Marktheidenfeld

Trotz Lockerungen: Fahrschulen stehen vor der Insolvenz

Seit Wochen findet in den unterfränkischen Fahrschulen kein Unterricht statt. Vielen droht jetzt die Pleite - auch wenn sie ab Montag wieder öffnen dürfen.
Thorsten Heidingsfelders Furhpark steht still. Wegen Corona darf der Fahrschulbesitzer aus Marktheidenfeld (Lkr. Main-Spessart) keinen Unterricht geben.
Thorsten Heidingsfelders Furhpark steht still. Wegen Corona darf der Fahrschulbesitzer aus Marktheidenfeld (Lkr. Main-Spessart) keinen Unterricht geben. Foto: Thorsten Heidingsfelder

Thorsten Heidingsfelder erinnert sich noch gut an den 18. März, es war ein Mittwoch. An diesem Tag ist bislang zum letzten Mal ein Fahrschulauto von den Parkplätzen der Fahrschule in Marktheidenfeld (Lkr. Main-Spessart) gerollt. Wegen der Pandemie dürfen in Bayern seit mehreren Wochen weder theoretische noch praktische Fahrstunden stattfinden. Ab kommenden Montag dürfen die Fahrschulen hier wieder öffnen, doch das ist nur ein schwacher Trost.

Laut einer aktuellen Studie des Branchenverbands Moving stehen wegen der Corona-Pandemie von den rund 10 000 Fahrschulen in Deutschland ein Drittel vor dem Aus. Auch für Thorsten Heidingsfelder, den Fahrschulenbesitzer aus Main-Spessart, hat sich die Lage in der letzten Zeit zugespitzt. Seit sieben Wochen ist der Betrieb eingestellt, sein gesamter Fuhrpark mit 32 Fahrzeugen steht still. "Das ist unser großes Problem. Keine Unterrichtsstunden bedeutet keine Einnahmen", erklärt er. Zwar habe der 44-Jährige Soforthilfe beantragt, doch bei 15 Angestellten reiche das Geld vorne und hinten nicht, trotz Kurzarbeit. "Das deckelt halt überhaupt nicht das, was ich an Ausgaben habe", sagt er. Denn während der Fahrbetrieb still steht, laufen die Leasingraten für Heidingsfelders Fahrzeuge weiter.

Ein weiterer Aspekt, der nicht nur den Besitzer samt Mitarbeiter der Fahrschule, sondern auch deren Schüler belastet: der Lernfortschritt stagniert. "Die Schüler sind außer Übung", ist sich Heidingsfelder sicher. Auch ärgert er sich über die fehlende Kommunikation zwischen den Fahrlehrern und dem Landesverband Bayerischer Fahrlehrer. Von Woche zu Woche seien er und seine Kollegen mit der Verschiebung des Eröffnungsdatums vertröstet worden. "Man fühlt sich so unwichtig und das ist es, was mich zermürbt", gibt Heidingsfelder zu.

Führerschein wird für systemrelevante Berufe benötigt

Fahrschulen seien ein wichtiger Baustein, damit in systemrelevanten Berufen weiterhin gearbeitet werden könne, sagt Dieter Quentin, der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände (BVF) in einer aktuellen Pressemitteilung.  "Man darf auch nicht vergessen, dass für die Ausübung vieler Berufe der Führerschein eine wichtige Voraussetzung ist", so Quentin.

Vor den Beschränkungen nahmen 250 Schüler bei Heidingsfelder und seinem Team Fahrstunden. Darunter auch Schüler, die den Lkw-Führerschein für die Arbeit bei der Feuerwehr oder dem Technischen Hilfswerk brauchen. Alleine am 18. März seien zwölf Fahrprüfungen abgesagt worden. Der 44-Jährige ärgert sich besonders über den Fall einer Schülerin, die zwei Tage nach den Beschränkungen ihre Führerscheinprüfung  gemacht hätte. "Die arbeitet beim Roten Kreuz, hätte dort einen Rettungswagen gefahren. Die kann den Führerschein jetzt nicht fertig machen."

"Die rennen uns die Bude ein. Da kommt eine Welle auf uns zu."
Thorsten Heidingsfelder, Fahrschulenbesitzer aus Marktheidenfeld

Ab kommender Woche können der Fahrschulbesitzer und sein Team zumindest teilweise aufatmen. Wie die bayerische Staatsregierung am Dienstag mitteilte, dürfen die Fahrschulen im Freistaat ab 11. April unter Auflagen wieder öffnen. Heidingsfelder, dem deswegen "gefühlt 150 Steine vom Rücken runter fallen",  hat deswegen die kommenden Tage alle Hände voll zu tun. Der Fahrschulbesitzer ist sich sicher: "Wenn wir aufmachen, dann rennen die uns die Bude ein. Da kommt eine Welle auf uns zu." Denn dann würden zu den aktuellen Fahrschülern auch noch diejenigen dazu kommen, die in der zweimonatigen Zwangspause mit dem Führerschein angefangen hätten.

Doch auch bei erneuter Öffnung wird er den fehlenden Umsatz der letzten Wochen nicht wieder einholen können. Der Grund: Das Team von Heidingsfelder wird zwar ausgelastet sein, doch neue Lehrer kann er nicht einstellen. "Es gibt zu wenig Fahrlehrer auf dem Markt", erklärt er. 

Laut der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände stehen die Hygiene-Konzepte für einen Fahrschulunterricht in Zeiten von Corona. "Die Umsetzung in den Fahrschulen ist bereits angelaufen", sagt Dieter Quentin, Vorsitzender der Vereinigung. Den Theorieunterricht wird der Marktheidenfelder Fahrschulbesitzer mit mehreren Schutzmaßnahmen abhalten. So stünden in seinen Schulungsräumen die Stühle mit zwei Metern Abstand zueinander parat, auch Desinfektionsmittel für Schüler und Lehrer seien ausreichend vorhanden.

Wie das Gesundheitsministerium bekannt gab, dürften Fahrstunden maximal eine Stunde dauern, und sowohl Lehrer als auch Schüler müssten dabei eine Mund-Nasen-Schutzmaske tragen. Nachschulungen oder Fahreignungsseminare, beispielsweise zum Abbau von Punkten, dürften jedoch nicht stattfinden.

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