Lohr

Stadt Homburg beschließt Resolution gegen Stellenabbau

In der vom Stellenabbau bei der Bosch Rexroth AG besonders stark betroffenen Stadt Homburg/Saar regt sich politischer Widerstand gegen die Pläne des Unternehmens. Der dortige Stadtrat hat in der vergangenen Woche mit großer Mehrheit eine Resolution gegen die Stellenstreichungen beschlossen.

Darüber berichtet beispielsweise die Zeitung "Die Rheinpfalz". Demnach fordert der Homburger Stadtrat die Rexroth-Verantwortlichen "dringend auf, die Entscheidung über den geplanten Personalabbau am Produktionsstandort Homburg zurückzunehmen und für alternative Arbeitsplätze in neuen, zukunftsorientierten Produktionsbereichen zu sorgen". Rexroth hatte die Umstrukturierung unter anderem mit dem gestiegenen Preis- und Konkurrenzdruck begründet.

Homburg wurde in den vergangenen Tagen gleich doppelt von schlechten Nachrichten aus der Wirtschaft getroffen. Zunächst hatte Bosch Rexroth angekündigt, von den rund 550 Arbeitsplätzen am Standort Homburg in den kommenden Jahren 155 zu streichen und an den Stammsitz nach Lohr zu verlagern.

Einen Tag später folgte die nächste Schreckensbotschaft für die Stadt an der Saar: Der Autozulieferer Schaeffler erklärte, bis Ende 2022 europaweit rund 4400 Stellen streichen zu wollen, davon betroffen sind offenbar 290 der rund 2350 Mitarbeiter am Standort Homburg.

Das Thema habe die Sitzung des Homburger Stadtrates am vergangenen Donnerstag überschattet, heißt es in der "Rheinpfalz". Bei nur zwei Enthaltungen aus den Reihen der FDP habe das gut 50-köpfige Gremium die Resolution gegen den Stellenabbau beschlossen.

Appell an Vorstände

Darin werden die Vorstände von Rexroth und Schaeffler aufgefordert, »von einem derartigen Stellenabbau Abstand zu nehmen«. Generationen von Beschäftigten, deren Familien und die gesamte Region hätten sich mit Industriebetrieben wie Bosch und Schaeffler identifiziert. Die Mitarbeiter hätten wesentlich zum Erfolg beigetragen. Jetzt seien sie die Leidtragenden, kritisieren die Homburger Stadträte.

Der Wandel in der Autobranche könne nur gelingen, wenn die Beschäftigten eingebunden und mitgenommen würden. Die Unternehmen seien dazu verpflichtet, die Hintergründe der Umstrukturierung transparent darzulegen. Die Resolution bringt dabei explizit die Option der Kurzarbeit ins Spiel, mit der der Stellenabbau vermieden werden könne. Stadträte und Rathausspitze fordern, dass Homburg eine Industriestadt bleiben solle.

Ebenso wie in Homburg plant Rexroth auch in Lohr den Abbau von Stellen. Zwar sollen für die in Homburg im Bereich der Industriehydraulik bei der Fertigung elektrohydraulischer Ventile gestrichenen 185 Arbeitsplätze in Lohr im gleichen Bereich 85 neue Stellen entstehen. Im Gegenzug streicht Rexroth an seinem Stammsitz jedoch rund 160 Stellen im Bereich der Kompakthydraulik. So ergibt sich unterm Strich der Verlust von 75 der aktuell rund 5500 Stellen bei Rexroth in Lohr.

Ob sich wie in Homburg auch in Lohr der Stadtrat in dieser Sache positionieren wird, ist offen. Das Gremium tagt an diesem Mittwoch. Wie Dieter Daus, Pressesprecher der Stadt, am Montag auf Anfrage dieser Redaktion erklärte, sind mit Blick auf eine mögliche Resolution des Stadtrates derzeit "in Lohr keine Aktivitäten in dieser Richtung erkennbar".

Klaus Friedrich, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der Bosch Rexroth AG, sagte ebenfalls mit Blick auf die Resolution des Homburger Stadtrates, dass eine solche Positionierung "natürlich Einfluss haben" könne. Es sei vernünftig, wenn sich eine Region Gedanken mache, wie sie die Industriearbeitsplätze halten lassen. Eventuell werde der Rexroth-Betriebsrat in Lohr noch darüber diskutieren, ob es Sinn habe, die Politik zu kontaktieren. Generell gelte in solchen Situationen ein Leitspruch: »Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren", so Friedrich.

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