Karlstadt

Stichwahl Karlstadt: Keine Wahlempfehlung

Michael Hombach und Stefan Rümmer sind auf sich und ihre Parteien gestellt. Die anderen halten sich raus.
Der Karlstadter Bürgermeisterkandidat Benedikt Kaufmann entfernt seine Wahlplakate.
Foto: Karlheinz Haase | Der Karlstadter Bürgermeisterkandidat Benedikt Kaufmann entfernt seine Wahlplakate.

Die ersten Wahlplakate werden entfernt. Freie-Wähler-Bürgermeisterkandidat Benedikt Kaufmann zum Beispiel tourte am Dienstag durch Karlstadt und zwickte sämtliche Plakate an den Lampenmasten ab. Stürme und Regen während des Wahlkampfs hätten etwa zehn Prozent Einbußen bei den Plakaten verursacht, schätzt er. "Manche haben Hohlkammerplakate aus Kunststoff verwendet. Wir aber wollten umweltfreundlich sein", kommentiert er.

Ob die Freien Wähler eine Wahlempfehlung für die Bürgermeister-Stichwahl haben, war am Wahlabend noch nicht klar. Inzwischen wurde entschieden: Sie geben keine Empfehlung ab. "Wir betrachten uns als parteifrei und unabhängig", erklärt Kaufmann. Beim FW-Wahlergebnis für den Stadtrat freut er sich über die Hochburgen Karlburg und Wiesenfeld, wenngleich unterm Strich weniger Stimmen raussprangen als vor sechs Jahren.

Letzter Listenplatz war zu riskant

Auch die Grünen empfehlen ihren Wählern keinen der beiden Stichwahl-Kandidaten. Das hatten sie schon am Wahlabend kundgetan. "Es kann sein, dass uns Die Partei einen Sitz gekostet hat", spekuliert Bürgermeisterkandidat Armin Beck. "Ich bin gespannt, ob sich Janik Havla einfügt." Freilich wäre es schöner gewesen, selbst einen Sitz mehr zu erringen, sagt sein Parteikollege Gerhard Kraft. Mit Blick auf Havla sagt er aber: "Ich freue mich über ein junges Gesicht. Das kann dem Gremium guttun."

Kraft wird selbst nicht mehr im Stadtrat sein. Als Referent der Landtagsabgeordneten gilt er als einer mit reichlich Politerfahrung. Er war bei den Grünen wie schon vor sechs Jahren auf dem letzten Listenplatz 24 angetreten. "Das war zu riskant." Seine Stimmenzahl ging gegenüber 2014 um rund ein Fünftel zurück. Auch die Grünen nahmen für die Plakate vorwiegend Pressspan oder Pappe. Die Mesh-Großtranparente sollen als Sonnensegel weiterverwendet werden. Für die schmalen Banner gibt es Anfragen als Abdeckung für Holzlegen.

Laut Rudi Gosdschan geben auch die Linken keine Empfehlung ab. Und Janik Havla war am Dienstag nicht zu erreichen. 

Die CSU klebt "Danke" auf die Plakate

Die CSU ist gerade dabei, "Danke" auf die Plakate aufzukleben. Logischerweise bleiben alle bis zur Bürgermeister-Stichwahl hängen, die für Michael Hombach werben. Der kündigt Livechats via Internet an. "Das ist gerade in der Vorbereitung." Auf die Frage, ob er froh sei, dass sich an der Fraktion der CSU nichts geändert habe, oder ob er lieber ein paar neue Gesichter gesehen hätte, gibt er keinen Kommentar. Er wolle weder neuen Kandidaten auf die Füße treten noch andere verprellen, mit denen er vertrauensoll zusammengearbeitet habe.

"Wie jede andere Partei hat die CSU mehr Sitze angestrebt." Das könne ja noch kommen, sollte er Bürgermeister werden. Dann wäre auch für Mühlbach ein Ortsspecher zu wählen. Für Stadelhofen ist das bereits sicher der Fall. Aufgrund der Corona-Krise habe sich die CSU nicht zu einer persönlichen Analyse getroffen, sagt Hombach, sondern miteineinander telefoniert.

Lachendes und weinendes Auge bei SPD

Anders die SPD. Harald Schneider hat nach einer Zusammenkunft – "aber auf Abstand" – eine Pressemitteilung formuliert, in der er schreibt: "Mit einem lachenden und einem weinenden Auge blickt die SPD Karlstadt und Gambach auf die Kommunalwahl zurück. Lachend, weil Stefan Rümmer den Einzug in die Stichwahl geschafft hat, weinend, weil die SPD-Stadtratsfraktion einen Sitz verloren hat."

Freude herrsche beim Ortsvereinsvorsitzenden Marco Netrval, der vom Ortssprecher von Rohrbach zum Stadtrat "aufgestiegen" ist. Stolz sei Stadträtin Martha Bolkart-Mühlrath unter anderem über das gute Abschneiden der Gambacher Kandidaten.

Kandidat Stefan Rümmer hofft,  dass die SPD wieder "in guter Tradition" den Bürgermeister stellt. Sein Team habe nicht nur zugehört und geplant, sondern konkrete Umsetzungsvorschläge erarbeitet, so beim Turmkaufhaus und bei der Installation eines Fußgängerüberwegs in Wiesenfeld. Er will mit einer weiteren Kampagne um Stimmen werben.

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