Marktheidenfeld

proMAR will Erneuerungsprozess für Marktheidenfeld anstoßen

Die Wählergruppierung tritt im März 2020 mit 24 Kandidaten für den Stadtrat an und setzt damit aus ihrer Sicht den Auftrag der Bürgerschaft um. Sie will manches korrigieren.
Die Kandidatinnen und Kandiaten der Wählergruppierung ProMAR für die Stadtratswahlen im März 2020 in Marktheidenfeld. Foto: Joachim Spies

Eines gleich vorweg: Zum Thema Bürgermeisterkandidatur fiel kein Wort in der Aufstellungsversammlung der Wählergruppierung proMAR am Mittwochabend in der "Schönen Aussicht" in Marktheidenfeld. Es bleibt somit bei einer Liste für die Stadtratswahl im März 2020 und die ist mit 24 Kandidaten und drei Ersatzleuten beachtlich bestückt. "proMAR kommt aus der Mitte der Bürgerschaft", betonte ihr Spitzenkandidat Ludwig Keller, der neben Ulrich Stahl (früher Bürgergemeinschaft Marktheidenfeld) der einzige mit Erfahrung im Stadtrat ist. 

Was vor vier Jahren mit wenigen Leuten als Bürgerbewegung gegen die Schließung des Marktheidenfelder Krankenhauses begonnen habe, sei so gewachsen, "dass wir heute den Bürgern bei der Wahl ein alternatives Angebot machen können", freute sich Ludwig Keller, der seit fast 30 Jahren und davon die meiste Zeit als Freier Wähler, dem Stadtrat angehört. Im Juli 2019 wurde aus der Bürgerinitiative ein Verein mit Florian Hoh als Vorsitzendem und somit der Weg geebnet für ein Antreten zur Kommunalwahl.   

Etliche der Bewerberinnen und Bewerber kommen aus der Altstadt und sind im Zusammenhang mit den Protesten gegen die Schließung des Mainkaiparkplatzes bekannt. Aber nicht nur dort sei in der Stadt Marktheidenfeld vieles falsch gelaufen, machten die Kandidaten bei ihrer persönlichen Vorstellung deutlich. Enttäuscht sind sie vom Handeln der etablierten Parteien, deren Mitglieder kein Rückgrat gezeigt und sich bei Entscheidungen den Fraktionszwängen gebeugt hätten. Dass proMAR einen klaren Fokus hat, ging beispielsweise aus den Worten von Thomas Lermann hervor: "Wir, die wir hier sitzen, sind für Marktheidenfeld und alles andere draußen herum interessiert erst mal nicht."   

Auf dem Weg zur Geisterstadt?

Marktheidenfelds Innenstadt ähnele allmählich einer Geisterstadt, bedauerte Gerhard Duczek, dem neben den Leerständen vor allem die fehlende Notfallversorgung ein Dorn im Auge ist. Und Löwen-Inhaberin Birgit Fleischmann-Müssig und der Unternehmer Dirk Fiebig sahen die Unternehmer im Stadtrat völlig unterrepräsentiert. Fleischmann-Müssig: "Das Gewerbe in Marktheidenfeld braucht eine Lobby, auch in der Politik." Nicht weniger vernachlässigt sehen die proMAR-Kandidaten die Jugend in der Stadt, für die seit Schließung des Lichtspielhauses wenig geboten sei. Susanne Kötter: "Marktheidenfeld soll wieder eine lebendige und attraktive Stadt werden." 

In der anschließenden programmatischen Rede machte Ludwig Keller klar, dass es proMAR darum gehe, "einen Erneuerungsprozess für unsere Stadt anzustoßen". Beim Umgang mit den Bürgern müsse Vertrauen geschaffen und wieder eine Atmosphäre der Offenheit hergestellt werden. "Der Kompass für Dialog und Bürgernähe in Marktheidenfeld muss neu justiert werden", sagte der 74-Jährige. 

Belebung der Altstadt hat oberste Priorität

Prioritäten setzt die neue Liste bei der Belebung der Altstadt. Wenn Marktheidenfeld nicht zur Schlafstadt werden solle, dann brauche es ein Entwicklungskonzept, an dessen Gestaltung Gewerbetreibende, Geschäftsinhaber und Gastronomen kontinuierlich beteiligt werden müssten. Für Leben in der Stadt seien auch zentrumsnahe Parkplätze nötig. Wer diese ohne Not schließe, erweise der Altstadt einen Bärendienst. Wichtig seien kurze Wege ins Zentrum. Keller: "Auch beim Alten Festplatz sagen wir: Hände weg." Er sei unverzichtbar für die Pendler.  

Hier lagen die Wurzeln von proMAR: 10 007 Unterschriften für den Erhalt einer Notfallambulanz in Marktheidenfeld nach Schließung des Krankenhauses überreichte Ludwig Keller im Januar 2017 an Landrat Thomas Schiebel. Foto: Jürgen Kamm

Patientenfeindlich und klimaschädlich bezeichnete Ludwig Keller den Gesundheitszentralismus. proMAR fordere "für Marktheidenfeld eine medizinische Anlaufstelle, die außerhalb der Praxisöffnungszeiten die Versorgung der örtlichen Akutpatienten sicherstellt". Bisher hätten sich die Verantwortlichen mehr mit der Frage nach Zuständigkeiten als mit der Suche nach unkonventionellen Lösungen befasst. "Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!" proMAR wolle hier konstruktiv mitarbeiten. 

Bei den weiterführenden Schulen am Ort gehe es darum, dass diese zeitnah saniert würden und zugleich die Sportstätten erhalten blieben. Keller: "Die Interessen der Stadt Marktheidenfeld dürfen nicht weiter mit Füßen getreten werden." Der Redner versprach, dass sich die Liste auch im Hinblick auf die Berücksichtigung "junger Interessen", beim Trinkwasserschutz, der Förderung der heimischen Landwirtschaft und bei der Begrenzung des Flächenverbrauchs einsetzen werde.  

Die Stadtratsliste von proMAR
Unter der Wahlleitung von Jürgen Schwarzkopf stimmten die 19 anwesenden Wahlberechtigten einstimmig für die nachfolgende Stadtratsliste von proMAR:
1.Ludwig Keller (74), 2. Florian Hog (33), 3. Caroline Kurz (40), 4. Heinz Richter (32), 5. Thomas Lermann (55), 6. Gerhard Duczek (60), 7. Dominik Schüßler (38), 8. Birgit Fleischmann-Müssig (55), 9. Klaus Hock (66), 10. Roswoitha Körper (78), 11. Dirk Fiebig (54), 12. Ulrich Stahl (58), 13. Susanne Kötter (61), 14. Markus Übelhör (45), 15. Thomas Messner (55), 16. Ursula Hofstetter (54), 17. Christoph Westhoff (41), 18. Karin Schneider-Schüßler (65), 19. Michael Schwackenhofer (36), 20. Joachim Kötter (63), 21. Vera Braukmann (48), 22. Hamid Amiri-Fakhr (43), 23. Bettina Boshuis (56) und 24. Wolfgang Zeh (62).
Ebenfalls einstimmig gewählt wurden die Ersatzkandidaten Ernst Behr (70), Ernst Wieskopf (75) und Horst Selinger (78), die im Bedarfsfall noch unten auf die Liste nachrücken.

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