Main-Spessart

Neue Serie: Reise durch die faszinierende Geschichte der Region

An diesem Freitag startet in der Main-Post eine große Serie zur Geschichte der Region: Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Wir haben viel vor – die Serie läuft drei Jahre lang.
Die Burgruine Homburg bei Gössenheim gehört zum reichen historischen Erbe, das es im Landkreis gibt. Auch die Burg, die im 17. Jahrhundert nach einem Brand allmählich zerfiel, wird in unser Geschichtsserie porträtiert.
Die Burgruine Homburg bei Gössenheim gehört zum reichen historischen Erbe, das es im Landkreis gibt. Auch die Burg, die im 17. Jahrhundert nach einem Brand allmählich zerfiel, wird in unser Geschichtsserie porträtiert. Foto: Helmut Hussong

Woher des Wegs, wohin? So begrüßten sich früher die Handwerksgesellen auf ihrer Wanderschaft. Wohin geht unsere Reise, liebe Leserinnen und Leser? Eine gute Antwort kann nur der geben, der weiß, woher er kommt. Die Serie „Geschichte der Region Main-Spessart“, die jetzt in der Lokalausgabe der Main-Post in Main-Spessart und auch online startet, will Sie auf eine Wanderschaft mitnehmen – auf eine Entdeckungsreise in die faszinierende Vergangenheit dieser Region. 

Die Serie beginnt streng der Chronologie folgend mit der Geologie der Region. Die Gegend, die sich heute Unterfranken nennt, war im Trias einer Aufeinanderfolge von Hebungen, Senkungen und Verkippungen der mitteleuropäischen Kontinentalplatte ausgesetzt. Dem Buntsandstein folgte der Muschelkalk und der Keuper. Meere kamen und verschwanden. Wir erklären in der Serie, wie der die Landschaft prägende Main schließlich sein Bett gefunden hat.

Es gibt außergewöhnliche Funde. Zum Beispiel entdeckte man im 18. oder 19. Jahrhundert bei Gambach im bereits stillgelegten Steinbruch einen Unterkiefer, der von einem Mastodonsaurus ingens stammt, der unglaubliche 240 Millionen Jahre alt ist. Laut dem Würzburger Paläontologen Professor Gerd Geyer handelt es sich dabei um das vermutlich weltweit größte bekannte Amphibium,  von dem es Nachweise gibt. 

Die Nachbildung eines älteren Neandertalers im Neanderthal-Museum in Mettmann. Auch sie durchstreiften unsere Region.
Die Nachbildung eines älteren Neandertalers im Neanderthal-Museum in Mettmann. Auch sie durchstreiften unsere Region. Foto: Federico Gambarini

Die ersten Menschen kamen. Der Neandertaler hinterließ seine Spuren und es ist nachgewiesen, dass er als Jäger und Sammler die Gegend hier durchstreifte. Als die letzte Eiszeit vor 12 000 Jahren wärmeren Temperaturen wich, war die Landschaft hier noch eine Steppe, auf der Mammuts und Wollnashörner grasten. Ein versteinerter Unterkiefer eines Wollnashorns wurde bei Rieneck gefunden. Aus Steinfeld wissen wir von einem Mammutzahn. Mit dem Beginn der Warmzeit veränderte sich die Landschaft. Dichte Wälder kamen auf. Die Menschen der Mittelsteinzeit jagten mit ihren Speeren Hase, Reh und Wildschwein. In der Jungsteinzeit wurden die Menschen sesshaft.

Weite Teile Europas besiedelte im letzten Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung eine Gemeinschaft von Stämmen, die beeindruckende Zeugnisse ihrer Kunstfertigkeit hinterließen – es war das Zeitalter der Kelten. Ein in den 90er Jahren entdecktes Schwert aus der Laténezeit bei Schönarts zeugt von ihrem Geschick, Eisen zu verarbeiten. Die Kelten gaben dem Main seinen Namen. In mehreren Besiedelungswellen entstanden Orte, machen verschwanden wieder wie die Wüstung Seehausen, die zwischen Zellingen und Duttenbrunn nachgewiesen ist. 

Bonifatius brachte das Christentum in die Region

Bonifatius hatte Staat und Kirche zusammengeführt und brachte das Christentum in die Region. Karlburg war neben Würzburg ein wichtiger Zentralort in der frühmittelalterlichen Landesgeschichte. Es entstanden Klöster wie die Benediktinerabtei in Neustadt. Adelsgeschlechter wie die Herren von Thüngen und die Grafen von Rieneck schufen sich ihre Machtzentren. Auch diese wollen wir in unserer Serie porträtieren.

Auch das Lohrer Schloss gehört zum reichen Erbe. 
Auch das Lohrer Schloss gehört zum reichen Erbe.  Foto: Wolfgang Dehm

Es wurden die Städte Karlstadt, Lohr und Gemünden gegründet, Burgen wurden gebaut, deren Ruinen noch heute die Landschaft prägen und von einem reichen Erbe zeugen. Im 14. Jahrhundert war die Birkenhainer Straße ein wichtiger mittelalterlicher Handelsweg von Hanau nach Gemünden, an dem der Reisende durch die dichten Wäldern froh über Raststationen wie das Kloster Einsiedel war. Das derzeit renovierte Bürgerhaus in der Karlstadter Hauptstraße 9 und 11 zeugt von einem gestiegenen Selbstbewusstsein der städtischen Bevölkerung. 

Es gab auch Krieg und Zerstörung. Wir zeigen in der Serie auf, wie im Verlauf des Bauernkriegs 1525 unter anderem die Karlsburg zerstört wurde. Die Bauern wehrten sich gegen die Feudalherrschaft und beriefen sich in ihrem Widerstand auf Luther, der sich aber von ihnen distanzierte. Julius Echter setzte später mit der Gegenreformation den katholischen Glauben wieder mit voller Härte durch.

Söldnerheere plünderten Dörfer

Es folgte der 30-jährige Krieg, der in der Region grausam wütete. Söldnerheere plünderten die Dörfer und Städte und richteten unglaubliches Unheil an. Es war eine Zeit der Gesetzlosigkeit. Der Schwedenkönig Gustav Adolf war 1631 in Karlstadt, seine Truppen besetzten die Stadt drei Jahre lang. 

Nicht minder verheerend war das Aufkommen von Seuchen wie der Pest. Viele Menschen starben und es begann die Suche nach den Schuldigen. Judenpogrome und Hexenprozesse waren die Folge. Später trieben die Spessarträuber ihr Unwesen im Wald, in dem mancher spurlos verschwand.

Andreas Bodenstein, gemalt in Öl im Original von Lucas Cranach, kopiert in Acryl von Wolfgang Merklein.
Andreas Bodenstein, gemalt in Öl im Original von Lucas Cranach, kopiert in Acryl von Wolfgang Merklein. Foto: Klaus Gimmler

Es gibt aber auch die großen Söhne, die mit ihren Ideen die Geschichte weit über die Region hinaus geprägt haben. Karlstadt darf für sich in Anspruch nehmen, dass hier Geborene das geistige Leben und religiöse Geschehen in Deutschland an der Wende zur Neuzeit mitbestimmten. Zu nennen ist vor allem Andreas Bodenstein, der zeitweise ein Weggefährte von Martin Luther war.

Auch Johann Schöner gilt als bedeutender Humanist, Mathematiker und Astronom. Er erstellte die ältesten Erdgloben überhaupt. Johann Rudolph Glauber, ebenfalls in Karlstadt geboren, stellte Medikamente her und gilt als Begründer der frühen Chemieindustrie. Nicht zu vergessen auch das Lohrer Schneewittchen. Woher kommt die Legende? Was ist Wahrheit? 

Wann wurden die Brücken über den Main gebaut, wie entwickelte sich die Schifffahrt auf dem Main, wann kam die Eisenbahn? Wie entwickelte sich das Feuerwehrwesen? Wann kam der elektrische Strom? Wie schlimm war die Zeit unter den Nationalsozialisten? Wie erlebten die Menschen hier die Weltkriege und die Befreiung durch die Amerikaner? Auch diese Fragen wollen wir in unserer Serie beantworten.

Ehrgeiziges Projekt

Damit haben wir uns ein ehrgeiziges Projekt vorgenommen. Wir wollen möglichst einmal in der Woche der Geschichte der Region einen angemessenen Platz widmen, in der Regel freitags vorgesehen. Die Serie wird den geschichtsinteressierten Leser voraussichtlich bis ins Jahr 2022 begleiten.

Die Redakteure und Mitarbeiter der hiesigen Main-Post-Redaktion stemmen dieses Projekt nicht alleine. Wir können auf wertvolle Hilfe setzen. Unter den Autoren sind viele Historiker, die hier leben und die schon jahrelang Geschichtsforschung betreiben. Mit ihnen und weiteren Experten wollen wir versuchen, die Geschichte der Region so darzustellen, wie sie ist – interessant und lehrreich, manchmal grausam, aber auch unglaublich faszinierend. Wenn dies gelingt, hat die Serie ihr Ziel erreicht.

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