Gemünden

Spurensuche: Wie alt ist die Alte Saalebrücke in Gemünden?

Eine Gedenkplatte unter der Alten Saalebrücke zeigt die Jahreszahl 1470. Das Jubiläum von 550 Jahren gilt aber nicht der Brücke. Sie ist teils sicherlich bedeutend älter.
Gemündens Alte Saalebrücke ist in ihrer heutigen Gestalt mindestens 400 Jahre alt, in Teilen sicherlich noch bedeutend älter.
Foto: Michael Fillies | Gemündens Alte Saalebrücke ist in ihrer heutigen Gestalt mindestens 400 Jahre alt, in Teilen sicherlich noch bedeutend älter.

Vier Brücken überspannen in Gemünden das Mündungsdelta von Sinn und Saale: Dem Main am nächsten seit 1854 die Eisenbahnbrücke; eng daneben entstand 100 Jahre später die Brücke der Bundesstraße 26; etwa 130 Meter oberhalb befinden sich die Alte Saalebrücke und seit 1975 die Saale- und Winterhaltbrücke, die Kleingemünden und die Innenstadt bzw. das Saaletal verbinden. Kaum vorstellbar ist, dass einst die schmale Alte Saalebrücke – heute den Fußgängern vorbehalten – den gesamten Straßenverkehr aufnahm. Ihr Alter lässt sich nicht genau bestimmen, da sie beständig repariert, erneuert und umgebaut wurde. Das hält bis heute an.         

Eingehend mit der Alten Saalebrücke beschäftigt hat sich der Historische Verein Gemünden. Er wertete unter anderem Unterlagen des Staatsarchivs Würzburg aus und vor allem die Geschichtsschreibung von Kaplan Georg Höfling (1838) und damit auch des Chronisten Pfarrer Johannes Heckelmann (1786). Ein konkretes Datum für den Brückenschlag haben die Historiker nicht gefunden. Sie nennen Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn als Erbauer der Brücke in ihrer heutigen Form und als Bauzeit die Jahre 1613 und 1614. Doch fand der Historische Verein auch Hinweise, die auf Konrad II. von Thüngen, Fürstbischof von 1519 bis 1540, als Bauherrn deuten. Und ganz sicher gab es schon viel früher einen Übergang.

Eine Brücke mit vielen Daten

1470 steht auf dieser Gedenkplatte des Fürstbischofs Rudolf II. von Scherenberg unter der Alten Saalebrücke. Schon er habe Reparaturarbeiten an der Brücke ausführen lassen, schreibt der Chronist Georg Höfling.
Foto: Michael Fillies | 1470 steht auf dieser Gedenkplatte des Fürstbischofs Rudolf II. von Scherenberg unter der Alten Saalebrücke. Schon er habe Reparaturarbeiten an der Brücke ausführen lassen, schreibt der Chronist Georg Höfling.

Eine uralte Gedenkplatte findet sich unter der Alten Saalebrücke, ebenso geschützt wie versteckt, an ihrem Beginn auf der Seite der Altstadt. Das Sandsteinrelief zeigt das Wappen eines weiteren Würzburger Fürstbischofs, Rudolf II. von Scherenberg (1401 ? bis 1495) und dazu die Jahreszahl 1470. Auf diese Jahreszahl als Baujahr der Brücke beruft sich die unter anderem im Internet die Chronik der Gemündener Stadtverwaltung. Rudolf, so ist dort zu lesen, machte Gemünden zur "Außenbastion seines Hochstifts gegen Mainz und Fulda", was eine Blütezeit zur Folge gehabt habe. Schon Langenprozelten und Schaippach waren damals Ausland.

Dass die Saalebrücke folglich heuer genau 550 Jahre alt sein soll, bestreitet der Historische Verein. Der Text der Sandsteintafel besagt: "Der hochwürdige Fürst und Herr Rudolf des Geschlechts von Scherenberg Bischof zu Würzburg und Herzog zu Franken hat diese Stadt und dieses Amt ausgelöst im Jahr 1470." Gemünden war letztmals an die Rienecker Grafen verpfändet gewesen und nun endgültig dem Hochstift Würzburg einverleibt.       

Die Brücke selbst lieferte auch Kaplan Höfling keine erhellenden Erkenntnisse. Zu seiner Zeit waren Tafeln in die Brückenbögen eingelassen, wie er schreibt – eine mit der Jahreszahl 1598 für die Herstellung eines Bogens durch den Frammersbacher Steinmetz Balthasar Heberer, eine andere mit dem Wappen Rudolfs II. von Scherenberg, und an anderer Stelle das Wappen Julius Echters (1545 bis 1617) mit der Jahreszahl 1613.

Kleingemünden 1184 erstmals erwähnt

Doch auch Georg Höfling vermutete eine wesentlich frühere Entstehung der heute etwa 190 Meter langen Brücke. Man kann sich das Mündungsgebiet der Fränkischen Saale und der Sinn auf weiter Fläche als sumpfig und von wechselnden Wasserständen geprägt vorstellen, bis die Bewohner des Gebiets Anstrengungen unternahmen, die Wasserläufe zu fassen und zu leiten. Die Besiedlung erfolgte wahrscheinlich in etwa gleichzeitig an beiden Ufern. Kleingemünden auf der Westseite ist 1184 erstmals schriftlich erwähnt, Gemünden auf der Ostseite 1243. Die Menschen werden bestrebt gewesen sein, trockenen Fußes die andere Seite zu erreichen, auch war das Fluss- und Sumpfgebiet ein Hindernis für den Warenverkehr.

Georg Höfling schreibt: "Betrachtet man die Lage von Gemünden, so leuchtet ein, dass schon in den frühesten Zeiten, gleich bei der Ansiedlung des Ortes ein Verkehr zwischen jen- und diesseits stattgefunden haben muss, der aber bald jedoch nur durch eine Brücke, wenn auch im Anfang im dürftigen Zustande, doch nach und nach verbessert, lebhaft wurde." Er vermutet ebenso, dass die Stadt selbst nie die nötigen Mittel für einen Brückenbau gehabt haben dürfte, "was umso mehr Glauben erhält, als verschiedene Reparaturen und Neubauten durch Rudolph von Scherenberg (!) und Bischof Julius geschahen." 

Blick auf den Saale-Abschnitt der Alten Saalebrücke und das Huttenschloss in Gemünden.
Foto: Michael Fillies | Blick auf den Saale-Abschnitt der Alten Saalebrücke und das Huttenschloss in Gemünden.

Als einen Beleg für einen Brückenbau vor dem Jahr 1540 führt der Historische Verein einen zeitgenössischen Bericht über Konrad III. von Bibra (1490 bis 1544) an. Demnach zog er nach seiner Bischofswahl am 1. Juli 1540 "im Nachen (Boot) mit gots hilf" den Main hinab, um die Erbhuldigung (Treueversprechen) seiner Untertanen entgegenzunehmen. Die Gemündener bestellte er für den 22. Juli um 7 Uhr "jhenseit der brucken bei Klein Gemünden" ein. Die Chronik der Gemündener Stadtverwaltung kennt Archiveinträge von 1314 und 1374 über eine Wegzollstätte; sie könnte am Flussübergang bestanden haben.  

Aufwendiger Brückenunterhalt

Die einfache Bauweise, anfänglich wohl aus Holz, und insbesondere der seinerzeit häufige starke Eisgang und die regelmäßigen Hochwässer zogen immer wieder Beschädigungen nach sich, sodass alle paar Jahrzehnte Reparaturen oder Erneuerungen fällig waren. Und immer musste die Stadtverwaltung trotz der überörtlichen Bedeutung des Übergangs um die Finanzierung durch die Herrschaft ringen. So auch 1829, als Bayern König Ludwig I. zur Durchfahrt angekündigt war und ein Brückenbogen als einsturzgefährdet galt. Das Innenministerium ordnete eine Notreparatur sowie sicherheitshalber die Einrichtung einer Fähre an. Dafür wie verlangt die Kosten zu übernehmen, weigerte sich der Magistrat der Stadt. 

Der Mittelteil der Alten Saalebrücke über die Insel zwischen der Saale und ihrem Nebenarm Mühlgraben.
Foto: Michael Fillies | Der Mittelteil der Alten Saalebrücke über die Insel zwischen der Saale und ihrem Nebenarm Mühlgraben.

1841 erhielt die Stadt für eine weitere Reparatur einen Zuschuss des Landkreises und Spenden der Einwohner. 1849 vergrößerte ein weiterer Eisgang die Schäden derart, dass schweren Fuhrwerken die Überfahrt verwehrt wurde. Wieder folgte eine Reparatur, und wieder kam es zu erheblichen Beschädigungen, 1855 durch Hochwasser, 1862 durch Eisgang. Der Stadtmagistrat verweigerte weitere Ausgaben mit der Begründung, dass es sich um eine Distriktstraße (Karlstadt-Gemünden-Lohr) handle; der Distrikt weigerte sich, da die Brücke zu der nach Orb führenden Staatsstraße (seit 1850) gehöre. Der Streit zog sich ohne Klärung hin. 1866 lehnte das "Königlich Bayerische Fiscalat von Unterfranken und Aschaffenburg" die Baulast ab mit dem Hinweis, durch den Eisenbahnbau nehme der Straßenverkehr derart ab, dass die Staatsstraße Gemünden-Orb in absehbarer Zeit wieder abgestuft wird.

Generalsanierung im Jahr 1884

Diese Tafel an einem Bogen der Alten Saalebrücke in Gemünden erinnert an die Generalsanierung von 1884.
Foto: Michael Fillies | Diese Tafel an einem Bogen der Alten Saalebrücke in Gemünden erinnert an die Generalsanierung von 1884.

1882 schließlich galt die Brücke nach weiteren Hochwässern als baufällig und der Staat gewährte eine "außerordentliche Beihilfe" – die Parallelen zum jüngst erfolgten Neubau der Mainbrücke sind unübersehbar. Während der Erneuerung der Saalebrücke, bei der nach dem Teilabriss das alte Baumaterial wiederverwendet wurde, war eine Notbrücke aus Holz auf 92 Pfählen errichtet. Aktuell steht eine weitere Sanierung an; wie bereits im Teilstück von der Altstadt bis zur Nepomuk-Statue geschehen, soll in diesem oder dem kommenden Jahr das restliche Pflaster bis zur Unterführung saniert und entwässert werden.

190 Meter lang und seit 1975 den Fußgängern vorbehalten ist die Alte Saalebrücke in Gemünden.
Foto: Michael Fillies | 190 Meter lang und seit 1975 den Fußgängern vorbehalten ist die Alte Saalebrücke in Gemünden.

Der Übergang ist jahrhundertealt, doch lässt sich nach den zahlreichen Reparaturen und Umbauten die ursprüngliche Konstruktion nur ahnen. Heute misst die Alte Saalebrücke etwa 190 Meter. Sie verengt sich in Richtung Kleingemünden von etwa fünf auf vier Meter und ruht auf (sichtbaren) zehn Bögen – drei über die Saale, fünf über die Insel (wobei ein Bogen zugemauert ist) und zwei über den Mühlgraben.

In den Annalen finden sich unterschiedliche Angaben: bis zu 221 Meter Länge und bis zu 16 Bögen. In der Bayerischen Denkmalliste steht sie mit elf Bögen. Auch wenn die Sandsteinbrücke heute zur Hälfte von ihrer Betonschwester  verdeckt wird, ist sie ein besonderes und für Gemünden typisches Bauwerk, dessen Wert nicht nur die Gruppe der schöppelnden Brückenhocker zu schätzen weiß.

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