Gemünden

Vor 777 Jahren ging die Hälfte Gemündens an Würzburg

Gemünden fand im 1243 erstmals urkundliche Erwähnung. Der Historische Verein geht mit der Ausstellung "Entstehung und Entwicklung der Stadt Gemünden am Main" auf Zeitreise.
Lotte Bayer, Vorsitzende des Historischen Vereins, eröffnete die erste von vier Ausstellungen über Gemündens 777 Jahre seit seiner urkundlichen Erwähnung.
Foto: Rosemarie Knechtel | Lotte Bayer, Vorsitzende des Historischen Vereins, eröffnete die erste von vier Ausstellungen über Gemündens 777 Jahre seit seiner urkundlichen Erwähnung.

Durch "Villa Gemunda", wie Gemünden ursprünglich genannt wurde, fuhr schon Kaiser Karl der Große, als er auf der damals noch schiffbaren Saale nach Salz reiste. Urkundliche Erwähnung fand Gemünden erstmals im Mai 1243, wie der Historische Verein in seiner Ausstellung "Entstehung und Entwicklung der Stadt Gemünden am Main" anschaulich darstellt. Bei der feierlichen Eröffnung des Jubiläumsjahres, musikalisch begleitet von Judith Djacic und Florian Biemüller, wies Bürgermeister Jürgen Lippert am Freitagabend im Kulturhaus darauf hin, dass weitere chronologisch aufbereitete Ausstellungen folgen werden.

Märkte des Stadtmarketingvereins stehen unter dem Motto "Gemünden anno dazumal" mit Mittelaltermarkt, "Gemünden fischt" oder etwa "Gemünden im Fluss". Hinzu kommen 70 Jahre Kirchweih- und Heimatfest, 150 Jahre Freiwillige Feuerwehr, 30 Jahre Scherenburgfestspiele und 20 Jahre Film-Foto-Ton Museum. "Aber zu unserer Geschichte", so Lippert, "gehört auch der Untergang der Stadt in den letzten Kriegstagen vor 75 Jahren und die Zwangsschließung des St. Josefshauses vor 80 Jahren. Bei allen Jubiläen und Gedenkveranstaltungen dominiert die magische Sieben, von der wir uns beim alljährlichen Kunstprojekt am Huttenschloss ebenfalls überraschen lassen."

"In Gemünden hatte wahrscheinlich jeder eine Kuh"

Mit ihrer Bilderreise in die Vergangenheit Gemündens begann Lotte Bayer, Vorsitzende des Historischen Vereins, anhand der Hoffmannkarte von 1584. "Im 14. Jahrhundert wurde die Stadtmauer fertig und sieht bei genauer Betrachtung aus, als ob zwei Arme hinunterreichen bis zum Main, der die natürliche Grenze bildete. Es wird auch beschrieben", zitierte Bayer aus einer Chronik, "dass der Main die Häuser umspült. Im Osten befand sich das Obertor, sicher auch mit Türmchen oder Häubchen ausgestattet, wo der Türmer wohnte. Vom Geschichtsschreiber Höfling wissen wir, dass die Stadt einen überdachten Wehrgang hatte. An der Saale stand das Brückentor, das 1817 zusammen mit dem Obertor der Stadterweiterung weichen musste."

Auf die Ansiedlung zwischen Main, Sinn und Saale ging Bayer mit dem Hinweis ein, dass Wasser und Wald vorhanden sind und man von Pilzen und anderen Wildfrüchten aus dem Wald leben konnte, von Holzwirtschaft für Hausbau und Brennmaterial, als Holzfäller, Flößer oder Schelchbauer, vom Driften auf der Sinn, von Querschifffahrt und der Jagd im Spessart. "Mainz lud zum Jagen ein, worauf verschiedene Waldstücke mit Tüchern abzutrennen waren und alles was gebraucht wurde, brachten hiesige Fuhrwerke an Ort und Stelle. In Gemünden hatte wahrscheinlich jeder eine Kuh, denn es waren sehr viele nachzuweisen und wer keine Kuh hatte, hielt wahrscheinlich eine Ziege."

Ausstellung noch bis zum 19. März

Mit einer Kindheitserinnerung an einen sehr tiefen Graben in Schaippach verband die Historikerin den enormen Fischreichtum. Sogar Lachse zogen in die Nebenflüsse zu ihren Laichplätzen, woran der Name Lachsgraben bis heute erinnert. Gemünden hatte auch viel Wein, wie die Hoffmannkarte zeigt, jedoch kaum Landwirtschaft. "Es gab zwei Mühlen, Gerber und Färber, sehr viele Tagelöhner und noch mehr Wirtshäuser, wo sich die Männer versammelten und darauf warteten, dass jemand Helfer suchte."

Als rege Landesherren beschrieb Bayer die Rienecker Grafen, denen der Spessart die Glasmacher verdankte; Köhler, Fuhrleute und Steinhauer gehörten ebenfalls zur Region. Beim Steineklopfen halfen auch Frauen und Kinder, weil große Mengen gebraucht wurden zur Wegbefestigung für den damaligen Fernverkehr auf der Birkenhainer Straße, der Hohen Straße und dem Eselsweg." Die Ausstellung kann im Kulturhaus noch bis 19. März besucht werden, der Eintritt ist frei.

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