Frammersbach

Wie Beerdigungen in Zeiten von Corona gestaltet werden

Seit Corona mit seinen Einschränkungen sind auch Bestattungen eingeschränkt. Drei Bestatter im Landkreis erzählen, wie sie damit umgehen. Was hat sich verändert?
Wohin führt der Weg? Seit Corona mit seinen Einschränkungen sind auch Bestattungen in der bisherigen Art nicht mehr möglich.
Wohin führt der Weg? Seit Corona mit seinen Einschränkungen sind auch Bestattungen in der bisherigen Art nicht mehr möglich. Foto: René Ruprecht

Andreas Werner kommt in den Raum, bleibt mit zwei Metern Abstand stehen. "Möchten Sie, dass ich eine Maske aufsetze?" Diese Frage stellt der Bestatter seit Wochen zur Begrüßung, seit den Einschränkungen durch Corona. Kein Händeschütteln mehr, kein leichtes Drücken der Hände als Zeichen der Anteilnahme. Beratungsgespräche finden ohnehin, wenn möglich, am Telefon statt, sagt er.

Werner, durchtrainiert und mit Männerdutt, arbeitet beim Bestattungsinstitut Peter Platz in Frammersbach. Er ist Bestattermeister und Thanatopraktiker, zu deutsch: Einbalsamierer. Für ihn hat sich nichts Wesentliches verändert seit den Einschränkungen durch Corona. "Wir haben unsere Vorgaben bezüglich Hygiene und die Vorgaben von den Gemeinden", erklärt der 40-Jährige. Dazu gehöre die Einschränkung bei den Beerdigungen: Maximal 15 Personen dürfen teilnehmen.

Andreas Werner arbeitet beim Bestattungsinstitut Peter Platz in Frammersbach.
Andreas Werner arbeitet beim Bestattungsinstitut Peter Platz in Frammersbach. Foto: Jennifer Weidle

Teilnehmer sind in Namenslisten einzutragen

Werner händigt den Angehörigen eine Liste aus, in welche die Gäste eingetragen werden müssen. "Kontrollieren tue ich die Namen auf dem Friedhof nicht." Auch hätten einige Gemeinden sich gewünscht, dass bei der Beerdigung Masken und Desinfektionsmittel zur Verfügung stünden. Darum sollen sich die Bestatter kümmern. "Das mache ich gerne, wenn ich diese Dinge von der Gemeinde bekomme", sagt Werner. Bisher sei dies nicht so gewesen.

Die Leute hielten sich aber an die Einschränkungen. "Die Menschen befinden sich sowieso in einer Ausnahmesituation. In der nehmen sie das als gegeben hin, was wir ihnen sagen."

Matthias Liebler ist Bestatter in Marktheidenfeld. Er erwähnt, dass die Überwachung der Anordnungen eigentlich Aufgabe des Ordnungsamtes oder der Polizei sei. "Doch es wird einfach vorausgesetzt, dass der Bestatter das schon überwachen wird."

Andreas Werner sieht in den aktuellen Einschränkungen durchaus auch Vorteile. "Normalerweise sind die engsten Angehörigen bei Beerdigungen immer im Stress." Es habe sich eingebürgert, dass die Zeremonie in der Kirche beginnt und die Menschen dann am Grab Abschied nehmen. "Die Angehörigen sind dabei die letzten, die aus der Kirche kommen. Dann hetzen sie zum Friedhof wo schon alle Parkplätze belegt sind und alles nur auf sie wartet." Manchmal fange der Pfarrer  auf dem Friedhof sogar schon an, bevor alle anwesend seien. Manche Familie empfände die Einschränkung, dass es keine Kirche mehr gibt und weniger Menschen anwesend sind, daher oft sogar positiv. "Intimer, persönlicher, angenehmer."

Manchen Menschen werde ein Abschied im kleinen Kreis aber nicht gerecht. Bekannte Persönlichkeiten oder solche mit großem Freundeskreis. "In dem Fall entscheiden sich manche Angehörigen mit der Beisetzung zu warten, bis es wieder normal wird", sagt Werner. Bei Urnenbeisetzungen ginge das, da gäbe es keinen Zeitdruck.

Online-Gedenkportal eingerichtet

Welche Ideen haben die Bestatter um in der aktuellen Situation mehr als 15 Menschen die Anteilnahme zu ermöglichen?

Matthias Liebler ist Landesinnungsmeister des Bestattungsgewerbes in Bayern.
Matthias Liebler ist Landesinnungsmeister des Bestattungsgewerbes in Bayern. Foto: Privat/Landesinnung

Liebler: "Wir haben vor knapp zwei Wochen ein Online-Gedenkportal eingerichtet. Dieses wird sehr gut angenommen und wird natürlich auch nach Corona noch beibehalten." Andreas Werner: "Man könnte die Beerdigung streamen. Das wäre technisch mit den heutigen Smartphones problemlos machbar." Es scheitere aber wohl an den Empfängern daheim. "Viele alte Menschen haben keinen Internetzugang." Die Enkel fragen wollten sie vermutlich auch nicht.

Gefreut habe ihn neulich eine Idee des Blumenladens Kissner in Frammersbach. Das Streuen von Blütenblättern am Grab aus einer Schale darf nicht mehr stattfinden. "Die Angehörigen bekommen stattdessen bei Kissner 15 kleine Tütchen mit Blütenblättern. So hat jeder sein eigenes."

Und was passiert bei der Beisetzung eines Menschen, der mit Corona infiziert war? "Wir hatten hier noch keinen Corona-Fall bei uns, aber grundsätzlich sind wir natürlich vorbereitet", sagt Werner. Es könne immer vorkommen, dass ein Verstorbener eine meldepflichtige Krankheit gehabt habe. Hepatitis, HIV, sogar eine Influenza falle darunter. Dies sei dann auf dem Totenschein vermerkt.

Spezielle Schutzausrüstung in besonderen Fällen

"Wir haben da unser Vorgehen und holen den Toten dann in spezieller Schutzausrüstung ab. Daher haben wir alle Mitteln wie Masken, Schutzanzügen, Desinfektionsmitteln sowieso immer auf Lager bei uns." Das sei aber bei einem Zwei-Mann-Betrieb auch alles im Rahmen.

Größere Institute haben da ihre Probleme. Bestatter in Bayern sind zwar systemrelevant, doch wenn man nichts vorrätig habe, sei es ziemlich schwierig an die notwendige Schutzausrüstung zu kommen, meint Matthias Liebler. Bestatter müssten auf dem freien Markt einkaufen hier seien die Ressourcen sehr knapp, die Preise enorm angestiegen.

Bestatter Markus Nicklaus aus Karlstadt meint: "Wir sind einfach nur froh, wenn alles wieder normal ist."

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