Marktheidenfeld

Plan für "kontaktlose Patientenbibliothek" irritiert und enttäuscht

In einer Stellungnahme kritisiert das Bücherei-Team am Krankenhaus Marktheidenfeld: Warum wurde so kurzfristig informiert? Und ist "kontaktlos" nicht der falsche Weg?
Wie geht es mit der Patientenbibliothek in Marktheidenfeld weiter? Nach Wünschen des Klinikums soll sie 'kontaktlos' werden. Das kann das ehrenamtliche Büchereiteam nicht verstehen. 
Foto: Martin Schutt | Wie geht es mit der Patientenbibliothek in Marktheidenfeld weiter? Nach Wünschen des Klinikums soll sie "kontaktlos" werden. Das kann das ehrenamtliche Büchereiteam nicht verstehen. 

In der jüngsten Stadtratssitzung in Marktheidenfeld diskutierten die Räte über die Pläne, die ehrenamtlich betriebene Patientenbibliothek am Krankenhaus zum Jahresende zu schließen. Zu diesem Thema erreichte die Redaktion folgende Stellungnahme des Vorstands des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) Frauenkreis Marktheidenfeld:

"Der KDFB Frauenkreis Marktheidenfeld war vor 35 Jahren Gründungsmitglied der Patientenbibliothek am damaligen Krankenhaus Marktheidenfeld. Seit dieser Zeit wurde die Bücherei organisatorisch von uns ehrenamtlich geführt und verwaltet. Zur Zeit engagieren sich sechs Ehrenamtliche im Büchereidienst. In all den Jahren haben unsere ehrenamtlich Tätigen hohe Wertschätzung ihrer Arbeit durch die Patienten des Krankenhauses, der geriatrischen Reha, der Bewohner der Senioreneinrichtung und durch das Personal erfahren. 

Umso weniger können wir daher zum einen die Art und Weise der Übermittlung der Nachricht zur Schließung der Bücherei und zum anderen die Notwendigkeit der Schließung verstehen. In einem Schreiben vom 14. Dezember haben wir zudem die Landrätin noch um Aufklärung gebeten hinsichtlich der Widersprüchlichkeit der Aussage zur Schließungsmitteilung durch Klinikreferent René Alfons Bostelaar und der Aussage vom zweiten Bürgermeister Christian Menig (in der Stadtratssitzung vom 10.12., Anm. d. Red.) wonach „nichts passiert“.

Vorstand und Leitung wurden Anfang November das erste Mal über die Pläne informiert

Der Aussage „Leiterin . . .  frühzeitig informiert“ widersprechen wir ausdrücklich, da die erste Information zur Schließung am 11. November 2020 erfolgt ist. Mit zwei Schreiben Anfang Dezember an den KDFB-Vorstand und an die Leiterin der Patientenbibliothek, Jutta Zenglein, wurde mitgeteilt, dass der Büchereidienst in der bisherigen Form zum 31.12.20 definitiv beendet wird. Kurz darauf konnte der Abbau des Computers im Büchereizimmer gerade noch gestoppt werden. Dieses insgesamt überstürzte Vorgehen und der aufgebaute Zeitdruck kann von uns und unseren Ehrenamtlichen nicht nachvollzogen werden. 

Wir können verstehen, dass coronabedingt eine Durchführung des Büchereidienstes momentan nicht möglich ist. Auch verstehen wir, dass das Büchereizimmer im Zuge der Umbaumaßnahmen des Eingangsbereiches benötigt wird. Nicht verstehen können wir allerdings, dass im Zuge dieser Maßnahmen die Patientenbibliothek auf Dauer beendet werden soll.

Andere Kliniken beschäftigen für solch einen Dienst neben- und hauptamtliches Personal  

Jutta Zenglein nimmt als Leiterin der Patientenbibliothek regelmäßig an bundesweiten Treffen mit anderen Büchereileiterinnen von Krankenhäusern teil. Dieser Dienst wird in anderen Kliniken großenteils mit neben- bzw. hauptamtlichen Kräften durchgeführt. Diese Kliniken sehen also einen solchen Dienst als so wertvoll für ihre Patienten an, dass sie im Personalbereich Kosten generieren.

"Im vergangenen Jahr hatten wir rund 2500 Ausleihen von Büchern und Medien. Zu je einem Drittel kamen die Nachfragen von der Senioreneinrichtung, von der geriatrischen Reha und vom Personal. Es hat sich gezeigt, dass insbesondere die Patienten der geriatrischen Reha das Angebot mit steigendem Interesse angenommen haben, da diese im Gegensatz zu den Krankenhauspatienten eine wesentlich längere Verweildauer haben. Für sie stellt, neben der Beschäftigung mit unseren Medien, die soziale Komponente durch Gespräche über die Ausleihe eine willkommene und freudig angenommene Bereicherung ihres Alltags dar. Dies haben wir durch zahlreiche Rückmeldungen erfahren.

Nach einiger Zeit wären keine Bücher mehr vorhanden

Auf Nachfrage an die Krankenhausleitung, welche Gründe zu der Entscheidung zur endgültigen Schließung des Krankenhaus-Büchereidienstes geführt hätten, wurde uns mitgeteilt, dass es sich um keine Schließung, sondern um eine „Umstrukturierung“ in eine „kontaktlose“ Bücherei handle. Die besondere Marktheidenfelder Variante sieht allerdings vor, die Bücher in Bücherschränke zu stellen, an denen sich die Patienten selbst bedienen können. Diese Bücher sollen dann nicht mehr zurückgegeben werden, sondern für immer bei den Patienten verbleiben. Dies bedeutet aber de facto eine Schließung der Bibliothek, weil nach einiger Zeit keine Bücher mehr vorhanden sein werden.

Für uns ergeben sich daraus verschiedene Fragen: Ist diese Marktheidenfelder Variante sinnvoll und angemessen für hochbetagte Menschen in geriatrischer Reha und der Senioreneinrichtung? Ist nicht der ausschlaggebende Charakter der bisherigen Form gerade der Kontakt zwischen den Patienten und den Büchereimitarbeiterinnen? Warum will man durch die Schließung der Bücherei den Patienten diese wichtigen Kontakte nehmen?

Kontaktlos? Ist das die künftige neue geriatrische Welt am Standort Marktheidenfeld ?

Es versteht sich von selbst, dass in der augenblicklichen Situation eine persönliche Buchausleihe in einer medizinischen Einrichtung nicht möglich ist. Dies darf jedoch nicht zum Anlass genommen werden, die Bücherei in ihrer bisherigen Form für immer zu schließen. Daher bittet der KDFB Vorstand die politischen Entscheidungsträger auf die Klinikleitung einzuwirken, diesen Entschluss noch einmal zu überdenken. Oder sieht so eine künftige neue geriatrische Welt am Standort Marktheidenfeld aus? Kontaktlos!"

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