Heßlar

Unkonventionelle Hilfe für das Ahrtal

Paul Mees übergibt die von ihm gesammelten  Geldspenden an Menchen aus dem Ahrtal, die besonders von der Flut betroffen waren.
Foto: Monika Mees | Paul Mees übergibt die von ihm gesammelten Geldspenden an Menchen aus dem Ahrtal, die besonders von der Flut betroffen waren.

Entsetzt zeigte sich Paul Mees aus Heßlar, als er eine Woche nach der Flut mit der Landwirtschaftlichen Sozialversicherung ins Ahrtal kam und die Zerstörung sah. Der Schlamm vom Hochwasser stand teilweise mehr als einen halben Meter hoch in den Straßen.

Tränen habe ihm dies alles in die Augen getrieben. Vor allen Dingen die grauenhaften Bilder von toten Kindern und von ganzen Familien, die durch das Hochwasser ausgelöscht worden waren.

Dies trug alles dazu bei, dass bei Paul Mees der Entschluss zur freiwilligen Hilfeleistung reifte. Als Lkw-Fahrer bei der Firma Kirsch bat er dort um Unterstützung und bekam ganz unbürokratisch einen Container-Lkw zu Aufräumungsarbeiten und Abtransport zur Verfügung gestellt. 

Seuchengefahr

Weiter erzählt Paul Mees, dass es enorm wichtig war, die Abfälle wegen der drohenden Seuchengefahr zu entsorgen. Daher wurden diese zuerst außerhalb der Ortschaften in notdürftig angelegten Deponien gelagert. Lkw-Fahrer schlossen sich zu Arbeitsgemeinschaften zusammen, um den Unrat zu den Deponien in der Umgebung zu transportieren. Begleitet war dies alles von starkem Geruch nach Heizöl.

Paul Mees berichtet, dass schon die Anfahrt wegen der zu 80 Prozent zerstörten Infrastruktur sowie der drei bis vier Meter hohen Berge ausgelagerten Sperrmülls, ein Abenteuer gewesen sei. Viermal war Paul Mees bis jetzt im Ahrtal und selbst die unzulänglichen Übernachtungsmöglichkeiten konnten ihn nicht abhalten, die Hilfeleistungen weiterzuführen. Man konnte sich als Lkw-Fahrer ja behelfen und die Fahrerkabine als Übernachtungsmöglichkeit nutzen, sagte Mees. Erschwerend kam der Stromausfall, Gas- und Wasserausfall sowie der Totalausfall des Telefon-Festnetzes hinzu.

Die von einheimischen Landwirten zur Verfügung gestellten Heuballen wurden in den Lkw verladen und von Paul Mees im Ahrtal an verschiedene Gestüte verteilt.
Foto: Ernst Schneider | Die von einheimischen Landwirten zur Verfügung gestellten Heuballen wurden in den Lkw verladen und von Paul Mees im Ahrtal an verschiedene Gestüte verteilt.

Kraftstoff fehlte

Um einigermaßen in Verbindung bleiben zu können musste das Handy im Lkw aufgeladen werden. Selbst Dieselkraftstoff fehlte für die Hilfsfahrzeuge. Dieser wurde von der Bundeswehr angefahren. Überhaupt war Mees angetan von der großen Anzahl freiwilliger Helfer und Hilfsorganisationen, vor allen Dingen auch aus angrenzenden Nachbarländern. 

Zu Hause angekommen, ging es weiter mit der Planung für weitere Hilfeleistungen. Von Mees wurden verschiedenen Heuballentransporte ins Katastrophengebiet zu Gestüten durchgeführt, wobei bei der Rückfahrt immer wieder Metallschrott geladen wurde, um diesen in heimatlicher Nähe zu verkaufen. Gute Erlöse seien zusammen gekommen, wobei von einem Schrotthändler sogar ein Zuschlag von 30 Euro je Tonne zum üblichen Preis als unmittelbare Fluthilfe gezahlt wurde. Mit rund 6000 Euro konnten so hilfsbedürftige Personen bedacht werden.

Brennholz für das Tal

In der ersten Dezemberwoche plant Mees, der unermüdliche private Katastrophenhelfer, die Überführung von drei Lastzügen mit gespendetem Brennholz ins Ahrtal. Die Holzspenden kommen von den Sägewerken Grötsch (Langenprozelten), Försch (Gössenheim) und Fischer (Wohnrod), die Heuballen von Christian Fischer aus Weickersgrüben, Klaus Höfling aus Heßlar, Leo Stamm aus Stetten und bei Karlheinz Schnackig aus Schönarts. Jetzt bittet Mees um weitere Spenden für seine Hilfsaktionen. 

Dieses auf dem Bild  sichtbare gebündelte Brennholz, rund 150 cbm, wurde vom Sägewerk Försch aus Gössenheim gespendet. Paul Mees (Bild) wird es bei einem weiteren Hilfskonvoi, zusammen mit den weiteren Holzspenden mittels Firmen-Lkw der Fa. Kirsch & Sohn nächste Woche ins Ahrtal überführen.
Foto: Ernst Schneider | Dieses auf dem Bild sichtbare gebündelte Brennholz, rund 150 cbm, wurde vom Sägewerk Försch aus Gössenheim gespendet.
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