Würzburg/Aschaffenburg

Warum die Caritas einer rechtsextremen Kinderpflegerin nicht kündigen durfte

Eine Caritas-Kita am Untermain entlässt eine Kinderpflegerin, als sie entdeckt, dass die Frau rechtsextreme Ansichten vertritt. Ein Gericht kassiert die Kündigung.
Symbolbild: Spielzeug liegt in einer Kindertagesstätte auf dem Boden. 
Foto: Monika Skolimowska, dpa | Symbolbild: Spielzeug liegt in einer Kindertagesstätte auf dem Boden. 

Unverständnis. Das treffe es wohl am ehesten. Es könne doch nicht sein, dass sich die Caritas aus formalen Gründen genötigt sehe, jemanden zu beschäftigen, dessen Werte dem christlichen Menschenbild widersprechen. Domkapitular Clemens Bieber und Vorsitzender der Caritas für die Diözese Würzburg, zeigt sich enttäuscht. Er kann die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Nürnberg nicht nachvollziehen.

"Wir mussten an dieser Stelle die Reißleine ziehen."
Clemens Bieber, Vorsitzender der Caritas, über die Kündigung einer Kinderpflegerin

Konkret geht es um den Fall einer Mitarbeiterin einer Caritas-Kindertagesstätte am Untermain. Eltern hatten die Einrichtung darauf aufmerksam gemacht, dass die Kinderpflegerin auf privaten Accounts bei Facebook und Instagram rechtsextreme Meinungen vertritt und fremdenfeindliche Demonstrationen besucht. "Wir mussten an dieser Stelle die Reißleine ziehen", sagt Clemens Bieber. Die Konsequenz: Kündigung. Die wurde nun vom Landesarbeitsgericht kassiert. Vor der Kündigung hätte aus formalen Gründen eine Abmahnung erfolgen müssen, so die Argumentation. Das Urteil ist mittlerweile rechtskräftig. Eine Revision sei nicht zugelassen gewesen. Eine Beschwerde beim Bundesarbeitsgericht blieb ohne Erfolg, wie der Verband jetzt erfahren hat.

Die Caritas indes betont, die außerordentliche Kündigung sei "unumgänglich" gewesen. Im Dienst habe sich die Mitarbeiterin zwar nichts zu Schulden kommen lassen, auch nicht gegenüber Kindern mit Migrationshintergrund. Doch die Frau sei in einer rechtsextremen Splittergruppe aktiv gewesen, habe sich bei fremdenfeindlichen Demonstrationen mit Plakat und eindeutigem T-Shirt in der Öffentlichkeit und später in den sozialen Medien gezeigt. Sie habe in sozialen Netzwerken ideologisch eindeutige Bilder und Videos verbreitet. Die Eltern der Kita seien beunruhigt gewesen. Die Frage sei aufgekommen, wen die Caritas da beschäftige.

Kündigung unumgänglich?

Mit einer Abmahnung wäre es nicht getan gewesen, zitiert der Wohlfahrtsverband die hauseigene Juristin. Denn im konkreten Fall sei es nicht um eine Einzelaktion, sondern um die Grundhaltung der Mitarbeiterin gegangen. Gerade in einer katholischen Einrichtung spielten Werte wie Integration eine zentrale Rolle. "Ethnozentrismus, Nationalismus und Islamophobie haben dort nichts zu suchen", so Clemens Bieber.

Das hatte zunächst das Amtsgericht Würzburg in erster Instanz genauso gesehen. In zweiter Instanz erkannte das Landesarbeitsgericht Nürnberg allerdings die außerordentliche Kündigung wegen fehlender vorheriger Abmahnung für nicht rechtens. Die Caritas musste der frei gestellten Kinderpflegerin weitere vier Monate Gehalt zahlen. Dann lief ihr befristeter Arbeitsvertrag sowieso aus.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Main-Spessart und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Weitere Artikel
Themen & Autoren
Angelika Kleinhenz
KNA
Amtsgericht Würzburg
Amtsgerichte
Arbeitsverträge und Arbeitsvertragsrecht
Ausländerfeindlichkeit
Bundesarbeitsgericht
Caritas
Christentum
Facebook
Katholizismus
Kinder und Jugendliche
Nationalismus
Social Media
Soziale Netzwerke
Öffentlichkeit
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (15)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!