Rieneck

Rieneck: Künftig Jagd in der Gruppe

Nach Geschacher-Vorwürfen: Pirschbezirk 1.1 wird nicht mehr verpachtet. Jagdleiter Schleich lädt revierlose Jäger ein.
Die Waldabteilungslinie nördlich/südlich Gertental grenzt den Rienecker Pirschbezirk EP 1.1 im Bereich Johannisberg und Schneckenweg von den weiteren Jagdbögen des Stadtwaldes ab.
Foto: Helmut Hussong | Die Waldabteilungslinie nördlich/südlich Gertental grenzt den Rienecker Pirschbezirk EP 1.1 im Bereich Johannisberg und Schneckenweg von den weiteren Jagdbögen des Stadtwaldes ab.

Bei der jüngsten Vergabe der Pirschbezirke im Rienecker Stadtwald hatte der Stadtrat entschieden, einen der Jagdbogen durch den städtischen Jagdleiter Matthias Scheich – sozusagen im Eigenbetrieb – bejagen zu lassen. Ein nicht zum Zuge gekommener neuer Pachtinteressent warf daraufhin dem Stadtrat Geschacher vor. Nun erläutern Bürgermeister Sven Nickel und Revierleiter Matthias Schleich in einem Pressegespräch, wie die künftige Bejagung des betroffenen Pirschbezirkes 1.1 organisiert wird. Die Stadt will hier nun bei Sammelansitzen auch revierlose Jäger beteiligen.

"Die Jagd in diesem Pirschbezirk wird nicht allein von, sondern unter Organisation durch Matthias Schleich durchgeführt", betonte Bürgermeister Sven Nickel. Dafür habe man nun ein Konzept zur Beteiligung weiterer ortsnaher, auch revierloser Jäger aufgestellt. Nickel nahm damit nochmals Bezug auf den geäußerten Vorwurf, dem städtischen Jagdleiter würde nun eine kostenlose Jagdmöglichkeit geboten.

Mit mehreren Jägern unterwegs

"Wir werden diesen Jagdbogen mit Sammelansitzen in zeitlichen Intervallen bejagen", erläuterte Matthias Schleich die geplante Vorgehensweise für das knapp 150 Hektar große Jagdareal im Bereich Schneckenweg und erstes Wassertal. Er werde also nicht allein, sondern an verschiedenen Tagen mit maximal fünf bis sechs Jägern auf Ansitzjagd gehen. Die jeweiligen Intervalle im Jahresverlauf sind den biologischen Aktivitätszyklen des Wildes angepasst. Beispielsweise sei im Mai das Rehwild besonders aktiv und deshalb besser zu bejagen. Danach könne man wieder eine Jagdpause einlegen.

Bei diesen kostenlosen Gemeinschaftsansitzen will Schleich jagdlich interessierte, möglichst revierlose Jäger mit einbinden. Auch ortsnahe Jungjäger seien willkommen. Dafür erstellt er gerade eine Liste von Interessenten. Das bei den Sammelansitzen erlegte Wild, plant der Jagdleiter direkt in der Decke (Fell) als ganzes zu verkaufen.

Ferner sollen die jagdlichen Aktivitäten gezielt an waldbaulichen Schwerpunkten erfolgen. So könne man besonders die Naturverjüngung sowie Nachpflanzungen schützen und unterstützen. "Allgemein sind die Wildschäden im gesamten Stadtwald auf einem  verträglichen Niveau", sagte Schleich. Aber dafür, dass es so bleibt, müsse man immer wieder etwas tun.

Waldschäden sollen möglichst gering bleiben

"Es wird zudem keine Kirrjagd und Nachtjagd geben", kündigte Schleich an. Damit unterbleibe eine negative Beeinflussung des Rotwildes und man könne zusätzliche Wildschäden vermeiden. Das Schwarzwild könne man sicher bei den üblichen Ansitzen erlegen. Die im Herbst und Winter auf wenige Tage konzentrierten Bewegungsjagden mit Unterstützung von Hunden gelten vorrangig den Wildschweinen. Dadurch halte sich sowohl der Aufwand wie auch die Beunruhigung des Wildes im Rahmen.

Bürgermeister Sven Nickel und Revierleiter Matthias Schleich erläuterten das künftige Bejagungskonzept für einen knapp 150 Hektar umfassenden Pirschbezirk im rund 1400 Hektar großen Rienecker Stadtwald.
Foto: Helmut Hussong | Bürgermeister Sven Nickel und Revierleiter Matthias Schleich erläuterten das künftige Bejagungskonzept für einen knapp 150 Hektar umfassenden Pirschbezirk im rund 1400 Hektar großen Rienecker Stadtwald.

"Im übrigen ist dieses Konzept nichts Neues", erläutern Schleich und Nickel gemeinsam. Viele Kommunen mit einer Eigenbejagung hätten eine ähnliche Vorgehensweise. Dort kümmere sich auch der Jagdleiter selbst mit um die Abschussplanerfüllung.

Bessere Kontrolle dank des neuen Konzepts

"Im Prinzip bejagen wir den kompletten Stadtwald in Eigenregie", erklärte Matthias nochmals die Systematik hinter der Abkehr vom früheren Verpachtungssystem aus dem Jahr 2008. Die Aufteilung in Pirschbezirke und die Vergabe von Begehungsscheinen sei nur eine Form, die Eigenbejagung zu unterstützen, zu managen und eine bessere Kontrolle über die waldbaulichen Auswirkungen der Jagd zu haben. Damit sei der Jagdleiter schon immer für die Gesamtjagd verantwortlich gewesen.

Mit den bisherigen langjährigen Nutzern der Pirschbezirke sei man jagdlich immer zufrieden gewesen. Deshalb habe der Stadtrat auch einer erneuten Vergabe zu den bisherigen Bedingungen zugestimmt, erläuterte Nickel. Gegenüber der Stadt hatten die vorjährigen Pirschbezirksinhaber des EP 1.1 kein Interesse mehr an einer Verlängerung bekundet. Der Bezirk wurde also frei. Die Stadträte hätten sich deshalb entschieden, keinen der neuen Interessenten zu berücksichtigen, sondern die Bejagung durch Schleich als Jagdleiter der Stadt durchführen zu lassen.

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