RUPPERTSHÜTTEN

„Wir sind nicht gegen Windkraft!“

Nicht alle Windräder sind so harmlos und unumstritten wie das abgebildete.
Foto: Thinkstock | Nicht alle Windräder sind so harmlos und unumstritten wie das abgebildete.

Mehr als 200 Besucher erschienen am Montagabend im Ruppertshüttener Pfarrheim. Die Bürgerinitiative „Windkraft im Spessart – In Einklang mit Mensch und Natur e.V.“ lud zu einer Informationsveranstaltung ein.

Anlass hierfür sind die geplanten Windparks der Gemeinde Flörsbachtal an der hessisch-bayerischen Grenze. Dass dieses Thema viele Bürger aus den umliegenden Gemeinden, wie etwa Rengersbrunn und Ruppertshütten bewegt, zeigte die hohe Besucherzahl am Montagabend. Dier Initiatoren der Informationsveranstaltung, Ingbert Roth, Michaela Münch und Marcel Jänisch, begrüßten drei Referenten: Berthold Andres, Rolf Zimmermann und Dr. Eckhard Kuck. In Ihrem eineinhalbstündigen Vortrag durchleuchteten die Fachleute aus Hessen verschiedene Aspekte des Themas und stellten vorweg fest: „Wir sind nicht gegen Windkraft!“

Mitsprache der Bürger

Andres erklärte: „Wir sind jedoch für Mitspracherecht der Bürger, wenn es um den Standort von Windkraftanlagen geht.“ Zurzeit schössen Windräder wie Pilze aus dem Boden und jede Gemeinde plane eigene Windparks. Viele Windparks würden sich so an einer Stelle konzentrieren. Diese These verdeutlichte Andres an Biebergemünd, unweit der bayerischen Grenze, wo in einem Radius von 7,5 Kilometern etwa 50 Windkraftanlagen betrieben werden. „Hier kritisieren wir das fehlende Gesamtkonzept der Politik.“

Rolf Zimmermann, Mitglied der Bürgerinitiative, ging auf die Umwelteinflüsse von Windkraftanlagen ein. So erläuterte er, dass geschützte Vogelarten, wie der Rotmilan, aber auch Fledermäuse von den Windkraftanlagen (WKA) „erschlagen“ würden. Dazu komme die Lärmbelästigung als Belastung für Natur sowie die Zufahrtswege, die Einschnitte in die Natur bedeuten. „Darüber hinaus wird eine Fläche von etwa 6000 Quadratmeter pro Windkraftanlage abgeholzt werden müssen“, so Zimmermann. Dies „verschandele das Landschaftsbild“. „Lassen Sie die Politik nicht alleine entscheiden“, forderte er die Zuhörer auf.

Eckhard Kuck beleuchtete die medizinischen Gefahren, die von Windkraftanlagen ausgehen, wie beispielsweise Infraschall und Schattenschlag. Darüber hinaus würden die durch Windkraftanlagen entstehenden Druckluftschwankungen Kreislaufbeschwerden, Konzentrationsmangel und psychische Erkrankungen (Föhnkrankheit) auslösen oder verstärken.

Frank Soer, Bürgermeister von Flörsbachtal, antwortet auf Vorwürfe aus dem Publikum, seine Gemeinde wolle Windkraftanlagen bewusst nahe an die hessisch-bayerische Grenze bauen, um das Landschaftsbild der eigenen Gemeinde zu schonen.

„Tatsache ist jedoch, dass die auf dem Grundbesitz der Gemeinde Flörsbachtal geplanten Anlagen näher an Lorhaupten liegen als an Ruppertshütten, der Bayerischen Schanz oder Rengersbrunn“, sagte Soer. Lohrhaupten liege nur 1000 Meter von den Anlagen entfernt, Ruppertshütten hingegen 3600 Meter, die Bayerische Schanz 1300 Meter. Mit dem Bau der Windkraftanlagen solle im September nächsten Jahres begonnen werden. Der Wegebau und die Rodung der Waldflächen werde voraussichtlich im Herbst beginnen. Außerdem informierte Soer, dass das Flächennutzungsplanverfahren am 22. April beginne und dadurch alle umliegenden Kommunen die Pläne zum Windpark zugeschickt bekämen. Auch für interessierte Bürger werde man im Rathaus der Gemeinde Flörsbachtal die Pläne zur Einsicht auslegen. „Wir wollen also sehr wohl, die Bürger mit einbeziehen“, bekräftige Soer.

Eine Sorge konnte Soer den versammelten jedoch nicht nehmen. Wenn nämlich der hessische Staatsforst ebenfalls den Bau einer Windparkanlage plane, befänden sich diese Windräder deutlich näher an den umliegenden Gemeinden. Auf Nachfragen dieser Zeitung bestätigte Soer, dass die hessischen Staatsforsten grundsätzlich Interesse an der Errichtung eines Windparks hätten, es derzeit jedoch keine konkreten Pläne gebe.

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