Gemünden

Wut und Verzweiflung bei Hoteliers in Main-Spessart

Der Teil-Lockdown trifft das Gastgewerbe besonders hart. Jetzt gilt es, den November zu überstehen – und was kommt dann? Die Unternehmer sorgen sich auch um ihre Mitarbeiter.
Hoteliers und Gastronomen hängen in der Luft: Im wie es nach dem Teil-Lockdown im Dezember weiter geht, kann aktuell niemand voraussagen. (Symbolbild)
Foto: Stefan Sauer/dpa | Hoteliers und Gastronomen hängen in der Luft: Im wie es nach dem Teil-Lockdown im Dezember weiter geht, kann aktuell niemand voraussagen. (Symbolbild)

Vier Tage konnte Josef Deppisch den zusätzlichen Gastraum nutzen, den er extra hat ausbauen lassen, um im Corona-Winter mehr Plätze anbieten zu können. Letzte Woche erst wurden die Bauarbeiten in Deppischs Hotel und Restaurant "Anker" in Marktheidenfeld abschlossen, und prompt folgte der nächste Lockdown. "Die Situation ist frustrierend", sagt Deppisch.

"Sprachlos" ist auch Eberhard Imhof. Er empfinde Wut und Verzweiflung. Imhof, dem die Hotels "Mainpromenade" in Karlstadt und "Imhof" in Langenprozelten gehören, spricht als Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands auch für seine Kollegen im Landkreis. Als das Beherbergungsverbot angekündigt wurde, wurden in Imhofs Hotels innerhalb von zwei Tagen sämtliche Zimmerbuchungen storniert. "Ich wollte schon gar nicht mehr ans Telefon gehen, ich wusste ja, was kommen würde", sagt Imhof.

Weihnachtsfeiern und Hauptversammlungen fehlen

 Wie Josef Deppisch in Marktheidenfeld hätten einige Unternehmer investiert, um mehr Platz zu schaffen oder die Bewirtung draußen möglich zu machen. "Heizpilze wurden uns groß angekündigt – aber die brauchen wir jetzt auch nicht mehr", sagt Imhof. Auch sei der Lockdown zu kurzfristig verkündet worden: "Das frische Wild für die Herbstküche ist jetzt überall in den Tiefkühltruhen gelandet."

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Viel Hoffnung für den Dezember hat Imhof nicht: Auch wenn sich das Infektionsgeschehen bis dahin beruhigt hat und der Lockdown aufgehoben wird - die großen Weihnachtsfeiern und Jahreshauptversammlungen der Unternehmen und Vereine werden nicht stattfinden. "Ich glaube nicht, dass sich die Branche im Dezember erholen kann."

Dabei ist das Weihnachtsgeschäft wichtig für die Wirte und Hoteliers, die in den Monaten Januar bis März saisonbedingt wenig Umsatz haben. "Für diese schlechten Zeiten müssen wir eigentlich im November und Dezember schon Geld zur Seite legen", erklärt Imhof. 

Kurzarbeitergeld wird Gastro-Mitarbeitern nicht gerecht

Im November dürfen die Hotels jedoch nur Geschäftsreisende bei sich aufnehmen. Im Hotel und Gasthof "Spessarttor" in Lohr belegen die zur Zeit immerhin noch ein Drittel der Zimmer, sagt Geschäftsführer Stefan Nätscher auf Anfrage der Redaktion. Bei Eberhard Imhof sind zur Zeit dagegen nur einige wenige Betten von Handwerkern belegt, und auch bei Josef Deppisch vom "Anker" in Marktheidenfeld rechnet sich das Geschäft mit den Geschäftsleuten kaum.

Große Sorgen macht sich Deppisch um seine Angestellten. Trinkgeld und Sonn- und Feiertagszuschläge machten in der Gastronomie traditionell einen großen Teil des Lohns aus – der werde bei der Berechnung des Kurzarbeitergeldes aber natürlich nicht bedacht.

Kritik übt Eberhard Imhof auch an den staatlichen Hilfen. Von denen komme nach Abzug von Steuern und den wenigen Einnahmen, die er zum Beispiel durch den Außer-Haus-Verkauf hat, nur wenig auf dem Betriebskonto an. "Lieber wäre es mir, der Staat würde uns zum Beispiel die kompletten Gehälter für die Mitarbeiter abnehmen. Das würde mir wieder Luft verschaffen." Immerhin: Er wisse bisher nur von sehr wenigen Kollegen in Main-Spessart, die Mitarbeiter entlassen haben.

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So düster die Aussichten für den Corona-Herbst sind, so zufrieden blickt Imhof auf den Corona-Sommer zurück. Eigentlich waren viele Einzelzimmer für Tagungsteilnehmer reserviert. Als die Tagungen abgesagt wurden, kamen jedoch Paare, Familien und Radler auf dem Mainradweg, die die Zimmer als Doppelzimmer nutzten. Durch die Doppelbelegung waren die Einkünfte für Imhof also sogar besser, als zunächst erwartet. "Damit haben wir einen Teil der Verluste des ersten Lockdowns wieder wettmachen können."

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