Frammersbach

Vom Straßen- zum Therapiehund

Ein starkes Team: Jessica Waters und ihre Hündin Noar sind seit wenigen Wochen ein ausgebildetes Therapiebegleithund-Team.
Foto: Yvonne Vogeltanz | Ein starkes Team: Jessica Waters und ihre Hündin Noar sind seit wenigen Wochen ein ausgebildetes Therapiebegleithund-Team.

Wenn Jessica Waters mit ihrer Mischlingshündin Noar das Partensteiner Seniorenzentrum besucht, ist die Aufregung groß. „Es Mopperle ist wieder da!“, hallt es dann dem Duo entgegen.

Jessica Waters und Noar sind seit kurzem ein ausgebildetes Therapiebegleithund-Team. Was im Grunde nichts Ungewöhnliches wäre, wenn die kleine Noar nicht eine bewegende Vergangenheit hinter sich hätte. Jessica Waters hat die aufgeweckte Hündin im August 2013 aus der Straßenhölle Rumäniens zu sich nach Rodenbach geholt und ihr so das Leben gerettet.

Als Noar 2013 als Welpe im Alter von nur fünf Monaten mutterseelenallein von Tierschützern vor einem Supermarkt in Rumänien gefunden wurde, glich sie einem Häufchen Elend: ihr Zustand war erbärmlich, ihr kleiner Körper voller Zecken. Und doch war es für Jessica Waters Liebe auf den ersten Blick. Sie fand Noar auf Facebook auf der Seite der Tierschutz-Organisation „Hulda“ (www.appahulda.org), die sich um rumänische Straßenhunde kümmert und vermittelt.

Für die Ergotherapeutin aus Rodenbach, die in Frammersbach eine eigene Praxis betreibt, und ihren Mann David, war schnell klar: sie wollten Noar ein Zuhause bieten. Im August vor zwei Jahren kam der schwarze Hund mit dem weißen Fleck auf der Brust nach Deutschland. Und die Chemie stimmte sofort. Die Waters hatten von Anfang an eine Verbindung zu ihrer neuen Mitbewohnerin.

Nicht ohne Hintergedanken hatte sich Jessica Waters genau das gewünscht. Ihr Plan war es nämlich, künftig mit einem Therapiebegleithund an ihrer Seite zu arbeiten – insofern es das Wesen des Hundes zulässt. Dass dies funktionieren sollte, war schnell klar. Noar entwickelte sich prächtig und erwies sich als eine Hündin, die ein Gespür dafür hat, wie sie mit Menschen umgehen muss, wann sie sich einschalten kann, wann sie sich zurücknehmen muss.

„Die Senioren haben einfach Spaß und können noch Tage davon erzählen.“
Jessica Waters über die Wirkung von Therapiehündin Noar

Schon wenige Tage nach ihrer Ankunft durfte „Noni“, wie die 27-Jährige ihre Hündin liebevoll nennt, mit in die Praxis und war fortan fest in die Therapie der Patienten eingebunden.

Heuer war es nun an der Zeit, den nächsten Schritt zu wagen und die Ausbildung zum Therapiebegleithund-Team anzugehen. Zuvor musste der Vierbeiner jedoch einen Wesenstest bestehen. Die kleine Noar wurde einen Tag lang auf Herz und Nieren geprüft. Sie wurde in die verschiedensten Situationen gebracht um zu sehen, wie sie mit Stress umgeht und diesen auch wieder abbaut. „Das waren viele praxistypische Sachen wie etwa was passiert, wenn ein Kind am Hund rumzerrt oder wie sie auf Rollatoren oder Blindenstöcke reagiert“, erzählt Waters. Ein Hund müsse bei dieser Arbeit flexibel sein und sich in neue Situationen reinfinden können. Noar bestand den Test und das Team wurde zur Ausbildung zugelassen. „Mir ist ein riesen Stein vom Herzen gefallen. Ich war stolz, dass ein Nicht-Rassehund, der eben 'nur' von der Straße kommt, so etwas schafft“, sagt die Hundemutti.

Im Februar diesen Jahres ging die über vier Wochenenden andauernde Ausbildung bei der Diplom-Ergotherapeutin Kati Hensel in Hungen schließlich los. Die Beiden erwartete ein breites Ausbildungsspektrum, angefangen von der Vermittlung von Kenntnissen über die Anatomie des Hundes, über die Einsatzmöglichkeiten und Wirkungsweisen eines Therapiebegleithundes, das Lernverhalten des Tieres bis hin zur Ersten Hilfe bei Hunden.

„Ich habe in der Ausbildung auch gelernt, meinen Hund aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Auch Schwanzwedeln ist nicht immer 'juhu, es ist alles toll hier‘“, sagt Waters. „Nuni zeigt viel mit dem Blick. Sie guckt mich an und zeigt mir, was sie empfindet.“ Das Erlernte wurde daheim oder in der Praxis umgesetzt, ehe im Oktober schließlich die theoretische und die praktischen Abschlussprüfungen anstanden. Und die meisterte das Duo mit Bravour. Selbstredend, dass der kleine schwarze Hund in Jessica Waters Praxis mittlerweile „der Star“ ist. „Die Kinder sind total begeistert von ihr. Die reißen mit einem 'Noni ich bin da‘ die Türe auf. Es dreht sich wirklich alles um sie. Und es wird auch von den Kindern gefordert, dass sie was mit Noni machen dürfen“, beschreibt die 27-Jährige den Praxisalltag.

Momentan setzt sie ihre Hündin viel ein, um Kinder mit Leseschwierigkeiten spielerisch an die Materie heranzuführen. Hyperaktive Kinder können mit der Hündin im Entspannungszimmer entspannen und herunterkommen. Aber auch im Bewegungsparcours, bei Balanceübungen, der Würfelolympiade oder beim Puzzeln ist Noar eine wichtige Hilfe, die Kinder motiviert.

Auch zu bettlägerigen Patienten nimmt Waters ihre Hündin mit. „Durch die Anwesenheit des Hundes sind die Patienten entspannter und lockerer.“ Und auch im Seniorenzentrum in Partenstein ist das Duo ein gern gesehener Gast.

„Alle schreien sie dann 'Mopperle geh mal her‘“, lacht die selbstständige Ergotherapeutin und erzählt weiter: „Jeder will den Hund mal streicheln, die Leine halten.“ Noni helle die Stimmung auf und sei Motivator. „Die Senioren haben einfach Spaß und können noch Tage davon erzählen“, schildert Waters. Auch sie selbst schöpft Kraft aus der Zusammenarbeit mit ihrer Hündin und ist froh, genau diesen Weg, mit einem Straßenhund aus Rumänien gegangen zu sein.

„Du hast als Team Spaß und Erfolg, hast den Partner immer dabei. Und durch ihr albernes Wesen bringt sie mich in stressigen Situationen schneller wieder zum Lachen. Es macht einfach Spaß mit ihr.“

Würfelolympiade: Noar mit dem achtjährigen Justin.
Foto: Waters | Würfelolympiade: Noar mit dem achtjährigen Justin.
Spaß bei der Ausbildung: Waters und Noar in Aktion.Foto: Waters
| Spaß bei der Ausbildung: Waters und Noar in Aktion.Foto: Waters
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