Marktheidenfeld

Reflektierte Kunst über Zeit und Vergänglichkeit

Erhard Löblein las im Franck-Haus im Rahmen seiner Ausstellung 'MenschenBild' aus eigenen Werken.
Foto: Martin Harth | Erhard Löblein las im Franck-Haus im Rahmen seiner Ausstellung "MenschenBild" aus eigenen Werken.

Die Ausstellung "MenschenBild" von Erhard Löblein findet mit ihren ungewöhnlichen Darstellungen gerade im Marktheidenfelder Franck-Haus ein interessiertes Publikum aus nah und fern. Nicht alle Gäste wissen aber, dass der Künstler aus Zell am Main, auch auf ein umfangreiches literarisches Schaffen zurückblickt.

Der frühere Werbefachmann nutzte seine Aufenthalte in der Ausstellung zu kleinen Lesungen. Dass er seine Gedichte und Geschichten bei beiden Veranstaltungen im barocken Festsaal hinter einer großen Plexiglasscheibe vortragen musste, war unter den gegenwärtigen Abstands- und Hygieneregel unvermeidlich.

Zeit und  Vergänglichkeit im Fokus

Aber davon ließ sich der 1932 in Marktbreit geborene Autor nicht irritieren. In seiner langen Lebenszeit hat er viel erlebt und manches davon fließt in seine Werke ein. Am Sonntag widmete er sich zunächst mit Gedichten dem Thema Zeit. In formvollendeten Reimen wandte er sich Themen wie Vergänglichkeit, Rastlosigkeit, dem Lauf der Zeit oder dem Sinn des Lebens zu.

Aus seinem Buch "Utopia – Land das nirgends ist" hatte Löblein die Kurzgeschichte "Die Einsamkeit des Kilometersteins" ausgewählt. In dieser hält ein Mann einer Wegmarke mit der Nummer 199 einen Monolog über Glück und Unglück, Wert und Bedeutung. Am Ende hält ein Auto an dieser Stelle, zwei junge Männer steigen aus und bringen den Protagonisten zurück. Wohin? Die Frage bleibt unbeantwortet.

Erste Reime waren NS-infiziert

"Ich mag kein Happy-End", sagt Löblein über sein literarisches Werk, "ich bevorzuge das offene Ende." Geschrieben habe er, seit er zehn Jahre alt war. "Meine ersten Reime habe ich allerdings entsorgt, sie waren infiziert", sagt der Autor mit Blick auf seine Kindheit und Jugend unter der NS-Diktatur.

Was ihn nachhaltig beeindruckte, war die Tatsache, als sich 1949 die bekanntesten deutschen Nachkriegsschriftsteller der "Gruppe 47" ausgerechnet in seinem Heimatort Marktbreit trafen. "Das hat man natürlich schon bemerkt", erinnert sich Löblein. Letztlich habe er vom Gedicht über die Kurzgeschichte hin zum Roman, also von der kleinen hin zur großen Form gefunden.

Literarische Werke im Eigenverlag verlegt

Er habe mehr und mehr Mut fassen können. Seine Werke verlegt Löblein im Eigenverlag. Zu mühsam erscheint ihm die Suche nach einem interessierten Verlag. Schreiben sei neben dem Malen eine seiner Leidenschaften und er liebe es auch heute noch, bei Lesungen mit Menschen in Kontakt zu treten.

Löblein hat weitere Projekte vor sich, auch wenn er abschließend resümiert: "Ich schreibe ohne Plan – von heute auf morgen!" Wer sich für die literarischen Werke von Erhard Löblein interessiert, kann diese in der Ausstellung im Franck-Haus oder über die Homepage http://www.erhardloeblein.de erwerben.

Die Ausstellung "MenschenBild" ist noch bis zum 30. August im vorderen Galeriebereich des Franck-Hauses (Untertorstraße 6, 1. Stock) zu sehen. In der Marktheidenfelder Stadtbibliothek stehen Löbleins Bücher "Fluchtlinien" und "Zeitgedanken" zur Ausleihe zur Verfügung.

Im Franck-Haus überrascht Erhard Löblein aus Zell mit seinen ungewöhnlichen Menschendarstellungen.
Foto: Martin Harth | Im Franck-Haus überrascht Erhard Löblein aus Zell mit seinen ungewöhnlichen Menschendarstellungen.
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