KARLSTADT

Vamp, Clown und kesse Göre

Musikalischer Start: Mit einem ansprechenden Neujahrskonzert von Klaus Feldner am Flügel und Anja Gutgesell begann im Rathaussaal das Karlstadter Kulturprogramm für 2011.
Foto: Günter Roth | Musikalischer Start: Mit einem ansprechenden Neujahrskonzert von Klaus Feldner am Flügel und Anja Gutgesell begann im Rathaussaal das Karlstadter Kulturprogramm für 2011.

„Alles Gute im neuen Jahr – und haben Sie Spaß!“, sagte die Würzburger Sängerin Anja Gutgesell, nachdem sie gemeinsam mit Klaus Feldner am Flügel Karlstadt mit einer flotten Matinee musikalisch in das neue Jahr entführt hatte. Die „faszinierenden 30er Jahre“ mit Erinnerungen an Marlene Dietrich, an die Showgrößen Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Junior waren das Motto.

Den richtigen Draht zu ihrem Publikum fand Gutgesell auf Anhieb. Überaus wandlungsfähig, mal Vamp, mal Clown, mal kesse Göre, zeigte sie ein breites Spektrum an künstlerischer Präsentation. Es gelang ihr hervorragend, den Liedvortrag mit dem ganzen Körper aufzunehmen und brillant wiederzugeben. Stimmlich brauchte sie allerdings zwei bis drei Lieder, um voll in Fahrt zu kommen – ein anstrengendes Konzert am Vorabend war wohl der Grund dafür. Dann aber überzeugte sie mit hoher Musikalität und jugendlicher Kraft in lebhaftem und betörendem Wohlklang in leisen, romantischen Stücken.

Vier Schwerpunkte hatte sich Gutgesell in ihrem Konzert gesetzt: Neben Operetten und Tonfilmschlagern der 1930er-Jahre waren dies eine Hommage an Marlene Dietrich sowie die drei US-Entertainer Frank Sinatra, Dean Martin und Sammy Davis Junior. Hier konnte sie ganz besonders ihren beeindruckenden Stimmumfang unter Beweis stellen: Da war frech und kess die fesche „Lola“ oder das Liebeslied an die Stadt Berlin, aber auch in besinnlichem Moll gehalten „Ich hab noch einen Koffer in Berlin“. Für „Sinatra & Co.“ sang sie „S‘wonderful“ „Cream in my Coffee“ und das fidele „Honeysuckle Rose“.

Besonders begeistert aufgenommen und mit Bravo-Rufen bedacht wurde allerdings der Teil „Operette sich wer kann”. Die wunderschönen Melodien aus dem „Weißen Rössl“ die „Christl von der Post“ aus dem „Vogelhändler“ oder die „Julischka aus Budapest“ – „weil, das ist sich etwas für mehr Leidenschaft!“, so Gutgesells pfiffiger Kommentar. Bei „Lippen schweigen, s‘flüstern Geigen“ schmolz das Publikum endgültig dahin. Im Programmteil der Tonfilmschlager kamen besonders die Männer auf ihre Kosten. „Jawohl, meine Herren“, sang sie keck und temperamentvoll, und dass Frauen keine Engel, die Männer aber der Liebe wert sind. Das ging diesen selbstverständlich sehr ans Herz.

Anja Gutgesell ist eine talentierte, geistvolle Sängerin, ihre Stimme hat Klasse. Darüber hinaus ist sie auch eine perfekte Unterhalterin. Sie erklärt ihre Lieder charmant, bettet sie in spritzige Anekdoten und zeigt auch ganz spontanen Humor, wenn sie zum Beispiel aus lauter Tanzleidenschaft mal einen halben Takt lang den Einsatz versäumt, vor Bewegungsdrang mit dem Fingerring gegen den Flügel schlägt oder wenn sie sich ganz lasziv und wohlig auf demselben räkelt.

Ein Gutteil des Lobes aber gebührt dem Pianisten Klaus Feldner. Er ist wirklich ein perfekter „Tastenschmeichler“. Technisch und musikalisch virtuos nimmt er mühelos Stimmungen auf, reagiert geschmeidig auf jede Kleinigkeit und bringt sogar das Kunststück fertig, bei der Csardasfürstin den wilden Tanz der eigentlich unverzichtbaren Zigeunerfiedel kaum noch vermissen und auch bei dem traumhaften Walzer „Lippen schweigen“ die fehlenden Streicher fast vergessen zu lassen. Kurzum, ein großartiger Pianist. Ein Zusatzlob sollte es auch für den gelungenen optischen Hintergrund auf der Bühne geben.

Etwa 150 Besucher hatten sich im Rathaussaal zu diesem gelungenen Konzert eingefunden.

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