, Traubenkernen aus Retzstadter Lagen – laut Kirchner das größte Weinbaugebiet in Main-Spessart – für Ernährung, Gesundheit und Wellness zu nutzen und zu vermarkten.

Der folgte ein Gesundheitsgarten, der sich auf dem Gelände zwischen Kirche, Kleingärten und Retzstadter Straße (MSP 7) förmlich anbietet. „Zwischen dem Oberlauf der Retz (auch Mühlgraben oder Mühlbach genannt) und dem Unterlauf soll eine Zone der Ruhe, Meditation und leichter körperlicher Ertüchtigung entstehen“, berichtet Reinhold Meurer.

Auf 4000 Quadratmetern

Die einzelnen Aktivposten sind planerisch auf 4000 Quadratmetern verteilt. Im Mittelpunkt – am Nussbaum – entsteht ein Rasenlabyrinth. Richtung Retzstadt werden Beete mit Heilkräutern und Bibelpflanzen angelegt, die von einem gepflasterten Weg und Lauben mit Weinreben und Sitzbänken begrenzt werden. Auf diesem Weg mit Eingang an der Retzstadter Straße wird das Areal betreten. An der Kreisstraße und dem Retz-Oberlauf werden eine Boccia-Bahn, ein Baumhain und ein Generationenspielplatz erstellt, wobei der Gemeinderat den Kauf der Spielgeräte aus Kostengründen auf die nächsten Haushaltsjahre verschoben hat.

Der zweite Zugang zum Areal auf einem wassergebundenen Weg ist vom Parkplatz an der Wallfahrtskirche aus. Vorbei an den vorhandenen Kiefern und einer Wiese trifft auch er auf das Labyrinth. Hin zur Marienquelle am Unterlauf der Retz entsteht ein Kneipp-Becken für Füße und Arme. Von dort führt ein Weg in den Meditationsbereich. Hier bringt sich die Kirchenstiftung mit 15 500 Euro ein. Es sollen ein Meditationspavillon, Info- und Bibeltafeln entstehen.

Dass es von der Idee bis zur Umsetzung ein weiter Weg ist, erfuhren die beiden früheren Rektoren in den folgenden knapp zwei Jahren: Weil eine Kommune mehr Möglichkeit und Einfluss hat als ein Verein, musste die Marktgemeinde Zellingen mit dem Gemeinderat überzeugt werden, als Mieter des Grundstücks und Träger des Gesundheitsgartens einzutreten.

Erbpacht für ein Euro

Das Gelände gehört der Kirchenverwaltung, die nun in Erbpacht das Gelände der Gemeinde überträgt, die einen Euro Zins pro Jahr bezahlt. Nach Auskunft vom amtierenden Bürgermeister Werner Trabold hat die Gemeinde volle Verfügungsgewalt über das Gelände. Sollte sie aber eine andere Nutzung statt eines Gesundheitsgartens erwägen, erhöht sich der Pachtzins auf 12 040 Euro jährlich.

Eine hohe Hürde setzte das Wasserwirtschaftsamt mit der Ablehnung, Wasser aus der Retz zu entnehmen, durch ein Kneipp-Becken zu leiten und ein paar Meter weiter dem Bach wieder zuzuführen. „Im Mühlgraben war es eine verbotene Wasserentnahme und im Unterlauf eine verbotene Wasserzuführung“, erklärt Kirchn.er

Doch jetzt sind alle Barrieren beseitigt. Auch die Retz darf angezapft werden, wenn ihr Wasserspiegel nicht unter 20 Zentimeter fällt und in einer Leitung im natürlichen Gefälle zur unteren Retz geführt wird. „Das Wasserwirtschaftsamt stimmte zu, wenn die Leitung zurück zur Retz fast durch den ganzen Platz geführt wird und damit das zurückkehrende Wasser einige Meter länger im Bach verbleiben kann“, sagt Trabold.

200 000 Euro kostet die Erstellung und Pflanzung des Gesundheitsgartens. 98 000 Euro übernimmt Leader Plus, ein EU-Förderprogramm über die LAG Wald, Wein, Wasser. So verbleiben 102 000 Euro bei der Marktgemeinde Zellingen. Der Verein Wein, Gesundheit und Tourismus im Main-Retztal wird den Garten betreuen, sagt Werner Trabold.

Eine große Aufgabe, doch für Günter Kirchner und Reinhold Maurer passt es genau in die Ziele ihres Vereins: Gesundheit und Lebensqualität für die einheimischen Bürger unter Nutzung der Möglichkeiten, die die Region sowie kirchliche und soziale Netzwerke bieten.

Zwei wertvolle Mitarbeiter hat der Verein schon gewonnen: Zellingens Bürgermeister Wieland Gsell, der sich als Biologe einbringt und ein Handbuch mit mehreren Dutzend Kräutern zusammengestellt hat, sowie Dr. Johannes Maier, Leiter der Forschungsgruppe Klostermedizin an der Uni Würzburg. Im Herbst werden laut Trabold die Erdarbeiten ausgeschrieben. Im Juli 2013 soll der Garten fertig sein. Im September wird das neue Naherholungsgebiet übergeben.

Hinter grünen Bäumen versteckt sich „Maria im grünen Tal“: Vor der Wallfahrtskirche werden Günter Kirchner und Reinhold Meurer, Vorsitzender und Stellvertreter vom Verein Wein, Gesundheit und Tourismus in Main-Retztal e. V., den künftigen Gesundheitsgarten betreuen. In der Mitte steht noch ein Nussbaum zu Ehren von Papst Benedikt XVI.
Foto: Martina Amkreutz-Götz | Hinter grünen Bäumen versteckt sich „Maria im grünen Tal“: Vor der Wallfahrtskirche werden Günter Kirchner und Reinhold Meurer, Vorsitzender und Stellvertreter vom Verein Wein, Gesundheit und Tourismus in ...
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