Aschaffenburg

Mordprozess nach 40 Jahren: Fünf weitere Verhandlungstage

Fällt am 20. April ein Urteil im Aschaffenburger Prozess um den Tod einer 15-Jährigen? Das Gericht hat nun ein neues Gutachten in Auftrag gegeben.
Hier am Frühstückstempel im Schlosspark von Aschaffenburg hatte der Mörder die 15-jährige Christiane vor 40 Jahren getötet.
Foto: Michael Donhauser, dpa | Hier am Frühstückstempel im Schlosspark von Aschaffenburg hatte der Mörder die 15-jährige Christiane vor 40 Jahren getötet.

Auch ohne das Biss-Gutachten, das den Angeklagten Norbert B. des Mordes an der 15-jährigen Christiane schwer belastete, wollen die Richter in Aschaffenburg weiter verhandeln. Die zweite Große Jugendkammer setzte am Montag fünf weitere Verhandlungstermine an. Nach der Freilassung des nach wie vor Angeklagten hatte sie angekündigt, sie wolle den Geschehnissen weiter "bis in die Tiefe" nachgehen.

Die Richter wollen weitere Zeugen hören – deren Erinnerungen nach 40 Jahren ähnlich verblasst sein dürften wie die bisher präsentierten. Wie das Landgericht Aschaffenburg mitteilt, sind noch je zwei Termine im März und April geplant. Kommen nicht weitere dazu, könnte das Gericht am 20. April zu einer Entscheidung kommen. Dies bestätigte ein Sprecher des Landgerichts auf Anfrage.

Verdächtiger wurde aus U-Haft entlassen

Das Urteil hatte zunächst am 6. Februar fallen sollen, dann an diesem Montag, 17. Februar. Doch bei genauer Prüfung hatte sich das Gutachten als fehlerhaft herausgestellt, das eine fast völlige Übereinstimmung der Zähne des Angeklagten mit einer Bisswunde an der Brust des toten Mädchens sah. Damit fehlte der dringende Tatverdacht, der Grundlage des Haftbefehls gegen den Verdächtigen war. Norbert B. kommt künftig als freier Mann in den Gerichtssaal – und das Gericht muss prüfen, ob er als Täter sogar ausgeschlossen werden kann.

Zu Beginn der Sitzung am Montag hat die Kammer bekanntgegeben, dass sie Claus Grundmann vom rechtsmedizinischen Institut in Duisburg mit der Erstellung eines neuen Zahn-Gutachtens beauftragt hat. Laut der Kammer gilt er für die im Verfahren relevanten Beweisfragen als "der" oder zumindest als "einer der Experten", sagte Pressesprecher Ingo Krist, Sprecher des Landgerichts. 

Gutachten sechsmal geprüft

Warum war dies nicht schon früher aufgefallen, wenn es seit Monaten Zweifel gab? Die Ermittler verteidigen sich: Das nach Auffassung der Staatsanwaltschaft "schlüssige Gutachten" sei insgesamt sechsmal – auch vor Prozessbeginn mehrfach – einer richterlichen Prüfung unterzogen worden.

Die Kammer verlas eine polizeiliche Aussage des Angeklagten aus dem Jahr 1979 – die laut des Verteidigers die wahre Version gewesen sein soll, auch wenn sich der Angeklagte heute nicht mehr an den genauen Ablauf erinnern könne. Darin sagte Norbert B., er habe nur "aus Jux" erzählt, dass er Christiane über den Dämmer-Steg begleitet habe.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Main-Spessart und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren
Aschaffenburg
Manfred Schweidler
Angeklagte
Gerichtssäle
Haftbefehle
Landgericht Aschaffenburg
Mordprozesse
Richter (Beruf)
Staatsanwaltschaft
Tatverdacht
Verbrecher und Kriminelle
Verdächtige
Zeugen
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!