Lohr

Treffpunkt und Ort zum Schmökern

Die Leiterin der Stadtbibliothek, Sylvia Rosenberg, zusammen mit der Mitarbeiterin Heike Burk bei der Buchausgabe an eine Mutter mit ihrer Tochter.
Foto: W. Weismantel | Die Leiterin der Stadtbibliothek, Sylvia Rosenberg, zusammen mit der Mitarbeiterin Heike Burk bei der Buchausgabe an eine Mutter mit ihrer Tochter.

Als die Lohrer Stadtbücherei 1960 eröffnet wurde, war nicht vorhersehbar, dass diese kulturelle Einrichtung nach 60 Jahren auf eine solche Erfolgsgeschichte zurückblicken würde. Sie hat ihr Angebot ständig erweitert und zog nach verschiedenen wechselnden Standorten 1990 in die drei Obergeschosse des Alten Rathauses ein. Hier ist die Bibliothek seither ein sehr beliebter Treffpunkt für Leser aller Altersstufen. Wir sprachen mit der Leiterin Sylvia Rosenberger über ihre Erfahrungen in einer durch mediale Veränderungen und aktuelle coronabedingte Einschränkungen geprägten Zeit.

Frage: Sie arbeiten schon viele Jahre hier als Bibliothekarin und leiten die Stadtbücherei seit 2017. Was schätzen Sie besonders an diesem Beruf?

Sylvia Rosenberger: Die Beschäftigung mit Literatur und Menschen begeistert mich nach wie vor. Mit heute inzwischen unterschiedlichsten Medien und kleinen und großen Bibliotheksbesuchern arbeiten zu können, fasziniert mich.

Wie hat sich das Angebot in den letzten zehn Jahren entwickelt?

Rosenberger: Die Digitalisierung hat längst einen festen Platz in öffentlichen Bibliotheken und beim Leseverhalten unserer Kunden. Meine Vorgängerin hat die Lohrer Stadtbibliothek 2014 zum Online-Verbund "Franken-Onleihe" gebracht. Unsere Kunden können ihr Leserkonto inzwischen am heimischen PC verwalten. Seit Sommer 2018 bieten wir "Tonies" an: ein Hörspielformat, das digital gestützt über kleine Kinderbuchfiguren Geschichten erzählt und schon die kleinsten Leserinnen und Leser mit Musik und Liedern versorgt. Inzwischen ist die Stadtbibliothek auch ein Ort zum gemeinsamen Schmökern und zum Gedankenaustausch, was aber nur nach der Pandemie wieder möglich ist. Auch in der Veranstaltungsarbeit hat sich einiges gewandelt: Seit zwei Jahren gibt es die "Bücherbabies", ein spielerisches Kennenlernen von Büchern für die Kleinsten. 2020 haben wir zum zweiten Mal das Leseförderprogramm "Sommerferien-Leseclub" für Acht- bis 14-Jährige angeboten. Die Bilderbuchkinos mit Kreativaktionen sind in den letzten zehn Jahren zum festen und beliebten Programm geworden.

Wie stark hat sich das Leseverhalten und die Beziehung zum Buch durch den Einfluss neuer Medien aus Ihrer Sicht verändert?

Rosenberger: Gelesen wird auf jeden Fall. Ich sehe digitale Medien als Ergänzung zum traditionellen gedruckten Buch. Jede Leserin, jeder Leser hat hier eigene Vorlieben.

Wie versuchen Sie immer wieder junge Leser zu gewinnen und auch ihre Eltern neugierig zu machen, damit sie mit ihren Kindern unter den Büchern stöbern und Neues entdecken?

Rosenberger: Wir bieten Leseförderprogramme wie Antolin oder eben den Sommerferien-Leseclub an, um durch einen gesunden Wettbewerb Anreize zum Lesen zu geben. Auch die Schulen verweisen Kinder und Jugendliche auf uns; der schulische Lehrauftrag und unser Bildungsauftrag ergänzen sich hier gut.

Der Lesesaal ist schon lange ein beliebter Treffpunkt für Besucher gewesen, die hier eine große Auswahl an Zeitungen und Zeitschriften finden. Warum ist er aktuell geschlossen?

Rosenberger: Unser Bibliotheksteam vermisst die "Stammkundschaft" des Lesesaales sehr, umgekehrt genauso, hören wir immer wieder. Der Lesesaal ist geschlossen, weil wir zum einen dort zurückgegebene Medien zwei Tage in Quarantäne lassen, bevor sie dort dann desinfiziert werden. Um der Infektionsgefahr zu entgehen, sollen sich unsere Nutzer momentan auch möglichst kurz im Haus aufhalten. Zeitungslektüre schließt sich damit leider aus momentan. Wann sich die Situation ändert und wir den Lesesaal wieder öffnen können, hängt von der Entwicklung der Pandemie ab.

Angeblich drängt es die Menschen mehr zum Lesen, seit die Pandemie den Alltag so stark einschränkt. Nehmen sie sich auch in der Bibliothek mehr Bücher mit?

Rosenberger: Tatsächlich nehmen einige unserer Kunden mehr Medien mit als üblich. Manche wohl in Sorge, dass wir doch wieder schließen müssen. Generell wird nicht unbedingt mehr gelesen.

Was ist Ihr Buchtipp für einen düsteren Tag?

Rosenberger: Eine gute und kurzweilige Erzählerin ist die Krimi-Autorin Ellen Sandberg, die auch unter ihrem bürgerlichen Namen Inge Löhnig publiziert. Sehr gelungen finde ich die aktuellen Ausgaben des traditionellen Merian-Heftes: Die Redakteure lassen sich viel einfallen, um auf die Attraktivität Deutschlands aufmerksam zu machen und ihren Lesern das Daheimbleiben mit interessanten Reportagen zu erleichtern. Bei den etwa zehnjährigen Mädchen und Jungen sind Fantasy-Bücher beliebt, die oft Gruselmomente aufweisen, zum Beispiel "Das Internat der bösen Tiere". Bei Erstlesern kommt die Reihe "Superleser" sehr gut an, die wir ständig ergänzen. Die Kinder tauchen in Geschichten ein und bekommen Sachinformationen vermittelt.

60 Jahre Stadtbibliothek

Den Aufbau der Stadtbibliothek vor 60 Jahren verdankt Lohr Oberstudienrat Alfons Klüpfel. Er eröffnete und betreute die Einrichtung im Erdgeschoss des Alten Rathauses sieben Jahre lang. Dann übernahm Magdalena Keiper die Leitung, bot kulturelle Veranstaltungen an und baute die Einrichtung weiter aus. 1971 musste die Bücherei in die Untere Brückenstraße umziehen. Als die Räume wegen des wachsenden Angebotes zu klein wurden, folgte 1976 der Umzug in ein Haus am Kirchplatz. Ab 1979 kümmerte sich VHS-Leiter Meinrad Amrhein mit einer Verwaltungsangestellten um die Ausleihe. Als das neue Rathaus fertiggestellt war, kehrte die Stadtbibliothek 1989 in das Alte Rathaus zurück, wo sie bis heute in den drei Obergeschossen untergebracht ist. Die Leitung übernahm die Bibliothekarin Ute Flammersheim. Als Bibliotheksassistentin arbeitete bereits ab 1984 Sylvia Rosenberg als erste hauptamtlich Zuständige für die Bücherei. Seit dieser Zeit organisiert sie Veranstaltungen für Leser jeden Alters. Seit drei Jahren leitet Rosenberger die Stadtbibliothek, deren Angebot inzwischen auf 38 000 Medien angewachsen ist.
Quelle: WW
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