Marktheidenfeld

Wo Alzheimers Onkel unterrichtete

Alois Alzheimer im Blick: Lothar Blatt stellte im Haus Lehmgruben das Leben des prominenten Psychiaters vor.
Foto: Martin Harth | Alois Alzheimer im Blick: Lothar Blatt stellte im Haus Lehmgruben das Leben des prominenten Psychiaters vor.

Am Samstag, 19. Dezember, jährte sich der Todestag des Psychiaters und Neuropathologen Alois Alzheimer zum 100. Mal. Es ist einigermaßen bekannt, dass der Entdecker der nach ihm benannten Demenzerkrankung aus Unterfranken stammt, genauer in Marktbreit geboren wurde. Warum er sich aber vermutlich eher als Aschaffenburger fühlte, erörterte der frühere Seniorenberater Lothar Blatt am Mittwoch bei einem Vortrag im Diakonischen Seniorenzentrum Haus Lehmgruben.

Der Aschaffenburger Stadtrat verwies auch auf einen kleinen Bezugspunkt zur Stadt Marktheidenfeld. Ferdinand Alzheimer (1822-1867), ein Onkel des Mediziners, unterrichtete von 1843 bis 1848 als dritter Lehrer in der Stadt. Er heiratete Regina Faust (1822-1902), die einer Marktheidenfelder Schiffer- und Fischerfamilie entstammte.

Die Familie Alzheimer war gebildet und brachte eine Reihe von Juristen, Lehrern und Priestern hervor, von denen nicht wenige im Raum Aschaffenburg tätig waren. Alois Alzheimer kam in Marktbreit als Sohn das Notars Eduard Alzheimer und seiner ursprünglich aus Gemünden stammenden Mutter Therese zur Welt. Sein Geburtshaus beherbergt heute eine kleine Erinnerungsstätte.

Mit der Familie seines Vaters kam Alois Alzheimer als Kind nach Aschaffenburg, wo er 1878 in der Stiftskirche gefirmt wurde und von 1874 bis 1883 das Königlich-Humanistische Kronberg-Gymnasium besuchte. Sein Medizinstudium führte ihn später nach Berlin, Tübingen und Würzburg, wo er bei dem berühmten Anatomen Albert von Kölliker promovierte.

Sein beruflicher Weg als Psychiater brachte ihn zunächst an die psychiatrische Klinik des Vaters des „Stuwwelpeters“ Heinrich Hoffmann nach Frankfurt. Er heiratete 1895 die Witwe eines Patienten. Cecilie Geisenheimer musste dazu vom jüdischen zum evangelischen Glauben konvertieren. Das familiäre Glück mit drei Kindern währte nicht lange, da Cecilie Alzheimer schon 1901 starb.

Im selben Jahr beschrieb Alois Alzheimer erstmals anhand seiner Patientin Auguste Deter die später nach ihm benannte Alzheimersche Krankheit. Der Psychiater wechselte an die Universitätsklinik nach Heidelberg und bald darauf nach München, wo er sich habilitierte. 1906 stellte er der Fachwelt seine Erkenntnisse über die Demenz vor. Später war Alois Alzheimer an der schlesischen Universität in Breslau tätig, wo er 1915 nach einem rapiden Verfall seiner eigenen Gesundheit mit nur 51 Jahren starb.

Er wurde auf dem Hauptfriedhof in Frankfurt am Main neben seiner Frau begraben.

Vor dem Vortrag über den Forscher Alois Alzheimer hatte Friederike Döring, Leiterin der Demenz-Beratungsstelle „RuDiMachts!“ im Haus Lehmgruben, bereits vor rund 30 Zuhörern die Alzheimersche Krankheit als Variante und wichtigste Demenzerkrankung des Menschen im Alter vorgestellt. Rund 1,5 Millionen Demenzkranke werden gegenwärtig in Deutschland angenommen. Da Frauen durchschnittlich älter werden als Männer, sind sie deutlich höher betroffen. Wegen des wachsenden Lebensalters rechnet man bis ins Jahr 2050 mit einer Verdoppelung der Demenzerkrankungen.

Döring beschrieb die auftretenden Symptome, wie die Abnahme der Gedächtnisleistung, intellektueller Fähigkeiten oder Veränderungen der Persönlichkeit. Für die Forschung sei noch vieles in Hinsicht auf die Entstehung von Demenzerkrankungen letztlich rätselhaft. Diese entstünden direkt im Gehirn oder als Folge anderer Erkrankungen. Bis man Demenzen konkret feststelle, gingen bereits etwa zwei Jahrzehnte der Erkrankung voraus. Der Verlauf sei eher schleichend, kontinuierlich und fortschreitend.

Risikofaktoren

Zu den Risikofaktoren zähle fortgeschrittenes Alter, Ernährung, Erkrankungen wie Diabetes, genetische Faktoren oder geringe körperliche und geistige Tätigkeit. Medikamente könnten therapeutisch nur kurze Aufschübe bewirken, Demenzerkrankungen seien bislang letztlich unheilbar. Notwendig seien eine psychiatrische Begleitung und eine Behandlung eventueller Grunderkrankungen. Ebenso wichtig sei eine psychosoziale und kognitive Begleitung, feste Strukturen für den Erkrankten sowie die Beratung, Unterstützung und Entlastung von Angehörigen, wie sie die Beratungsstelle „RuDiMachts! leisten könne.

Kontakt RuDiMachts!: Diplom- Sozialpädagogin Friederike Döring, Tel. (0 93 91) 9 86 41 13

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