Wernfeld

Mögliche Geschichte eines Skeletts: Ein Mordfall in Wernfeld?

In der Mitte von Wernfeld zweigt, wenn man von Gemünden kommend durchs Dorf fährt, auf der rechten Seite eine kleine Gasse ab. Die Töpfergasse. Früher war sie namenlos, aber bei der Eingemeindung bekam sie den Namen „Töpfergasse“, weil eben in dieser Gasse einmal die altbekannte Töpferei Huter existierte.

Das Eckhaus oben links war das Haus der Maria Federlein, in dem sich von 1931 bis 1954 die örtliche Poststelle befand. Dann kam ein Gebäude, das ein Warenlager der „Huter's“ war und danach die Stallung der Familie Hedwig Bald. Etwas zurückversetzt in der Gasse stand das Wohnhaus der „Bald's“. Einige Schweineställe waren unter einem Verschlag angebaut und dann kam eine offene Wagenunterstellhalle. Gleich danach war noch eine Holzbaracke, die lange Jahre der Büttner Ludwig Manger aus Adelsberg als Werkstadt benutzte.

In der unteren Hälfte des Hofes befand sich eine Scheune der Familie Bald, danach rechts davon ist noch das Anwesen der Familie Huter, jetzt den Nachkommen der Familie Vogelsang gehörend. Die große Gasse wird abgeschlossen durch das Wohnhaus von der ehemaligen Besitzerin Josefine Seelmann, jetzt Besitzer Selke,  bevor man wieder am Brennofen der Töpferei vorbei zur Dorfstraße kommt.

Ordentlich aufgeräumt

Bei einem Fliegerangriff auf  Wernfeld am 4. April 1945 am frühen Nachmittag wurde die Scheune der Hedwig Bald durch einen Bombenangriff total zerstört. Und so räumte man so allmählich gehörig auf in der Töpfergasse. Die Trümmer der Stallung der zerstörten Scheune wurden beseitigt und die Stallung der „Balds“ ebenfalls abgerissen und auch die Baracke und was sonst noch so übrig war, wurde entfernt und dem Erdboden gleichgemacht.

Bei der Beseitigung der „Balds“-Stallung mussten auch die Steinplatten gehoben und beseitigt werden. Dabei fand man unter einer dieser Steinplatten ein menschliches Skelett. Nur Knochen und einige Habseligkeiten lagen in diesem Erdreich. Ohne sich etwas daraus zu machen, oder überhaupt etwas zu denken, luden die damaligen „Aufräumer“ das ganze „Zeugs“ auf Schubkarren und schmissen alles unterhalb der einstigen Scheune in einen großen Graben, der dann zugeschüttet wurde.

Mit der Geschichte befasst

Alois Kuhn, der damals von dem Fund hörte, und sich so quasi mit der Geschichte Wernfelds etwas befasste, erzählte folgendes: In Wernfeld lebten meist arme Leute. Die Männer waren Tagelöhner, die wohl durch ihre  Arbeit einiges verdienten, aber auch ein Teil davon gleich wieder vertranken. In manchen Familien wurde deshalb darüber nachgedacht, nach Amerika auszuwandern. Wirklich hatten einige einheimische Männer den Mut und suchten in der „neuen Welt“ ihr Glück.  Es war so um 1920/ 1930.

Doch nicht alle Wernfelder kamen „drüben“ an. Wollten sie hier nur von ihren Familien los kommen und regten sich nicht mehr als sie „drüben“ waren, oder erlitten sie gar unterwegs schon Schiffbruch, ertranken oder kamen in Amerika nicht zurecht und meldeten sich nicht mehr? Wahrscheinlich, so die feste Meinung von Alois Kuhn, wurde ein Ausreisewilliger Wernfelder bereits hier im Dorf ganz kurz vor seinem Weggehen noch in derselben Nacht erschlagen, seiner Barschaft beraubt und unter den Steinplatten dieser Gasse vergraben. Die Angehörigen warteten und warteten auf ein Lebenszeichen  und es kam und kam nichts.

Manche Gerüchte kamen damals wohl auch einmal auf, ungute Familienverhältnisse oder gar Ehestreitigkeiten. Das Dorfleben ging aber weiter. Einige Wernfelder haben allerdings damals „drüben“ richtig Fuß gefasst und immer wieder kam Besuch aus der „neuen Welt“ hierher oder man besucht gar die Verwandtschaft in Amerika.

Aufgezeichnet wurden diese Informationen damals nach den Aussagen des Herrn Kuhn von Eugen Feser. Die Aufzeichnungen wurden jetzt zufällig im Juli wieder gefunden.

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