Duttenbrunn

Umleitungsverkehr in Duttenbrunn: Bürgermeister warnt vor Selbsthilfe

Die Bürgerversammlung in Duttenbrunn war von den Corona-Auflagen gezeichnet. Die rund 70 Besucher trieb neben dem Umleitungsverkehr vor allem der Friedhof um.

Den zugenommenen Verkehr aufgrund der Umleitung für die gesperrte Ortsdurchfahrt von Birkenfeld bezeichnete Bürgermeister Stefan Wohlfart als Ärgernis. Er konnte berichten, das sein Bürgermeisterkollege Volker Hemrich aus Urspringen eine Steigerung von 2000 auf 3000 Fahrzeugen am Tag messen konnte. Das werde man gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Alexander Hoffmann bei einem Termin am Straßenbauamt Würzburg zum Thema machen. Das Landratsamt habe bislang keinen Grund für eine Tempolimit von 30 Stundenkilometern gesehen. Als in Arnstein der Kreisverkehr gebaut wurde habe in in Retzbach und Retzstadt auch Tempo 30 gegolten, es sei nicht einzusehen, warum das jetzt in Duttenbrunn nicht möglich sein soll.

Bürgermeister warnt vor "Selbsthilfe"

Natürlich sorgte es auch für Verwunderung, das bis zur Veröffentlichung des Zeitungsartikels in der Main-Post keine Beschwerden aus Duttenbrunn im Zellinger Rathaus eingegangen waren. Ein Bürger sprach von Selbsthilfe: "In Roden stellen sie einfach Anhänger auf die Straße, das bremst den Verkehr". Dazu warnte der Bürgermeister, es berge auch Gefahren und sei für eine so lange Baustelle mit Umleitung – mindestens bis Mitte 2021 – keine gute Methode.

Es gab auch Fragen, ob man die Straße nicht für Lkw sperren könnte, doch das ist bei einer Staatsstraße so gut wie unmöglich. Horst Charné wusste zu berichten, dass auch der Schichtwechsel bei Bosch-Rexroth in Lohr sei zu merken, Mitarbeiter aus dem Raum Würzburg führen oft "über die Dörfer" zur Arbeit.

Kurz gestreift wurde auch das Thema ÖPNV. Busse von Karlstadt nach Marktheidenfeld fahren erst gar nicht über Duttenbrunn oder sie dürfen dort zwar Fahrgäste, oft Schüler, aussteigen lassen, aber niemand darf einsteigen. So habe sich schon ein Ehepaar in Stadelhofen abholen lassen müssen. Hier war Wohlfart zuversichtlich, eine Lösung finden zu können.

Viele leerstehende Gräber

Beim Friedhof gab es am 7. August eine Begehung mit interessierten Bürgern. Der Eingangsbereich und die Wasserentnahme seien unbefriedigend, und es gebe viele leerstehende Gräber, fasste der Bürgermeister zusammen, der in allen drei Ortsteilen mit den Bürgern nach Lösungen suchen will. Umso mehr wurde er kritisiert, dass die Verwaltung kürzlich ein Grab mitten in einer Reihe ungenutzter Gräber neu vergab. Das lag laut Stefan Wohlfart daran, dass die Hinterbliebenen ein Einzelgrab wollten und es nur dieses eine gab. Außerdem wurde gefragt, ob bei Beerdigungen wirklich die Grabeinfriedungen entfernt werden müssten, was mit Einlagerung und Wiedereinbau viel Geld kostet, genannt wurden 800 Euro. Ums Geld ging es auch beim Thema Leichenhausgebühr, weil der alte Gemeinderat die Gebühren auf halbwegs kostendeckende Sätze umstellte. Seither kostet die "Übernachtung" vor einer Beisetzung rund 200 Euro, mehr als viele Hotelzimmer.

Kurz ging der Bürgermeister auf die beschlossene Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik um. Die Gemeinde zahlt dem Bayernwerk dafür 50 000 Euro und spart jährlich 5000 Euro an Stromkosten. Eine Bürgerin beschwerte sich, gleich zwei Straßenlampen rund um ihr Haus beleuchteten nachts "taghell" ihr Schlafzimmer.

Ein wichtiges Zukunftsthema für Duttenbrunn ist die Kläranlage, weil die wasserrechtliche Genehmigung 2023 abläuft. Die aktuellen Werte erlauben keine Verlängerung. Von fünf Optionen sind zwei aus Sicht des Bürgermeisters tragfähig: Anschluss Duttenbrunns an die Kläranlage in Birkenfeld oder Verlängerung der Ablaufleitung bis zum Karsbach. Mit letzteren wären schlechtere Werte erlaubt als derzeit. Aktuell entwässert die Kläranlage in den Kettlichsgraben, der als "Trockengraben" oft kein Wasser führt. Für beide Lösungen müsste die Duttenbrunner Anlage zumindest teilweise ertüchtigt werden.

Technische Aufrüstung der Kläranlage zu teuer

Keine Option für das Wasserwirtschaftsamt ist der Anschluss an die Kläranlage Urspringen, ihre Reinigungsleistung reicht nicht aus. Eine technische Aufrüstung der Anlage in Duttenbrunn zur weiteren Nutzung des Kettlichsgrabens wäre sehr teuer.

"Es gibt in Duttenbrunn Flurwege, die wandern, sich in nichts auflösen und Ackerrandstreifen, die Feldfrüchte tragen", sprach der Bürgermeister ein alte bekanntes Phänomen an. Zusammen mit der Vereidigung zweier neuer Feldgeschworener für Duttenbrunn erließ der Gemeinderat vor rund zwei Monaten eine neue Satzung, die jährliche Kontrollen vorsieht. Konkret: In jedem Ortsteil werden sich die Feldgeschworenen zwei Wochen im Jahr auf den Weg machen, um Grenzsteine entlang der Grenzen zu öffentlichen Flächen zu suchen und freizulegen. Der Bürgermeister appellierte an die Grundstücksbesitzer, die Steine selbst freizulegen, ansonsten müssten sie es bezahlen. Ein in der Praxis festgestelltes Problem ist, dass viele Grenzsteine bis zu einem halben Meter unter der Erdoberfläche sitzen.

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