Gemünden

Sigmar Gabriel in Main-Spessart oder im Paradies?

Einige dieser Schilder wurden Sigmar Gabriel entgegengestreckt und imponierten ihm.
Foto: Michael Fillies | Einige dieser Schilder wurden Sigmar Gabriel entgegengestreckt und imponierten ihm.

Die SPD mag in der Wählergunst prozentual halbiert sein – in Gemünden (auf eigentlich tiefschwarzem Boden) schafft Sigmar Gabriel eine Verdoppelung. Zur SPD-Kundgebung am Freitagvormittag mit dem Außenminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel kamen über 400 Besucher auf den Marktplatz, beim Auftritt von Bayerns Finanz- und Heimatminister Markus Söder vor zwei Wochen waren es etwa 200.

Sozialkundeunterricht

Allerdings nutzten auch Schulklassen vom Friedrich-List-Gymnasium und von der Theodosius-Florentini-Schule die Gelegenheit, den SPD-Spitzenpolitiker einmal aus nächster Nähe zu erleben. Schließlich ist es sein einziger Wahlkampfauftritt in Unterfranken und er logischerweise viel unterwegs, zum Beispiel ab Sonntag in China.

Video

Auch die Partei hatte vorgesorgt: Der Platz vor der kleinen Bühne am Marktplatz war bestuhlt und mit geladenen Gästen besetzt. Des Weiteren waren zahlreiche Bürgermeister und Kommunalpolitiker aus der Umgebung zu sehen.

Raue Stimme nach Erkältung

Die größere Sorge der örtlichen SPD dürfte aber nicht einer geringen Besucherzahl gegolten haben, sondern ob der berühmte Gast aus Niedersachsen überhaupt kommt. Vor zwei Tagen sei er noch mit einer Erkältung im Bett gelegen, wird kolportiert, und in Gemünden schnäuzt er sich ein ums andere Mal, seine Stimme klingt rau. Gastgeber Bernd Rützel, der SPD-Bezirksvorsitzende und hiesige Wahlkämpfer, ist sichtlich froh und stolz, „dass Du, lieber Sigmar“ ihm und Gemünden die Ehre gibst.

Herrbach lobt Rützel

Stolz ist auch Zweiter Bürgermeister Werner Herrbach, der Bürgermeister Jürgen Lippert zurzeit vertritt und dem Bundesminister nach dem raschen Eintrag ins Goldene Buch der Stadt erst einmal am Mikrofon die Schönheit und Vorzüge Gemündens schildert. Dann berichtet er, „dass dank des Engagements unseres Bundestagsabgeordneten Bernd Rützel und mit Hilfe von Alexander Hoffmann die Ortsumgehung als vordringlicher Bedarf in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen wurde“.

Darauf geht Gabriel später ein: „Bernd Rützel scheint zu wissen, wo im Haushalt die Gelder für Ortsumgehungen sind“, denn ihm sei es nicht gelungen, so ein Straßenprojekt für seine Heimat durchzubringen. Bürgermeister Herrbach bringt noch Wünsche an: die schnelle Verwirklichung der Ortsumgehung über die linke Mainseite, den jetzt beginnenden Lärmschutz durch die Deutsche Bahn und den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Gemünden, der immerhin der viertgrößte in der Region ist.

Drei Landtagsabgeordnete

Bernd Rützel begrüßt unter anderem die SPD-Landtagsabgeordneten Georg Rosenthal (Würzburg) und Kathi Petersen (Schweinfurt) sowie den fraktionslosen hiesigen Abgeordneten und Stadtratskollegen Günther Felbinger, betont seine Liebe zur Heimat (MSP stehe für ,Mein schönes Paradies‘) und rühmt Sigmar Gabriel als einen verlässlichen und aufgeschlossenen Mann ohne Dünkel.

Gabriel: „Der coolste Empfang“

Solchermaßen empfangen – in Gemünden gibt es keine Pfiffe, Buh-Rufe oder andere Störungen, nur eine Schülerin bekommt Kreislaufprobleme und wird notärztlich versorgt – erwidert der prominente Gast die Komplimente: „Das ist der coolste Empfang, den ich je im Wahlkampf bekommen habe.“ Er zielt auf einige Plakate mit der Aufschrift „London, New York, Paris, Gemünden – Herzlich willkommen, Herr Außenminister!“ und sagt: „Das ist eine aufsteigende Linie. Bitte nehmt noch Goslar auf, da komme ich her.“

„Zunehmen geht leichter“

Mit Selbstironie punktet der gewichtige Politiker zum Schluss, als er zu den handgemachten Gemündener Pralinen vom Bürgermeister weitere Leckereien von Bernd Rützel geschenkt bekommt: „Weißt Du eigentlich, wie schwer es ist abzunehmen? Zunehmen geht leichter.“

Sympathisch hat er auf die Zuhörer gewirkt, aber hat er überzeugt? Ein Freie-Wähler-Bürgermeister fasst zusammen: „Er hat mit allem, was er sagt, recht. Aber die SPD war die ganze Zeit in der Regierung . . .“ Da seien „die anderen“ nicht besser: Wenn die CSU jetzt „Soli abschaffen“ plakatiere, „warum haben sie es nicht längst gemacht?“

Lesen Sie auch:
Autogramme und auch Fotowünsche erfüllte Außenminister Gabriel in Gemünden bereitwillig.
Foto: Michael Fillies | Autogramme und auch Fotowünsche erfüllte Außenminister Gabriel in Gemünden bereitwillig.
Der bis jetzt prominenteste Eintrag im Goldenen Buch der Stadt Gemünden. Sigmar Gabriel über die Schulter schauten dabei (von links) MdB Bernd Rützel, MdL Kathi Petersen, Bürgermeister Werner Herrbach, SPD-Kreisvorsitzender Sven Gottschalk und Gemündens SPD-Ortsvorsitzende Monika Poracky.
Foto: Michael Fillies | Der bis jetzt prominenteste Eintrag im Goldenen Buch der Stadt Gemünden. Sigmar Gabriel über die Schulter schauten dabei (von links) MdB Bernd Rützel, MdL Kathi Petersen, Bürgermeister Werner Herrbach, ...
Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Main-Spessart und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren / Autorinnen
Gemünden
Michael Fillies
Alexander Hoffmann
Außenminister
Bernd Rützel
CSU
Deutsche Bahn AG
Erkältungen
Gemeinschaftskunde
Gemünden
Georg Rosenthal
Günther Felbinger
Jürgen Lippert
Kathi Petersen
Markus Söder
SPD
Sigmar Gabriel
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!