RETZSTADT

Nachtwächter und James Bond mit viel Lokalkolorit

IFR-Garde: Reichlich Szenenapplaus und Zugabe-Rufe gab es in der Retzstadter Prunksitzung beim Auftritt der IFR-Garde, die erstmals in ihren neuen Kostümen in eigener Halle auftrat.
Foto: Fotos (3): Peter Pillich | IFR-Garde: Reichlich Szenenapplaus und Zugabe-Rufe gab es in der Retzstadter Prunksitzung beim Auftritt der IFR-Garde, die erstmals in ihren neuen Kostümen in eigener Halle auftrat.

Flotte Tänze, freche Bütten und immer wieder Raketen und stehender Applaus kennzeichneten die zweite Prunksitzung der Interessengemeinschaft Fasching Retzstadt (IFR) in der ausverkauften DJK-Halle.

„Lassen Sie sich von unserem Motto Winterwunderland nicht abschrecken“, erklärte Sitzungspräsident Heinrich Schmitt den Gästen. Draußen schneit es, aber drinnen ist es warm. Der Sitzungspräsident, der die Pausen immer wieder für lustige Anekdoten nutzte, stellte aber eines gleich zu Anfang klar: „Ich bin der Sieger, ich habe das Mikrofon.“

Was für eine Bütt. Gleich zwei Raketen mussten herhalten, nachdem der Nachtwächter Emu (Elmar Nun) in seiner eigenen Art nicht nur die Lokalpolitik, sondern als Erzbischof – Kirchenpfleger und Gemeinderat ist er schon – die Zellinger und Retzbacher so richtig auf den Arm nahm.

Als Binsfeld noch zu Retzstadt gehörte, lebten am Main zwei Kolonien, eine auf der falschen Seite, Zellingen, und eine auf der anderen Seite, Zellingen 2 (Retzbach), erklärte er in seiner Lesung. Was der Herr durch den Fluss getrennt habe, solle der Mensch nicht durch eine Brücke verbinden. Für drei Millionen Euro könnte heute Retzbach nach Retzstadt verkauft werden, verdeutlichte er. Aber die Verhandlungen durch Retzstadts Bürgermeister Karl Gerhard sind nun ins Stocken geraten, gab er zu. Zellingen ist nicht bereit, mehr dafür zu bezahlen.

„Eigentlich waren die Eltern noch nicht dran“, erzählte unter dem Motto „Vom Embryo zum Teenager“ Vincent Schmitt. „Sie wollten mich haben“, verdeutlichte er immer wieder, „da müssen sie durch“. Eines störte ihn aber besonders, dass er bei der Namensgebung kein Mitspracherecht hatte: Wie sind die bloß auf Vincent gekommen?

Das zweite Mal auf der Bühne in Retzstadt präsentierte „James Bond vom Steeberch“ Thomas Happ eine abwechslungsreiche Bütt, bei der er immer wieder die Besonderheiten der Bewohner des Steeberchs, einem Retzstadter „Stadtteil“ hervorhob, aber auch nicht die Retzbacher vergaß. „In Retzstadt scheint schon die Sonne, da ist es in Retzbach noch nebelig und trüb.“

„Ich hab keinen Doktortitel, da muss ich auch keinen zurückgeben“, stellte als „Hauptmann Küppers“ der Veitshöchheimer Tierarzt Rolf Herzl klar, der sich ansonsten sehr viel Gedanken über alles Mögliche machte. Er bezog immer wieder den Sitzungspräsidenten und die Besucher mit ein, als er einen Ritt durch das Schnellrestaurant, das Fitnessstudio mit der Laufbandtussi und speziell die Lokalpolitik machte.

„Wir haben keine Probleme, aber Schulden“, verdeutlichten die Ugowis, die sich den Schuldenberater Peter Zwegat und den Restauranttester Christian Rach holten, um sich beraten zu lassen. Dabei stellte sich auch heraus, dass es in der Vorstandschaft der DJK immer wieder zu Verständigungsproblemen kommt. So wurde für die Sportgaststätte nicht ein Mietvertrag mit Sky abgeschlossen, sondern gleich der ganze Konzern gekauft, um ja auch alle Programme empfangen zu können. Aber es ist kein Problem, stellte sich dann heraus, bei den 13 Milliarden Euro Schulden ist die DJK dann in 20 000 Jahren schuldenfrei.

Wie es auf dem Bauernhof zugehen kann, zeigten bei „Bauer sucht Frau“ die Lämbers. Aber genau im Detail liegen wohl die Probleme, wenn für den einen Bauern Sauberkeit („Was, ich soll mir eine zweite Unterhose kaufen?“) oder die Liebe zur Sau („Sie ist für mich das Wichtigste!“) im Vordergrund stehen.

Mit dem „Biergartenlied“ (Schön war die Zeit . . . ) weinten einige Elferräte und ihre „Verstärkung“ dem ehemaligen Biergarten am Radweg nach, an dessen Stelle nun ein Wohnhaus errichtet werden soll. Szenenapplaus erhielt dabei auch Sebastian May, der ganz spontan als „Minnesänger des Elferrats“ auftrat.

Eine Premiere gab es beim Auftritt der IFR Garde, die das erste Mal in eigener Halle in ihren neuen Kostümen auftraten und dabei wieder einmal ein hohes sportliches und künstlerisches Niveau präsentierten. Szenenapplaus und eine Rakete waren der verdiente Lohn. Das galt auch für den Auftritt der IFR Nachwuchsgarde, der Jugendtanzgruppe als Rockstars, der als Teufel aufgetretenen Martinis sowie der DJK-Showtanzgruppe, die die Besucher auf eine Weltreise mitnahmen. Bei ihrem Gastauftritt als Cowboys heimste das Männerballett der Himmelstadt Göker viel Beifall ein. Für eine ausgelassene Stimmung sorgte von Anfang mit seiner Musik Dietmar Konrad.

Nachtwächter Emu: Erst nach einer Zugabe und zweier Raketen durfte der Nachtwächter und Erzbischof Elmar Nun die närrische Bühne wieder verlassen.
| Nachtwächter Emu: Erst nach einer Zugabe und zweier Raketen durfte der Nachtwächter und Erzbischof Elmar Nun die närrische Bühne wieder verlassen.
Aufschlussreich: Unter dem Motto „Vom Embryo zum Teenager“ stand die Bütt von Vincent Schmitt, der Einblicke in die Zeit vor und nach seiner Geburt gab.
| Aufschlussreich: Unter dem Motto „Vom Embryo zum Teenager“ stand die Bütt von Vincent Schmitt, der Einblicke in die Zeit vor und nach seiner Geburt gab.
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