Lohr

Musikalischer Streifzug über die britischen Inseln

Calon Lân im Mehlingskeller: (von links) Louie Hölzinger, Klaus Boll und der Schotte Anthony Manners machten das Zuhören zum Genuss.
Foto: Rita Gress | Calon Lân im Mehlingskeller: (von links) Louie Hölzinger, Klaus Boll und der Schotte Anthony Manners machten das Zuhören zum Genuss.

In ihrer hessischen Heimat Frankfurt ist die dreiköpfige Folk-Band Calon Lân eine „Hausnummer“. Im Mehlingskeller feierten sie am Samstag Lohrer Premiere. Mit durchschlagendem Erfolg. Der Auftritt: Schottisch, irisch, englisch. Oder einfach „great!“

Calon Lân – das sind drei reife kernige Herren um die 60. Allesamt so stimmkräftige wie leidenschaftliche Musiker. Und alle haben sie eine gehörige Portion Humor.

Zusammengeführt hat Louie Hölzinger (Bariton und Gitarre), Klaus Boll (Tenor und Banjo, Mandoline, Gitarre), der eigentlich in der Klassik zuhause ist, doch Folk-Blut doch geleckt hat, und den Bassisten Anthony „ich bin Schotte“ Manners (Gitarre, Whistle) ihre gemeinsame Liebe zu fast vergessenen Balladen von der britischen Insel aus den vergangenen drei Jahrhunderten.

2013 trafen sich der aus dem schottischen Ayre zugereiste Manners und Hölzinger in dessen Gaststätte „Mainlust“ in Schwanheim, 2014 formierten sie sich mit Boll („ich wurde einfach überredet“) zur Gruppe Calon Lân. Der walisisch-gälische Name bedeutet „das reine Herz“ und geht auf die walisische Hymne aus dem 19. Jahrhundert zurück. Sie ist zugleich die Hymne der walisischen Rugby-Nationalmannschaft.

„Der Name passt zu uns, weil wir bescheiden sind“, scherzte Moderator Hölzinger. Mit dreistimmigem balladesken Gesang und Spiel führten die Musiker quer über die Insel. Ihrem instrumentalen schottischen Tanz ließen sie die Ballade um die schöne Sally Wheatley, „The Flower of Kilkenny“, folgen.

Dann der Sprung nach Newcastle an der Tyne im Nordosten Englands. Man schreibt den Beginn des 19. Jahrhunderts. Ein Junge traut sich nicht, seiner Angebeteten seine Liebe zu gestehen. „Rosemary's Sister“ ist ein sanftes Stück um Träume und Tränen. Das schottische „Massacre of Glencoe“ thematisiert ein politisch motiviertes Morden gegen den Clan der MacDonalds 1692.

Aus dem Goldenen Zeitalter Englands unter Königin Elisabeth I. und Shakespeare stammt das Liebeslied „Sweet Nightingale“. Schier andächtige Stille kehrte im Mehlingskeller ein, als Anthony Manners den lyrischen Song „Streets of London“ anstimmte. Sein Solo um den einsamen alten Mann in den Straßen der britischen Hauptstadt berührte. Künstler wie Cat Stevens, Sinéad O'Connor oder Roger Whitaker haben das Lied gesungen. Und dann noch einmal Ergriffenheit unter den Gästen: Klaus Boll zelebrierte in einem Prachtsolo „Scarborough Fair“. Mit diesem Lied um Parsley, Sage, Rosemary and Thyme erlangte das amerikanische Folk-Rock-Duo Simon & Garfunkel 1966 Weltruhm.

Lebhafte Fischerlieder, Hölzingers famoses Kinderlied aus Irland „I Tell Me Ma“, dreistimmiger A capella-Gesang, Balladen aus dem frühen Dublin und London und dem „Home der Liverpoolians“ gediehen mit Liebesliedern zum Hörgenuss.

Zu Letzteren gehörte „I Wish I Had Someone to Love Me“, unter anderem bekannt geworden durch Barney McKenna, dem Mitbegründer der Folk-Band „The Dubliners“.

Als Klaus Boll nach über zwei Stunden das letzte Stück ankündigte, antworteten die Gäste spontan mit einem lauten „Nein!“ Sie hatten Feuer gefangen und wollten mehr. Calon Lân kam nicht um drei Zugaben herum.

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