Hohenroth

Wette im SOS-Dorf gewonnen: Platz wurde Winterlandschaft

Innerhalb von fünf Stunden hielt bei sommerlichen Temperaturen der Winter Einzug in Hohenroth. Die Dorfgemeinschaft hatte sich ins Zeug gelegt und 3000 Euro gewonnen.
Wette gewonnen: Die SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth verwandelte sich in eine Winterlandschaft und zu 'Schifoan' wurde getanzt.
Foto: Björn Kohlhepp | Wette gewonnen: Die SOS-Dorfgemeinschaft Hohenroth verwandelte sich in eine Winterlandschaft und zu "Schifoan" wurde getanzt.

Wie macht man innerhalb von fünf Stunden aus dem Platz vor dem Café im SOS-Dorf Hohenroth bei sommerlichen Temperaturen ein verschneites Skiressort? Vor dieser Aufgabe standen am Mittwoch Bewohner und Betreuer der Dorfgemeinschaft, um eine Wette des Regionalsenders TV Mainfranken zu gewinnen, zu "Dorfhelden" zu werden und 3000 Euro für die Dorfkasse zu erringen.

Eine Schneelandschaft sollte entstehen, ein drei Meter hoher Schneemann aufgestellt werden, Schlitten und Skier genauso wie eine gemütliche Almhütte mitsamt Après-Ski-Band her. Zudem sollte es um 15.15 Uhr schneien, Dorfleiter Mario Kölbl als Yeti verkleidet Eis verteilen und mindestens 250 dick eingepackte Winterfans zugegen sein.

"Wir kriegen es nicht geschenkt", sagte Kölbl, war aber dennoch optimistisch. Er versicherte: "Wir haben vorher überhaupt nichts gewusst." Auf die Anfrage des Senders hin habe er gleich zugesagt. "Die Bewohner machen da gern mit", war er sich sicher. Weil rund 160 Bewohner, etwa 100 Betreuer und dazu noch 38 Schülerinnen der achten Klassen der Florentini-Schule gemeinsam an der Wette arbeiteten, sah er es auch als Beitrag zur Inklusion.

In der improvisierten Après-Ski-Hütte spielte die improvisierte Band 'Spessart-Gämsen' und Bewohner tanzten begeistert.
Foto: Björn Kohlhepp | In der improvisierten Après-Ski-Hütte spielte die improvisierte Band "Spessart-Gämsen" und Bewohner tanzten begeistert.

Und dann ging es los. Planen und Folien wurden vor dem Café als Schneelandschaft ausgelegt. Ein kleiner Junge, der mit seiner Mutter aus dem Dorfladen kam, vermisste mit einem fragenden "Wau-wau?" den auf einmal unter einer Folie verschwundenen hölzernen Hund vor dem Café. Für Schafe wurden "Geweihe" gesucht, um sie zu Rentieren zu machen. Skier und Schlitten wurden herbeigeschleppt. Ein Verkaufsstand wurde herbeigefahren und zu einer Hütte vergrößert. Metallgestänge wurde als Korpus für den letztlich sogar fünf Meter hohen Schneemann zusammengeschweißt und Papier zerschnitten und gestanzt, um als Schnee zu dienen.

"Wir haben vorher überhaupt nichts gewusst."
SOS-Dorfleiter Mario Kölbl

Vor dem Platz wurde eine winterliche Berglandschaft auf Wände gemalt und sogar eine Seilbahn gebaut, aus Mullbinden wurden Schneebälle gewickelt. Kleine Fichten wurden geholt. Für Dorfleiter Kölbl stellte ein Kollege sein Eisbärenkostüm bereit, das statt des Eisbärenkopfs einen Yeti-Kopf erhielt. In der Bäckerei entstanden Plätzchen und der Kulturbeauftragte Dirk Weidner stellte währenddessen eine Band zusammen, die auf die Schnelle "Schifoan" und "Skandal im Sperrbezirk" einstudierte.

Dorfleiter Mario Kölbl als Yeti mit Wettchefin Dany Füg.
Foto: Björn Kohlhepp | Dorfleiter Mario Kölbl als Yeti mit Wettchefin Dany Füg.

Für eine Sendung wurde das Ganze mit Kameras begleitet. TV-Mainfranken-Geschäftsführer Daniel Pesch, vor sieben Jahren als Charivari-Muntermacher auf dem Gemündener Marktplatz, zeigte sich beeindruckt von der Tatkraft der Bewohner und ihrer Helfer: "Dass die das gewinnen, ist sonnenklar", sagte er schon bald nach Beginn der Wette.

Derweil machte er seine Erfahrungen mit den Hohenrothern, die keinerlei Berührungsängste haben. Als er eine Flasche leer getrunken hatte, habe ihm ein Bewohner dafür seine halb volle gegeben und mit Gesten zu verstehen gegeben, dass er sie ruhig behalten dürfe. Und ein anderer Bewohner, der neugierig ins Wohnmobil schaute und sichtlich irgendetwas wollte, war lediglich heiß auf ein paar Blatt Papier, wie sich herausstellte, weil Papier für ihn offenbar eine große Bedeutung hat. Kurz vor Wettende sagte Pesch: "Ihr Lieben, ihr seid so herzlich zu uns gewesen."

Schneebälle aus Mullbinden luden zur Schneeballschlacht ein. Rechts TV-Mainfranken-Geschäftsführer Daniel Pesch.
Foto: Björn Kohlhepp | Schneebälle aus Mullbinden luden zur Schneeballschlacht ein. Rechts TV-Mainfranken-Geschäftsführer Daniel Pesch.

Als die Zeit abgelaufen war, waren sämtliche Beteiligten vom Ergebnis beeindruckt. "Wahnsinn!" war des Öfteren zu hören. Mehrere Feuertonnen brannten, an einem Stand wurden in der prallen Sonne Glühwein und Punsch ausgeschenkt und ein Getreidegebläse fungierte als Schneekanone und ließ Papierschnipsel regnen. Die herumliegenden Schneebälle luden zum Werfen ein. Insgesamt 258 winterlich Eingepackte zählte das Senderteam. Die meisten entledigten sich ihrer warmen Kleidung bald wieder, einige Hartgesottene behielten sie aber noch eine Weile an, obwohl sie in der Sonne standen.

Ob Heißgetränke bei sommerlichen Temperaturen wirklich Abkühlung verschaffen?
Foto: Björn Kohlhepp | Ob Heißgetränke bei sommerlichen Temperaturen wirklich Abkühlung verschaffen?

Dorfleiter Mario Kölbl resümierte als Yeti verkleidet: "Es war sehr, sehr anstrengend und es war heiß ohne Ende." Dann ließ er es sich nicht nehmen und tanzte mit Bewohnern und und nicht Behinderten in der Skihütte zu "Skandal im Sperrbezirk". Dass die Dorfgemeinschaft die Wette gewann, versteht sich von selbst – "mit Bravour gemeistert", verkündete Wettchefin Dany Füg.

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