Marktheidenfeld

Verwahrloste Hunde: So lief Hausdurchsuchung in Bergrothenfels ab

Eine Hausdurchsuchung für den Tierschutz: Auch für Amtstierarzt Martin Korneli war es neu, dass ein Fall derart eskaliert. Warum dieser ein besonders schwieriger war.
Hunde sitzen in einem Käfig: Das Veterinäramt greift immer dann ein, wenn ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz angezeigt oder vermutet wird. (Symbolbild)
Foto: Michael Reynolds, dpa | Hunde sitzen in einem Käfig: Das Veterinäramt greift immer dann ein, wenn ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz angezeigt oder vermutet wird. (Symbolbild)

Um Tiere zu schützen, habe er zum ersten Mal überhaupt eine Hausdurchsuchung betragen müssen, sagt der Amtstierarzt Martin Korneli, der Leiter des Veterinäramtes im Landkreis Main-Spessart. Seit 1998 arbeitet er dort, seit 2013 leitet er es.

Mehrere Hunde, die schlecht gepflegt waren, sind am Mittwoch vergangener Woche bei einer vom Veterinäramt und der Polizei durchgeführten Hausdurchsuchung in Bergrothenfels abgeholt und anderweitig untergebracht worden.

Tierhaltungsverbot als härtestes Mittel ist die Ausnahme

Die Amtstierärzte des Landratsamtes greifen immer dann ein, wenn ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz angezeigt oder vermutet wird. Von einer mündlichen und schriftlichen Ermahnung über Zwangsgelder und Ersatzvornahmen bis zu einem Tierhaltungsverbot reichen ihre Mittel. Das sei aber "die absolute Ausnahme", sagt Korneli.

Schon in der Vergangenheit sei mehrmals aufgefallen, dass Tiere dort offenbar nicht artgerecht gehalten würden, hatte das Landratsamt in der Pressemitteilung geschrieben. Korneli bestätigt das. Erstmals 2013 hätten sich Nachbarn beschwert, weil sie sich von den im Garten frei laufenden und bellenden Hunden belästigt gefühlt hätten. 2017, teilte das Landratsamt mit, habe der Halter auf Anordnung des Veterinäramts sechs Hunde abgeben müssen.

Das Amt habe bereits damals gehandelt und mehrmals "mit unterschiedlichen Ergebnissen" geprüft, wie die Hunde gehalten werden. Oft stießen Korneli und seine Kollegen aber auf den Widerstand der Tierhalter. "Sie waren entweder nicht zu Hause anzutreffen, haben uns die Tür nicht geöffnet, niemanden ins Haus gelassen oder uns nur die Hunde gezeigt", berichtet der Amtsleiter.

Auch Bürgermeister Michael Gram hatte sich, wie er auf Anfrage bestätigt, in der Vergangenheit wiederholt ans Landratsamt gewandt, weil ihn Bürger aus Bergrothenfels auf die aus ihrer Sicht besorgniserregende Situation angesprochen hatten. Der Gemeinde selbst seien in diesem Fall vom Aufgabenbereich her und rechtlich die Hände gebunden gewesen. Sie könne hier nicht selbst tätig werden, sondern müsse sich an die zuständigen Ämter wenden. 

Warum der Amtsleiter nicht sofort durchgreifen konnte

Warum das Amt nicht sofort härter durchgegriffen habe? "Wir versuchen, die festgestellten Mängel zunächst mit 'milden Mitteln' abzustellen." Die Halter müssten zunächst die Möglichkeit haben, diese von sich aus beseitigen zu können. Man könne eben nicht, was viele fordern würden, "die Tiere einfach einpacken, und das war es dann".

Martin Korneli leitet das Veterinäramt im Landkreis Main-Spessart. Der Amtstierarzt holte vor kurzem mit vier Polizisten und einem Durchsuchungsbeschluss sechs Hunde ab.
Foto: Laura-Sophie Lang | Martin Korneli leitet das Veterinäramt im Landkreis Main-Spessart. Der Amtstierarzt holte vor kurzem mit vier Polizisten und einem Durchsuchungsbeschluss sechs Hunde ab.

Im Juli dieses Jahres hätten sich Nachbarn erneut beim Veterinäramt gemeldet, dieses Mal allerdings aus der Sorge, weil sie die Hunde, die sonst lebhaft bellten, gar nicht mehr hörten – und deshalb das Schlimmste für die Tiere befürchteten. Vor Ort stellte Korneli fest, dass die Hunde nicht ausreichend ernährt und gepflegt seien, weshalb er dem Halter auferlegte, sie innerhalb von zwei Wochen von einem Tierarzt untersuchen zu lassen.

Das passierte aber nicht. "Jetzt war klar, dass wir so nicht weiterkommen", sagt Korneli. Weil das Amt in der Urlaubszeit im Sommer personell knapp besetzt gewesen sei, "hat es auch bei uns etwas gehakt", gibt er zu. Erst danach sei der Fall wieder aufgenommen worden. Über Polizei und Staatsanwaltschaft habe er versucht, einen Durchsuchungsbeschluss zu bekommen. Mit dem Antrag sei er ob der dicken Akte "eine ganze Weile" beschäftigt gewesen.

Oft leiden die Tiere unter den Problemen ihrer Halter

Auch mit dem Beschluss stand er vor verschlossenen Türen: "Wir haben von außen die Hunde gehört, sie haben sich durch ihr Bellen bemerkbar gemacht." Begleitet wurde er von vier Polizisten, darunter ein ausgebildeter Hundeführer, und einer Amtstierärztin.

Nachdem sie sich gewaltsam Zutritt zum Haus verschafft hatten, kamen ihnen sechs Hunde zwischen drei und zehn Jahren entgegen und drängten ins Freie. "Ihr Zustand war diesmal schlechter als bei der vorherigen Kontrolle", sagt Korneli betroffen. Kot habe in ihrem Fell geklebt, es sei verfilzt gewesen. Die Hunde seien tierärztlich untersucht und in Pflege gegeben worden. Das Landratsamt beabsichtige, ein Hundehaltungs- und Hundebetreuungsverbot verhängen. Ebenso werde die Staatsanwaltschaft prüfen, ob sie ein Verfahren einleite.

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"In der Regel reagieren Tierhalter auf unsere Maßnahmen, denn die meisten haben ein Interesse an ihren Tieren", sagt der Amtsleiter. "Jedoch gibt es unter ihnen ein paar wenige, die uns leider die meiste Zeit beschäftigen." Werden Tiere nicht artgerecht gehalten und gepflegt, so seine Erfahrung, gebe es oft "menschliche Probleme", die zur Überforderung oder Gleichgültigkeit führen. Darunter litten letzten Endes die Tiere.

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