Lohr

Soziale Phobie: Wenn die Angst übermächtig wird

Ein Angebot für Betroffene: Die Selbsthilfegruppe „Soziale Phobie“ trifft sich jeden 1. und 3. Dienstag im Monat im Bruder-Konrad-Haus in Lohr.
Foto: DEHM | Ein Angebot für Betroffene: Die Selbsthilfegruppe „Soziale Phobie“ trifft sich jeden 1. und 3. Dienstag im Monat im Bruder-Konrad-Haus in Lohr.

Wenn gesunde Menschen Brot, Butter und Milch brauchen, gehen sie ohne groß darüber nachzudenken in einen Laden und kaufen das. Für einen Menschen, der unter sozialer Phobie, krankhafter Schüchternheit, leidet, kann dies ein enormer Kraftakt sein.

Seit zwei Jahren gibt es im Landkreis Main-Spessart die Selbsthilfegruppe „Soziale Phobie“. Zweimal im Monat treffen sich die Frauen und Männer im Alter zwischen 24 und 60 Jahren im Bruder-Konrad-Haus am Lohrer Kirchplatz. Das Gespräch mit ebenfalls von der Krankheit Betroffenen ist ein Baustein auf dem Weg zu einem besseren Leben.

Unterstützt von Simone Hoffmann, der Leiterin des Selbsthilfebüros Main-Spessart, trauten sich am Mittwochnachmittag drei Gruppenmitglieder an einem Pressetermin teilzunehmen. Zwar hatten die beiden Frauen und der Mann im Vorfeld des Gesprächs Ängste wegen der ihnen unbekannten Situation, die entstehen würde, doch der Wunsch, sich mitzuteilen und auf diesem Weg vielleicht andere Betroffene zu bewegen, in die Selbsthilfegruppe zu kommen, überwog. Auch das war wieder ein kleiner Schritt nach vorne. Wie aus den Erzählungen der drei Gruppenmitglieder hervorging, haben sie meist keine oder nur geringe Probleme damit, sich mit Freunden zu treffen; schlimm wird es aber, wenn sie unter fremde Menschen gehen (müssen).

Dies ist oft verbunden, mit der Angst, sich zu blamieren, zu versagen, bewertet zu werden. Vor einer Präsentation beispielsweise habe sie Konzentrationsschwierigkeiten, der Kopf sei total leer, sagt die jüngere der beiden Frauen. „Die Blackouts kommen dann“, bestätigt die ältere.

Für den Mann wurde ein Friedhofsgang an Allerheiligen zur Tortur – wegen der zu erwartenden vielen Menschen an den Gräbern. Als er dann zu einem gesetzten Zeitpunkt mit seiner Frau rausging, sei es „eigentlich ganz gut“ gegangen. Ganz schlimm sei es, wenn wie bei ihm Depressionen hinzukämen. „Das möchte ich niemandem wünschen.“

Oftmals sei bei Menschen mit sozialer Phobie eine Verhaltenstherapie sinnvoll, sagt Hoffmann. Hilfreich sei auch, die Krankheit zu akzeptieren und zu versuchen, Ängste Schritt für Schritt abzubauen. Dazu könne auch der Besuch der Selbsthilfegruppe beitragen.

Die Selbsthilfegruppe trifft sich jeden 1. und 3. Dienstag im Monat im Bruder-Konrad-Haus in Lohr. Anmeldung bei Simone Hoffmann, Tel. (0 93 53) 98 17 86;E-mail: Hoffmann@kvmain-spessart.brk.de

Soziale Phobie

Die krankhafte Schüchternheit, auch soziale Phobie genannt, ist eine Situationsangst. Betroffene Menschen haben ausgeprägte Ängste, in sozialen Situationen im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen und sich peinlich oder beschämend zu verhalten.

Meist beginnen soziale Phobien in Kindheit und Pubertät, wo sie in bestimmtem Rahmen noch als normal gelten. Deshalb wird die Diagnose oft erst gestellt, wenn ungewöhnlich starke Ängste zu einem verhängnisvollen Vermeidungsverhalten führen, letztendlich sogar zu Rückzug, Leistungseinbruch und Isolationsgefahr.

Neben einer Einschränkung der Lebensqualität können seelische, psychosoziale und psychosomatischen sowie körperlichen Störungen die Folge sein.

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