Lohr

Stadt Lohr will Parken schonend verteuern

Der Stadtrat Lohr steht vor der Quadratur des Kreises. Aufgrund erheblicher Defizite bei ihren Parkplätzen und auch sonst leerer Kassen, sieht sich die Stadt gezwungen, die Parkgebühren zu erhöhen. Gleichzeitig wollen die Ratsmitglieder – wie sich in der Werkausschusssitzung am Montagabend zeigte – niemanden wirklich in die Tasche greifen.
Durch einen im Vergleich günstigeren Tarif soll der Freibadparkplatz auch außerhalb der Schwimmbadsaison besser ausgelastet werden,  (Archivfoto) Bildunterschrift 2021-02-24 --> Durch einen im Vergleich günstigeren Tarif soll der Freibadparkplatz auch außerhalb der Schwimmbadsaison besser ausgelastet werden. (Archivfoto)
Foto: Thomas Josef Möhler | Durch einen im Vergleich günstigeren Tarif soll der Freibadparkplatz auch außerhalb der Schwimmbadsaison besser ausgelastet werden, (Archivfoto) Bildunterschrift 2021-02-24 --> Durch einen im Vergleich ...

Der Stadtrat Lohr steht vor der Quadratur des Kreises. Aufgrund erheblicher Defizite bei ihren Parkplätzen und auch sonst leerer Kassen, sieht sich die Stadt gezwungen, die Parkgebühren zu erhöhen. Gleichzeitig wollen die Ratsmitglieder – wie sich in der Werkausschusssitzung am Montagabend zeigte – niemanden wirklich in die Tasche greifen.

Zu groß ist die Angst, dass die Kunden und Touristen aus der Stadt wegbleiben oder auf kostenlose Parkplätze ausweichen, was ein noch größeres Defizit bedeuten würde.

Teils Wegfall der Brötchentaste

Die größten geplanten Veränderungen sind der Wegfall der Brötchentaste auf den Parkplätzen mit Schranke einschließlich Altstadtparkhaus und der Kostenerstattung für Freibadbesucher sowie eine Parkzeitbeschränkung in der Jahnstraße und auf der Mainlände.

In Lohr gibt es Parkplätze, für die die Stadtwerke zuständig sind (Tiefgarage, Altstadtparkhaus, Parkdeck und Parkplatz Haaggasse). Der Freibadparkplatz (offizieller Name: Außenparkplatz Stadthalle) und die Tiefgarage der Stadthalle werden vom Eigenbetrieb Stadthalle bewirtschaftet. Die Stadt betreibt unter anderem die Parkplätze mit den Parkscheinautomaten.

Kürzerer Takt

Da auch Defizite der Stadtwerke den städtischen Gesamthaushalt belasten, ist das Ziel eine schwarze Null beim Parken. Um dies zu erreichen, wird der Takt, nachdem die Parkgebühren berechnet werden, verkürzt. Ein Beispiel: Bislang konnten Autofahrer auf den beschrankten Parkplätzen 45 Minuten für 50 Cent parken, künftig – sofern der Vorschlag am Mittwoch angenommen wird – nur noch 30 Minuten. Verdoppelt werden soll der Tageshöchstsatz von fünf auf 10 Euro.

Infrage steht nun das bisherige System »Eine Stadt – ein Tarif«. Grund ist die schlechte Auslastung des Freibadparkplatzes und der Tiefgarage Stadthalle außerhalb der Freibadsaison beziehungsweise außerhalb von größeren Veranstaltungen in der Stadthalle. Der Leiter des Eigenbetriebs, Thomas Funck, schlug in der Sitzung einen günstigeren und gesplitteten Tarif vor, um dem entgegenzuwirken. Auch eine Zusammenarbeit mit dem benachbarten Hotel sei denkbar. »Da muss man mal miteinander reden«, sagte Funck.

Sollte, so wie es die Stadtverwaltung vorschlägt, die Erstattung der Parkgebühren für die Freibadbesucher gestrichen werden, könnte eine Gebührensenkung auf dem Freibadparkplatz von 6 bis 20 Uhr auf 50 Cent pro Stunde (bei 30-Minuten-Taktung) die Attraktivität des Parkplatzes erhöhen, ohne ganz auf Einnahmen sprich Parkgebühren zu verzichten. Für die Stadthallen-Tiefgarage brachte Funck einen Euro pro Stunde ins Gespräch und einen Tageshöchstsatz von sechs Euro.

Kostenlose Konkurrenz

Funck sieht als einen Grund für die schlechte Auslastung der kostenfreien Parkplätze in direkter Umgebung, wie die Jahnstraße und die Mainlände. Konsequenz wäre seiner Meinung nach bei der Mainlände eine Schranke und Gebührenpflicht, was aber laut Funck mit hohen Kosten, Aufwand und Anfälligkeit für Vandalismus verbunden wäre.

Außerdem wies er auf seine Doppelfunktion hin. Entscheidungen zur Mainlände beträfen ihn als Kulturamtsleiter und unter Umständen seine Arbeitszeit durch Mehraufwand. Das Defizit von Stadthallen-Tiefgarage und Freibadparkplatz betrug laut Funck 2019 rund 34821 Euro. Darin schon einberechnet ist die Parkgebührenerstattung der Stadt Lohr von 23962 Euro an den Eigenbetrieb für die Freibadbesucher. Die Ausgaben beliefen sich einschließlich von Reparaturen auf 75590 Euro. Der Parkplatz zwischen Schwimmbad und Stadthalle wurde aus steuerlichen Gründen dem Eigenbetrieb zugeordnet.

Monatskarte für Mainlände

Aus der Diskussion ergab sich als Beschlussvorschlag der Verwaltung für den Stadtrat am Mittwoch eine Begrenzung der Parkdauer auf Mainlände und in der Jahnstraße auf vier Stunden in der Zeit von 6 bis 20 Uhr. Pendlern soll eine 25-Euro-Monatsparkkarte für unbegrenzte Parkdauer angeboten werden. Eine genaue Regelung für Ausfallzeiten durch Veranstaltungen auf der Mainlände müsste noch erarbeitet werden, so Bürgermeister Mario Paul.

Für die Stadtwerke erläuterte deren Leiter Otto Mergler die Situation. Auch hier geht es ums Reduzieren des Defizits. Mergler warnte gleichzeitig vor zu großen Erhöhungen. Diese könnten zum Bumerang werden, wenn Kunden zum Beispiel in andere Städte abwanderten oder längere Gehwege in Kauf nähmen, um kostenfreie Parkplätze zu nutzen. Eine wesentliche Änderung ist der Wegfall der sogenannten Brötchentaste – das kostenlose Parken in den ersten 15 Minuten auf den beschrankten Parkplätzen. Laut Mergler widerspricht der Sinn der Brötchentaste – mal schnell etwas einkaufen oder abholen – dem aufwendigeren Parken mit Ticketziehen in der Tiefgarage, auf dem Parkdeck oder an der Haaggasse.

Er schlug einen 30-Minuten-Takt bis zur Parkdauer von zwei Stunden vor. Begründung: Die Einnahmen werden größtenteils in den ersten 120 Minuten erzielt. Der Takt sei für die Parkenden nachvollziehbar. Der Tarif soll von Montag bis Sonntag von 0 bis 24 Uhr gelten. Das kostenlose Parken auf dem beschrankten Teil des Haaggassen-Parkplatzes am Wochenende entfiele.

Von der Verdopplung des Tageshöchstsatzes von fünf auf zehn Euro verspricht sich der Stadtwerkeleiter Mehreinnahmen von 10000 Euro, aus der weiteren Tariferhöhung Mehreinnahmen von 53237 Euro. Auch der erhöhte Tagessatz sei noch ein attraktives Angebot für Tagesgäste und Geschäftsreisende. Wer häufiger ganztags parken möchte, könne nach wie vor für 50 Euro eine Monatskarte erwerben.

Vergünstigung für E-Autos?

Ob Elektro-Autos (mit E-Kennzeichen) auf den unbeschrankten bewirtschafteten Parkplätzen kostenlos parken dürfen, soll der Stadtrat am Mittwoch entscheiden. Geprüft werden soll sogenanntes Handyparken beziehungsweise andere digitale Parkdienste. Abstimmen soll das Gremium auch, ob der Parkplatz Haaggasse/Isolatorenmuseum gebührenpflichtig wird.

Eine Gebührenerhöhung auf den unbeschrankten Parkplätzen und die Ausweitung der Bewirtschaftung bislang gebührenfreier Parkplätze soll erst im Januar 2022 greifen – so der Wunsch des Bürgermeisters. Damit wolle man den von Corona stark betroffenen Betrieben in der Innenstadt entgegenkommen. Dann seien die neuen Linien des Lohrliners eingeführt und, wie Paul hofft, auch wieder ein normales Weihnachtsgeschäft 2021 gelaufen. Die CSU forderte, die auch die Tarife erst zum Januar 2022 umzustellen.

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