Lohr

Premiere der Gaukler: Mit viel Schmackes und Esprit

Sie gestalteten eine famose Premiere ihrer Komödie „Wer ist wer?“: Die Gaukler Anette Sultan (von links), Susanne Balzer-Endres, Gerhard Kolbert und Herbert Lochner-Grossmann.
Foto: Rita Gress | Sie gestalteten eine famose Premiere ihrer Komödie „Wer ist wer?“: Die Gaukler Anette Sultan (von links), Susanne Balzer-Endres, Gerhard Kolbert und Herbert Lochner-Grossmann.

Lampenfieber hätten sie, sagten die „Gaukler“ am Freitagabend vor der ersten Aufführung ihrer diesjährigen Boulevard-Komödie „Wer ist wer?“. Minuten später legte das vierköpfige Ensemble Herbert Lochner-Grossmann, Anette Sultan, Gerhard Kolbert und Susanne Balzer-Endres eine Pracht-Premiere auf die Bretter im Mehlingskeller, haute Kabinettsstückchen raus und ein restlos ausverkauftes Haus applaudierte, was das Zeug hielt.

Der Zweiakter von Autor Hans-Peter Zeller ist gespickt mit Situationskomik und Chaos. Regisseur Joe Henselewski meinte eingangs der Premierenfeier, sie hätte um ein Haar abgesagt werden müssen wegen starker Heiserkeit von Anette Sultan. Sie jedoch landete einen stimmlichen und schauspielerischen Punktesieg.

Die diesjährige Inszenierung widmete der Regisseur „einer wunderbaren Frau und Akteurin“: Susanne Balzer-Endres. Sie war nach der Premiere im letzten Jahr gestürzt, hatte sich einen Kieferbruch zugezogen und fiel für die restliche Spielzeit aus. Sie ist wieder dabei, wie gewohnt mit Schmackes und Esprit!

Das Prädikat „umwerfende Präsenz“ darf sich auch Herbert Lochner-Grossmann anheften. Als Einbrecher Josef schleicht er ins Wohnzimmer des auf Weltreise weilenden Moritz Konradi und seiner Gemahlin. Seine „Profession“ kauft man ihm augenblicklich ab. Ihm ist der Profi-Ganove ins Gesicht geschrieben.

Mächtige Anziehungskraft

Auf die neue Nachbarin Stella Singer (Anette Sultan), angeblich eine Psychologin, übt er mächtig Anziehungskraft aus. „Sie strahlen so etwas Verbotenes aus“, säuselt die flotte Blonde und rückt ihm auf den Leib. Josef alias Konradi geht in Deckung. Er sei verheiratet; seine Frau sei übers Wochenende zu ihrer kranken Mutter gereist. Die Dinge drohen aus dem Ruder zu laufen, als Konradis Cousine Carmen Kern aus San Francisco (Susanne Balzer-Endres) Einlass begehrt. Josef kennt sie nicht, sie ihn auch nicht. Sie schmachtet mit grandioser Mimik: „Du hast mir als Backfisch den ersten unvergesslichen Kuss gegeben.“

Mitgebracht hat sie den in Folge von Jugendsünden hinkenden Gerald Brandschatz (Gerhard Kolbert), heute Neu-Franzose namens Gerome Flambé, erfolgreicher Immobilienmakler in der Normandie, zirka vier bis fünf Kinder aus wechselnden Beziehungen. Im Mehlingskeller prasselten die Lacher. Das brauchte keine nähere Erklärung, es war Kolbert pur!

Verliebtes Ehepaar

Konradi müsse sich doch an ihn erinnern als seinen einstigen Nachhilfelehrer und Jugendfreund. Tut er aber nicht. Stattdessen braucht Josef Schützenhilfe von „Schdella“. „Stella“, korrigiert der „Engel“. Ab jetzt mime man das verliebte Ehepaar, selbstverständlich nach psychologischen Richtlinien.

Indes beginnt der Wahlfranzose, eine Komödie zu durchschauen. Vor Carmen legt er die Karten der wahren Identität auf den Tisch. „Uns beiden steht das Wasser bis zum Hals. Ein Scheck muss her.“ Einen Schnaps darauf. Auch Josef kommen Zweifel an den lästigen Besuchern. Sollte er mit der rassigen „Schdella“ eine Firma zu gründen oder abhauen? Das „Goldstück“ hat eingestanden, wie er von transportablen Gegenständen in leer stehenden Wohnungen zu leben.

Außerdem sei Moritz ja auch nicht Moritz.

Kurz vor Eintreffen der Ordnungshüter war die Frage nach wer ist wer geklärt. Gerome Flambé verabschiedete sich von seinen Mitstreitern galant mit „Auf Wiedersehen, Frau Kollegin, auf Wiedersehen Herr Kollege.“

Am Ende der Premierenfeier gab's Rosen für die Akteure vor und hinter der Bühne von Jörg Engelhard. Er, Inge Schwab, Steffi Straub und Rebecca Wack gaben die Premiere am Samstag.

Proben ohne Textbücher

Warum die Gaukler am Freitag ihrem in München lebenden Regisseur Joe Henselewski ein T-Shirt in – oh Schreck Borussia Dortmund-Farben – schenkten mit dem Aufdruck „Fuck the Text“ (in saloppem Deutsch: „Fühl den Text“)? Weil er ihnen während der Proben die Textbücher weggenommen hat. Die Philosophie des Profi-Schauspielers: „Schauspielern heißt, den Text zu fühlen. Nur so könnt ihr den Witz transportieren.“ Klappte famos!

Weitere Vorstellungen von „Wer ist wer?“ im Theaterkeller Mehling sind im November am 20. und 21. (Ensemble I) und 27. und 28. (Ensemble II). Im Dezember am 4. und 5. (I). Januar 2016: 15. und 16. (II), 22. und 23. (I) und 29. und 30. (II). Februar: 5. und 6. (I), 12. und 13. (II), 19. und 20. (I) und 26. und 27. (II). März: 4. und 5. (I), 11. und 12. (II), 18. (I). Die Benefizvorstellung am 19. März gibt Gruppe II.

Die Einnahmen und Spenden aus dieser letzten Aufführung kommen der Regionalgruppe Lohr des Hospizvereins Würzburg zugute. Beginn sämtlicher Vorstellungen ist um 20 Uhr, Einlass in den Theaterkeller ist ab 19 Uhr 30.

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