Marktheidenfeld

Wenn Gräber nicht mehr gepflegt werden

Erst nach Ablauf der Ruhefrist können Gräber aufgelöst werden, auch wenn sich schon vorher niemand mehr darum kümmert.Foto: Laura-Sophie Lang
Foto: Laura-Sophie Lang | Erst nach Ablauf der Ruhefrist können Gräber aufgelöst werden, auch wenn sich schon vorher niemand mehr darum kümmert.Foto: Laura-Sophie Lang

Beim Gang über den Friedhof fallen einem immer wieder die kunstvoll geschmückten Gräber auf, mit vielen Blumen und Lichtern. Dahinter ragen die Grabmäler hervor. Mit ihrer Inschrift erinnern sie an die Verstorbenen, die an diesem Ort ihre letzte Ruhe gefunden haben. Für Allerheiligen sollen die Gräber möglichst alle schön aussehen. Denn an diesem Tag besuchen so viele Menschen wie an keinem anderen Tag im Jahr die Gräber ihrer Verstorbenen.

Doch zwischen diesen Gräbern findet sich auch das ein oder andere, das so gar nicht mehr dem entspricht, was man als gepflegte Grabstätte bezeichnen würde. Es sind die Gräber, um die sich niemand mehr kümmert, die von Pflanzen und Unkraut überwuchert sind und wo der Grabstein nur noch schwer durch das Grün hindurch zu erkennen ist.

Auch auf den Friedhöfen in Marktheidenfeld gibt es solche Gräber. Um sie kümmern sich weder Angehörige noch mit der Pflege beauftragte Gärtnereien. In solchen Fällen hat die Stadt als Friedhofsträger bereits versucht, Angehörige zu kontaktieren oder ausfindig zu machen. Doch wenn sich niemand meldet, kommt es zur Verwahrlosung. Warum diese Gräber nicht einfach aufgelöst und neu vergeben werden, hängt mit der vorgeschriebene Ruhefrist zusammen, die jede Kommune individuell festlegt.

Für Sarggräber beträgt sie in Marktheidenfeld 25 Jahre. „Erst wenn diese Frist abgelaufen ist, darf das Grab neu vergeben werden“, erklärt Christian Brand, Verwaltungsamtsrat der Stadt Marktheidenfeld. Die Einhaltung der Ruhefrist sei dabei sehr wichtig, es gehe darum, die Würde der Verstorbenen zu achten.

Grabsteine kann man übernehmen

„So lange das Grab bezahlt wird, gilt es bei uns als gepflegt“, sagt Stadtgärtner Alexander Liebler. Liebler und seine Mitarbeiter sind vor allem zuständig für die Friedhofswege und Arbeiten abseits der Gräber. Für die sind im Normalfall die Angehörigen oder beauftragte Gärtnereien verantwortlich. Laut der Friedhofsverordnung kann die Stadt aber verlangen, das Grab wieder herzurichten, beziehungsweise kann dies auch „auf Kosten der Pflichtigen“ anordnen. Generell dauere es jedoch ein paar Jahre bis ein Grab dermaßen verwildere, so Ordnungsamtsleiter Brand. Derzeit würden zwölf Gräber geräumt werden, da dort die Ruhefrist abgelaufen ist, sagt Alexander Liebler.

An manchem Grab stehe jedoch so ein prächtiger Grabstein, dass er dann dort stehen gelassen werde. „Dieses Grab wird dann erst mal nicht mehr besetzt“, sagt eine Friedhofsgärtnerin der Stadt, die ihren Namen nicht nennen möchte. Manchmal komme es aber auch vor, dass jemand einen Grabstein übernehmen will. Das Restaurieren könne jedoch mehr als die Anschaffung eines neuen Grabsteins kosten, gibt Brand zu bedenken.

Auf den Friedhöfen in Marktheidenfeld gebe es derzeit mehrere leere Flächen. Nicht alle werden in absehbarer Zeit neu besetzt. „Ich denke, dass wir in den nächsten zehn bis 15 Jahren von der Erdbestattung wegkommen“, ist die Meinung der Friedhofsgärtnerin dazu. Auch Michael Carl, der Inhaber des Blumengeschäfts und der Gärtnerei Carl findet, dass die Bestattungskultur verloren geht. „Das liegt daran, dass die Bestattungsmöglichkeiten gestiegen sind“, sagt er.

Ein Beispiel für eine alternative Bestattungsmöglichkeit ist der Waldfriedhof Trauberg in Esselbach. „Die Lebensfragen haben sich verändert. Die Jugend bleibt oft nicht mehr auf dem Dorf, sondern zieht weg“, sagt Projektleiter Dietholf Schröder. Somit sei die Grabpflege nicht mehr garantiert. Außerdem möchten die Menschen heutzutage nach dem Tod niemandem mehr eine Last sein.

Eins mit der Natur werden

Im Mai hat der Waldfriedhof in Esselbach eröffnet, bisher sind dort 17 Urnen begraben. Insgesamt stehen in dem Wald 500 Bäume und laut Satzung dürfen an jedem Baum zehn Urnen beigesetzt werden. Damit ist noch reichlich Platz auf dem Waldfriedhof. „Wir führen derzeit viele Vorgespräche und es wird viel diskutiert“, erzählt Schröder.

Das Besondere an einer Bestattung auf dem Waldfriedhof sei, eins mit der Natur zu werden. Die Urne vergehe innerhalb von 15 Jahren im Waldboden. Die Gestaltung der Bäume durch die Angehörigen ist nicht gestattet. „Es soll voll und ganz Natur bleiben“, sagt Schröder. Einzig die einheitlich gestalteten Gedenktäfelchen erinnerten an die Verstorbenen.

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