Sendelbach

Neuer Vorschlag mit Standortvorteil

Nicolaus Diel (1868 – 1952), über 33 Jahre Bürgermeister von Sendelbach.
Foto: Repro: G. Weislogel | Nicolaus Diel (1868 – 1952), über 33 Jahre Bürgermeister von Sendelbach.

In Lohr gibt es nur noch wenige neue Straßen, für die der Stadtrat neue Namen finden muss. Aber in den vergangenen Monaten wurden zahlreiche Vorschläge gemacht. Einen für das neue Baugebiet oberhalb der Steinfelder Straße in Sendelbach interessanten Namen brachte dieser Tage die Harfenistin Gudrun Haag ins Spiel: Nicolaus Diel.

Der Großvater der in Gauting bei München wohnenden Lohrerin amtierte von 1900 bis 1933 als Bürgermeister der damals noch selbstständigen Gemeinde Sendelbach. Weil er bei den Nazis nicht mitmachen wollte, wurde er zum Rücktritt gezwungen, im April 1933 ab- und durch ein NSDAP-Gemeinderatsmitglied ersetzt.

Zwei Perioden im Landtag

Der aus einer uralten Sendelbacher Familie stammende Nicolaus Diel hatte für die Zentrums-Partei ab 1912 zwei Wahlperioden im Landtag gesessen. Nach seiner Absetzung als Rathauschef machte Diel als Gemeindeschreiber weiter und erhielt Ende 1933 den Titel Altbürgermeister und die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatgemeinde.

Seine Eltern hatten die Gastwirtschaft "Engel", den heutigen "Frankenhof", betrieben. Nicolaus Diel lernte nach der Lateinschule das Küferhandwerk in Mainz. Nach Sendelbach zurückgekehrt, heiratete er Katharina Riedmann und übernahm den Gasthof "Post".

Der Büttnermeister und spätere Meßweinhändler interessierte sich vor allem für den Weinbau, hatte am Romberg sein geliebtes "Wengertle". "Ich denke, es wäre der richtige Ort, ihn mit einem Straßennamen am Romberg zu ehren", meint seine älteste Enkelin, die 1940 in Würzburg geborene Gudrun. Die Spitzenmusikerin, durch den coronabedingten Stillstand der Kultur derzeit selbst in ihrem musikalischen Wirken ausgebremst, ergänzte nun in Briefen nach Lohr die Namensdiskussion mit einem ganz ortsnahen Vorschlag.

Früh Eingemeindung angeregt

Die älteste Tochter des promovierten Altphilologen Franz Diel, der als Studienrat am Lohrer Gymnasium wirkte, ging in die Lohrer Klosterschule, ehe sie in Würzburg und Paris studierte. Franz Rieger holte sie zu den Münchner Philharmonikern, wo sie unter allen großen Dirigenten die Harfe spielte und von 1974 bis 2005 als Dozentin am Richard-Strauß-Konservatorium lehrte.

Für ihr bedeutendes künstlerisches Wirken und umfangreiches musikalisches Schaffen bekam sie mehrere Auszeichnungen und 2001 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Ihr Großvater, Nicolaus Diel, hatte vorausschauend bereits 1924 in einem von allen Gemeinderäten unterzeichneten Brief eine Eingemeindung Sendelbachs in die Stadt Lohr angeregt. Aber die lehnte aus finanziellen und machtpolitischen Gründen mehr als einmal ab, was 1939 schließlich vollzogen wurde.

Auch ohne Lohr

Sendelbach schaffte seine Aufgaben in den Jahren der Not auch ohne Lohr. Nikolaus Diel wurde insgesamt sechsmal zum Rathauschef gewählt. Er starb im September 1952 im Alter von 84 Jahren.

Nach ortsgeschichtlichen Darstellungen wurde in Diels Amtszeit von der Gemeinde unter anderem ein Pfarrhaus für die neue Pfarrei errichtet und nach dem Krieg der Kindergarten ermöglicht. Zuvor bekam Sendelbach 1921 elektrischen Strom und ein Jahr später den Gasanschluss. Das größte Projekt bildeten aber der Ausbau und die Sanierung der Wasserversorgung.

Wenige neue Straßen, viele Namensvorschläge

Der Stadtrat hat die Auswahl unter zahlreichen Namensvorschlägen, wenn das Gremium in einigen Wochen an seltene Neubenennungen von Straßen geht. Im künftigen Baugebiet südlich der Steinfelder Straße in Sendelbach sollen nach dem derzeitigen Stand der Diskussion die Rombergstraße und der Sandweg in Richtung Sportplatz verlängert werden, sodass wohl nur zwei kleine Stichstraßen für die Namensgebung übrig blieben. Dies ließ der geschäftsleitende Beamte im Lohrer Rathaus und Pressesprecher Dieter Daus dieser Tage auf Nachfragen durchblicken. Er kann auch auf bereits vorliegende Vorschläge verweisen: Ehrenbürger Josef Schloßmann (nominiert von der Fraktion der Freien Wähler), Altbürgermeister Gerd Graf und der langjährige Sendelbacher Pfarrer Johannes Markert (benannt von der CSU-Fraktion).
Neben den noch nicht in Straßennamen verewigten ehemaligen Lohrer Rathauschefs gibt es eine Reihe weiterer Kandidaten. Der Lohrer Geschichtsverein und sein Vorsitzender Wolfgang Vorwerk haben bereits vor längerer Zeit eine allgemeine Liste eingereicht, um an ehemalige jüdische Mitbürger und Mitbürgerinnen zu erinnern – weit über Schloßmann hinaus. Weil Frauen bei der Namensgebung in Lohr bisher völlig unterrepräsentiert sind, wurde auch schon an die erste Bundestagsvizepräsidentin Maria Probst gedacht, ebenso an die verstorbenen Stadträtinnen Anneliese Hild, Emmy Pahler und Helga Fritsch.
MEWL
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