Kreuzwertheim

Schwab sorgt sich über Imageverlust der großen Parteien

Schwab sorgt sich über Imageverlust der großen Parteien
Foto: R. Pleier

Es war ein durchaus bemerkenswerter Dialog, der sich am Donnerstagabend gegen Ende der Hauptversammlung des Kreuzwertheimer CSU-Ortsverbandes im Landgasthof „Franz“ entspann. Man hatte zunächst die üblichen Regularien abgearbeitet, danach hatte der Landtagsabgeordnete und Kreisvorsitzende der Christsozialen, Thorsten Schwab, über Aktuelles in der Politik berichtet.

Über das Landesbetreuungsgeld hatte er gesprochen und über die „Milchkrise“. Um dann anzumerken, dass jüngsten Umfragen zufolge die CSU in Bayern bei 48 Prozent liege, die AfD auf acht Prozent komme und die Parteien der Großen Koalition befürchten müssten, bei der nächsten Bundestagswahl zusammen gerade mal noch 50 Prozent zu erreichen, während es vor 20 Jahren noch 80 Prozent gewesen seien.

„Dieser Imageverlust ist besorgniserregend“, sagte Schwab. Es gebe zumindest eine gefühlte Unzufriedenheit. Woran das seiner Meinung nach liegt, daran ließ der Redner keinen Zweifel. Die CDU und Bundeskanzlerin Angela Merkel müssten überlegen, ob sie noch richtig aufgestellt seien, während in der CSU der alte Spruch von Franz-Josef Strauß noch gelte, dass es rechts von der Partei keinen Platz für andere geben dürfe.

Die von den Christsozialen hochgehaltenen Werte und der konservative Kurs würden in der Bevölkerung geschätzt.

Mit diesen Aussagen waren die meisten der 15 Anwesenden offenbar zufrieden. Nicht so der langjährige CSU-Ortsverbandsvorsitzende und Gemeinderat Walter Jeßberger. Er habe „große Achtung vor der Politik von Angela Merkel, der Umfragewerte weniger wichtig sind als das ,C‘ im Parteinamen“, sagte er, nachdem er zuvor auf jüngst veröffentlichte Zahlen über tote Flüchtlinge im Mittelmeer hingewiesen hatte. Seiner eigenen Partei warf er vor, offenbar gemeinsam mit der AfD um die „Herrschaft an den Stammtischen“ zu buhlen und „ständig Giftpfeile aus München nach Berlin zu schicken“.

Kritik an Merkels „Türkei-Deal“

Auch solche Meinungen seien wichtig, konzedierte Schwab. Alleine könne Deutschland die Flüchtlingsproblematik aber nicht lösen. Angesichts der Verhältnisse im Land hätte die CSU mit der Türkei keine Vereinbarung geschlossen. Wenn man schon Angela Merkel lobe, müsse man auch sagen, dass der „Türkei-Deal nicht die Lösung ist“.

Zudem sei im Herbst europäisches Recht gebrochen worden, in dem man alle Flüchtlinge ins Land gelassen habe. Nach einer Woche hätte man sagen müssen, dass man Recht und Ordnung wieder herstellen wolle. „Wenn Deutschland mit Einwilligung der Regierung alle Flüchtlinge aufnimmt, wie soll man dann im europäischen Verbund eine bessere Lastenverteilung hinkriegen?“ Er glaube nicht, dass den Menschen mehr geholfen sei, wenn die AfD in der Regierung sitze. „Ich glaube, dass die CSU in Bayern die Sache besser im Griff hat, als die CDU im Bund“, wies Schwab die Kritik Jeßbergers zurück.

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