Lohr

Warnstreik mit Maske und Desinfektionsmittel

Rund 80 Mitarbeiter der Nachtschicht der Bosch Rexroth AG versammelten sich am Dienstag um 0 Uhr vor dem Werkstor am Lohrer Busbahnhof zu einem Warnstreik.
Foto: Johannes Ungemach | Rund 80 Mitarbeiter der Nachtschicht der Bosch Rexroth AG versammelten sich am Dienstag um 0 Uhr vor dem Werkstor am Lohrer Busbahnhof zu einem Warnstreik.

Rund 80 Beschäftigte der Lohrer Bosch Rexroth AG haben sich in der Nacht auf Dienstag pünktlich zum Ablauf der Friedenspflicht um 0 Uhr zu einem Warnstreik vor dem ehemaligen Haupteingang des Stammwerkes in Lohr versammelt. Sie folgten damit dem Aufruf der IG-Metall, die im Zug der aktuellen Tarifverhandlungen so den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen will.

Es war vermutlich der erste Warnstreik in Lohr, bei dem Mund-Nasen-Masken und ein Desinfektionsmittel-Spender zur Ausstattung zählten. Man lasse sich auch von der Corona-Pandemie nicht davon abhalten, für die Ziele der Beschäftigten einzutreten, sagte Stephan Parkan. Der zweite Bevollmächtigte der IG-Metall Aschaffenburg war der Hauptredner bei dem auf 45 Minuten angesetzten Warnstreik. Zu ihm hatten sich die Mitarbeiter der Nachtschicht von Gießerei und Werk I versammelt.

Parkan ließ exakt um 12 Uhr einen Wecker klingeln, um den Ablauf der Friedenspflicht und den Beginn des Warnstreiks zu markieren. Der Streik sei "der erste Schuss vor den Bug der Arbeitgeber", die es "verpennt" hätten, eine vernünftiges Angebot vorzulegen. Die Gewerkschaft fordert nach der Nullrunde im von der Corona-Pandemie geprägten vergangenen Jahr nun eine Lohnsteigerung von vier Prozent für die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie. Parkan sprach davon, dass man die Einkommen "stabilisieren und stärken" und den Beschäftigten Perspektive geben müsse, nachdem das Jahr 2020 durch Kurzarbeit Einbußen beschert habe.

Das Ziel der Arbeitgeber hingegen sei es, "nicht nur nichts zu geben", sondern gar Errungenschaften vergangener Tarifrunden teilweise wieder zu nehmen. "Das ist mit uns nicht zu machen", so Parkan kämpferisch angesichts der in den Tarifverhandlungen von Arbeitgeberseite zur Diskussion gestellten Option auf Abstriche bei Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Er sprach von dem Ziel der Arbeitgeber, die Gewerkschaft mit individuellen Vereinbarungen auf Betriebsebene aus den Unternehmen zu drängen. "Finger weg von unseren Tarifverträgen, sonst brennt die Hütte", griff Parkan zu drastischen Worten.

Weitere Streiks angekündigt

Die Arbeitgeber setzten auf Spaltung und wollten Unfrieden stiften, so seine Interpretation des bisherigen Verhandlungsverlaufs, bei dem man sich am vergangenen Freitag ohne Einigung und neuen Termin getrennt hatte. Lohnerhöhungen, so Parkan weiter, hätten die Arbeitgeber erst wieder für 2022 in Aussicht gestellt. "Wir sind bereit, für unsere Forderungen zu kämpfen", kündigte er weitere Warnstreiks für den Fall an, dass sich die Arbeitgeber nicht bewegen. Man werde den "Druck von Woche zu Woche erhöhen".

Thomas Nischalke, der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende der Lohrer Bosch Rexroth AG, sprach davon, dass die meisten Betriebe trotz Corona-Pandemie "richtig gute Ergebnisse" verzeichneten, teilweise sogar Sonder-Prämien gezahlt würden. "Dennoch wird gejammert", so der Arbeitnehmervertreter. Das bisherige Angebot der Arbeitgeber sei angesichts der zunehmend besseren wirtschaftlichen Lage in der Branche eine "Unverschämtheit", sagte Nischalke.

Auf eine schnelle Einigung hofft man auf Seiten der Gewerkschaft allem Anschein nach jedoch nicht. "Ich bin mir sicher, wir sehen uns recht bald wieder", verabschiedete Parkan die Streikenden nach einer knappen Dreiviertelstunde.

Lohr war in dieser Nacht nicht der einzige Rexroth-Standort, an dem es einen Warnstreik gab. Auch in Elchingen bei Ulm gingen Mitarbeiter der Nachtschicht um 0 Uhr vor die Werkstore. In einer Live-Schalte wurden Grußworte zwischen Lohr und Elchingen ausgetauscht. Im Bereich Untermain hatte die IG-Metall auch für das Werk des Staplerbauers Linde in Weilbach (Kreis Miltenberg) für Dienstagnacht einen Warnstreik organisiert.

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