Mittelsinn

Sanierte Mittelsinner Orgel beeindruckt mit Klang

Die Verantwortlichen der evangelischen Kirchengemeinde Mittelsinn freuen sich über eine gelungene Sanierung des historischen Königsinstruments.
Die Verantwortlichen der evangelischen Kirchengemeinde Mittelsinn freuen sich über eine gelungene Sanierung des historischen Königsinstruments. Foto: Jürgen Gabel

Die Orgel gilt als Königin der Musikinstrumente. Diesem Attribut wird die Orgel in der altehrwürdigen evangelischen Jakobuskirche, deren älteste Teile aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts stammen, nach ihrer Sanierung mehr als gerecht. Bei der Abnahme der Arbeiten lobte Dekanatskantor Mark Genzel die ungewohnte Klangfülle, den hellen, klaren und breiteren Ton und sie besitze wieder den nötigen "Biss".

"So habe ich hier noch nie gespielt", urteilte der sichtlich zufriedene Orgelkenner. Die uneingeschränkte Anerkennung galt jedoch dem "Macher" des kleinen musikalischen Wunders, dem Orgelbaumeister Edgar Töpfer aus Albertshofen (Landkreis Kitzingen), der dem 270 Jahre alten Instrument wieder neues Leben einhauchte.

Rokokomuschelwerk und Flachschnitzereien

Bei einem kleinen Konzert demonstrierte Genzel den Kirchenverantwortlichen neue, fast noch nie gehörte Klänge. "Die Verbesserung in den Tönen, dem Volumen und der homogene Gesamtklang sind deutlich hörbar und ich kann die Abnahme bedenkenlos empfehlen", erklärte Genzel.

"Ich habe mir lange gewünscht, dass die aus dem Jahr 1750 stammende Orgel instand gesetzt wird", führte er aus. Große Teile des Instruments wie der filigrane, mit Rokokomuschelwerk in Flachschnitzereien eingerahmte Orgelprospekt, Pfeifen und Windladen sind historisch und stammen aus der Anfangsbauzeit. "Im Dekanat Lohr existieren noch vier Orgeln aus dieser Zeit und die Kirchengemeinde Mittelsinn besitzt eine der besten", lobte der Kantor.

Bei der jetzigen Sanierung wurden neben der Reinigung grundlegende Maßnahmen angegangen. So funktionierten die Pedalen nicht mehr richtig und oftmals klemmten Tasten des Manuals. Den Winddruck der Orgel erhöhte der Orgelbauer und die Pfeifen hinter der Orgel lagen im "Schatten". Aus diesem Grund entfernte man den hinteren Holzverschlag, um die Klangvielfalt und das -volumen zu erhöhen.

Holzpfeifen waren von Würmern zerfressen

Viele der historischen Holzpfeifen waren von Holzwürmern zerfressen. Um einer nachhaltigen Lösung und dem historischen Charakter gerecht zu werden, verschloss der Baumeister die Bohrlöcher mit Leim. Die neu verleimten Dichtungen der Holzpfeifen zeigen jetzt eine große Wirkung, meinte Töpfer. Interessant gestaltete sich der Blick in das Innenleben des 800 Pfeifen umfassenden Pfeifenwerks.

Für die 14 klingenden Register hätte man heutzutage zwei Manuale eingebaut, betonte Genzel. Zwei Register zaubern gar den Klang von Streichern ins Ohr. "Die Organisten möchten dieses 'Pfund' auch beispielsweise beim feierlichen Abendmahl oder Chorälen einsetzen", sagte der Dekanatskantor. Organistin Vera Klein bestätigte den "gewaltigen Unterschied zu vorher".

"Ich habe vor 40 Jahren über die Marktbreiter Firma Mann, die es nicht mehr gibt, die Orgel mit aufgebaut", erzählte Orgelbauer Edgar Töpfer. "Das Sanierungsergebnis, der Klang der Orgel, ist das beste Aushängeschild meiner Firma". Ein aktiver Holzwurmbefall kann derzeit ausgeschlossen werden, schloss er.

"Orgelwein" soll teure Kosten refinanzieren

Pfarrer Gunnar Zwing bestätigte als "musikalischer Laie" den imposanten Klangunterschied des Instruments zwischen vorher und jetzt und dankte Töpfer und Genzel für deren Engagement. Bürgermeister Peter Pauls Lob galt besonders dem Orgelbaumeister Töpfer, der dem "historischen Stück" zu einem sehr guten Klang verhalf und gab der Hoffnung für einen Aufschwung in der Kirchengemeinde Ausdruck. Genzel und Zwing verständigten sich spontan für ein Orgelkonzert.

Der Vertrauensmann des Kirchenvorstands Ernst Henning stellte fest, dass die Sanierungskosten von rund 11 500 Euro allein von der Kirchengemeinde getragen werden müssen und warb um Spenden. Mit einem Novum möchte die Kirchengemeinde die Finanzierung anschieben. So soll in Kürze der "Orgelwein" auf den Markt kommen: Die aus Mittelsinn stammende Alexandra Künstler führt in Traben Trarbach (Mosel) ein Weingut. Diese liefert den herrlichen Riesling, den die Kirchengemeinde mit der Orgel auf dem Flaschenetikett nach den Gottesdiensten, im Pfarramt und bei Ernst Henning verkauft.

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