LOHR

Traubenzuckergutes vor neun Besuchern

Frönkisch, frech, frisch: Die „Frankomanen“ aus Karlstadt mit Rainer Schmitt (links) und Jürgen Heinz bei vollem Einsatz auf der Bühne im Mehlingskeller.  Foto: Gisela Büdel
| Frönkisch, frech, frisch: Die „Frankomanen“ aus Karlstadt mit Rainer Schmitt (links) und Jürgen Heinz bei vollem Einsatz auf der Bühne im Mehlingskeller. Foto: Gisela Büdel

Reichlich Sitzplätze blieben leer, als die Karlstadter „Frankomanen“ ihr Lohrer Gastspiel gaben. Fanden auch nur neun Zuhörer den Weg in den Kulturkeller des Weinhauses Mehling, das Duo nahm's gelassen: „Hauptsache, die Qualität des Publikums stimmt.“

Als Kompromiss zum geplanten Programm versprach Gitarrist Jürgen Heinz ein Exklusivkonzert mit den besten Stücken. Die „Frankomanen“ sind: Jürgen Heinz (Gitarre, Bluesharp, Ukulele, Sologesang), hauptberuflich Krankenpfleger in Karlstadt, und Rainer Schmitt (Gitarre, Tenor- und Sopransaxophon, Begleitstimme), Musikschullehrer in der Kreisstadt. Mit Eigenkompositionen von Mundart-Songs im Liedermacher-Stil ist das Duo seit acht Jahren in der fränkischen Musikszene fest etabliert.

Bevorzugt wird der schnörkellose Blues, vermischt mit Jazz, Rock und Reggae. Die Besonderheit: Frankomanen-Lieder spiegeln die „fränggische“ Sprache und Denkweise in origineller Form wider. Der Alltag wird in deftige, direkte Geschichten gefasst, deren Grundlage zwei Tonkünstler der lauten und leisen Schattierung bilden.

Zum Auftakt kündigt Heinz eine kleine „Weltsensation“ an: Zwei Musiker und drei Instrumente. In „I komm vom annern Stern“ sind Saxophon, Gitarre und Bluesharp im Einsatz. Sie singen und spielen den „Katzenblues“, der in einem „Miau“ endet. Das Duo thematisiert Partnerschaftsprobleme im „Midlife Crisis Blues“, wünscht sich, ein Kuscheltier zu sein und beklagt verkehrte Testosteron-Werte. „Der Mensch und des Lewe“ führt in die nachdenklich-melancholische Ecke und kritisiert das Ungleichgewicht von Gewinnern und Verlierern. Ein Spaziergang werde „In 100 Jahren“ nur noch mit der „Atemschutzgarnitur samt Rußpartikelfilter“ möglich sein. „I gläbb's net“, der Titelsong aus der 2003 produzierten CD, rechnet mit Großspurigkeit ab.

Wer weiß, was man den Franken gern serviert? Antwort gibt in der „Wunderlampe“ der Geist aus der fernen Monologei: Bratwürscht, Sauerkraut und Krumbernbrei. Mit hintergründigem Charme wird vom Karlstadter „Machotreff im Stadtcafé“ erzählt, wo „mir die holde Weiblichkeit mit maskuliner Gelassenheit verehre“.

Auf Romantik setzt das „fränggische Liebeslied“ aus der Feder von Jürgen Heinz: „Sie ist süß, sie ist gut. Sie geht sofort ins Blut. Sie ist traubenzuckergut“. Aufmerksames Zuhören ist angesagt bei den „Frankomanen“. Erst dann kommt das Publikum in den Genuss der humorvoll-ironischen, zeitkritischen und auch empfindsamen Texte. Was der kleine Kreis tat und nicht mit Applaus sparte.

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