Rodenbach

Schön fürs Auge, schlecht für die Ohren

Ohren zu und durch: Anwohner der Rodenbacher Ortsmitte halten sich symbolisch die Ohren zu.
Ohren zu und durch: Anwohner der Rodenbacher Ortsmitte halten sich symbolisch die Ohren zu. Foto: Johannes Ungemach

Wenn Altorte saniert und neu gestaltet werden, ist das Ergebnis oft eine feine Sache fürs Auge – mitunter aber nicht für die Ohren. Davon können Anwohner der Rodenbacher Ortsmitte seit vielen Jahren ein Lied singen. Etliche von ihnen fordern den Austausch des dort verlegten Pflasters. Stadt und Landratsamt indes sagen, dass alles seine Richtigkeit habe.

Bei einem Treffen vor Ort schildern Anwohner eine gravierende Beeinträchtigung ihrer Lebensqualität – verursacht durch die Geräuschkulisse, die entsteht, wenn Autos in flotter Fahrt über den vor rund 15 Jahren mit Pflaster gestalteten Ortsmittelpunkt rollen.

"Wie Maschinengewehr"

"Erst hört man sie fast nicht. Dann geht es los wie ein Maschinengewehr", schildert Bernhard Kreser den Moment, in dem die Autos vom Asphalt aufs Pflaster fahren. Den Anwohnern sei vor der Ortskernsanierung gesagt worden, dass der Dorfplatz für sie wie ein verlängertes Wohnzimmer werde. Das Gegenteil sei der Fall. Er könne sich im Sommer in seinem Haus bei geöffneten Fenster kaum unterhalten, sagt Kreser. Etliche andere Anwohner bestätigen das. Eine Schichtarbeiterin sagt, sie werde durch das Gerumpel am Tag um ihren Schlaf gebracht.

Schon in der Planungsphase habe er vor der Lärmentwicklung bei einem Pflasterbelag gewarnt, sagt Kreser. Seit vielen Jahren liegt der 66-Jährige mit der Stadt und übergeordneten Behörden im Clinch. Unzählige Briefe und auch Ortstermine hat es gegeben. Doch an den Zuständen geändert habe sich bis heute nichts. Kreser spricht von Arroganz der Ämter, von Planungsfehlern und falschen Lärmberechnungen.

Fugenabstand zu groß?

Eigentlich sei vom Stadtrat für die Rodenbacher Ortsmitte eine verkehrsberuhigte Zone beschlossen gewesen, in der nur Schrittgeschwindigkeit gefahren werden dürfe. Doch umgesetzt worden sei sie nie. "Es wird durchgeblasen", so Kreser über die Folgen.

Ein Mitarbeiter des Landratsamtes habe ihm gegenüber bei einer Ortsbesichtigung von gravierenden Fehlern gesprochen, sagt Kreser. Der Fugenabstand des Pflasters sei zu groß, das Pflaster auch falsch verlegt. Doch später seien diese Aussagen nirgendwo mehr aufgetaucht. Auch gemessen worden sei der Verkehrslärm nie, so Kreser, stattdessen nur berechnet. Ergebnis: Der Lärm liegt unter dem Grenzwert, nachts allerdings nur haarscharf.

Doch laut Kreser wurden bei der Berechnung deutlich niedrigere als die vom Hersteller des Pflasters angegebenen Werte angesetzt. Kreser beschwerte sich. Doch die Behörden hätten "alles weggeschoben".

Die vereinbarte Verkehrszählung in der Ortsmitte habe es nicht gegeben. Auch die Fugenverfüllung sei unterblieben, so Kreser. Eine mobile Geschwindigkeitsanzeige habe es in der Ortsmitte ebenso wenig gegeben wie Tempomessungen, so Kreser.

Doch da widerspricht die Stadt Lohr. Man habe erst im Oktober 2019 Tempokontrollen durchgeführt. Dabei seien binnen drei Stunden 45 Fahrzeuge gezählt worden. Allerdings fand die Kontrolle im Bereich der Rodenbacher Straße 165 bis 167 statt, also am Ortsausgang Richtung Marktheidenfeld.

Klage wäre teuer

Insgesamt sieht die Stadt die Sache als erledigt an. Das formale Verfahren zur Ortskernumgestaltung sei "längst abgeschlossen", so die Pressestelle. Sämtliche Schritte beruhten auf Beschlüssen des Stadtrates und auf Abstimmungsprozessen mit der Bürgerschaft. Zu den Beschwerden Kresers sagt die Stadt, dass alle Prüfungen auch durch übergeordnete Behörden ergeben hätten, dass keine berechtigten Ansprüche zu erkennen seien. Auch aus Sicht des Landratsamtes ist am Pflaster in der Rodenbacher Ortsmitte nichts unzulässig.

Die Anwohner empfinden das anders. "Das Pflaster muss raus", sagt Kreser. Seine Hoffnung, dass daraus noch was wird, ist allerdings geschwunden: "Man resigniert. Ich weiß nicht, was ich noch machen soll". Die Behörden seien "am längeren Hebel". Sie könnten offenbar "machen, was sie wollen, und der Bürger soll dann klagen".

Abgesehen davon, dass eine solche Klage schnell einen fünfstelligen Betrag koste, sei die ganze Sache mittlerweile wohl auch verjährt, sagt Kreser. Die Hoffnung, dass sich die Stadtpolitik doch noch des Themas annimmt, hat der 66-Jährige auch nicht: "Da tut sich gar nichts." Für ihn, der seit fast 50 Jahren Mitglied der CSU sei, sei der ganze Prozess ernüchternd gewesen. "Da muss man sich nicht wundern, wenn sich die Leute von der Politik abwenden."

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