Kleinheubach

ZDF-Frauen heimlich in Hotelzimmer in Kleinheubach gefilmt

Die Anklage der Aschaffenburger Staatsanwaltschaft: Ein Manager soll bei einer Tagung in Unterfranken mit versteckten Kameras jungen Mitarbeiterinnen nachspioniert haben.
Eine geheime Überwachungskamera fand eine junge Mitarbeiterin des ZDF bei einer Tagung in Unterfranken in ihrem Hotelzimmer (Symbolbild).
Foto: Jens Büttner, dpa | Eine geheime Überwachungskamera fand eine junge Mitarbeiterin des ZDF bei einer Tagung in Unterfranken in ihrem Hotelzimmer (Symbolbild).

Ein hochrangiger Mitarbeiter des ZDF soll bei einer Tagung in Unterfranken jungen Mitarbeiterinnen mit Mini-Kameras hinterher spioniert haben. Dafür bekam der inzwischen entlassene Geschäftsführer einer Produktionsfirma des Senders eine Anklage der Staatsanwaltschaft Aschaffenburg. Wegen "Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen". Das bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft gegenüber der Redaktion. 

Unerwünschte Publicity

Der Vorfall in einem Tagungszentrum in Kleinheubach (Lkr. Miltenberg) liegt bereits drei Jahre zurück, wurde aber erst jetzt bekannt. Das Bekanntwerden durch erste Veröffentlichungen in "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" bescherte dem ZDF unerwünschte Publicity. Denn die jungen Frauen machten dem Sender massive Vorwürfe, ihnen nicht geholfen zu haben.

Die Produktionsfirma ZDF Digital, einer hundertprozentigen Tochter des Zweiten, war dafür zuständig, "anspruchsvolle TV- und Multimedia-Produkte für nationale und internationale Kunden" zu produzieren. Manager war Carim A., von dem sich der Sender im Sommer trennte – ohne Nennung von Gründen.

Mehrere Kameras gefunden

Drei Mitarbeiterinnen zwischen 26 und 28 Jahren, machten öffentlich: Bei der Tagung habe man gemeinsam bis spät in die Nacht getrunken. Eine Frau entdeckte bei der Rückkehr in ihr Hotelzimmer eine getarnte Kamera. Später wurden in anderen Zimmern weitere Kameras gefunden. A. habe versucht, die Geräte verschwinden zu lassen, heißt es laut "Spiegel". Er bestritt das.

In einer Anklage wurde A. "zur Last gelegt, im Hotelzimmer zweier Damen ohne deren Wissen jeweils eine Spy-Cam installiert zu haben, welche Bilder aufzeichnete". Auf zwei Kameras wurden tatsächlich Bewegtbilder der Frauen gefunden. Auf den Aufnahmen, so informierte die Kriminalpolizei im Herbst 2018, war auch A. zu sehen. Indes soll eine dritte Kamera bei einer weiteren Mitarbeiterin im Bad angebracht worden sein. Diese sei aber nicht gefunden worden.

Klage vor dem Arbeitsgericht

Die Frauen haben nach eigenen Angaben vor dem Arbeitsgericht Klage eingereicht. Das ZDF sagte dazu: Es habe Anlaufstellen und Vertrauenspersonen gegeben, an die sich die Mitarbeiterinnen hätten wenden können. Man habe erst Ende Juni 2020 "nach einem unspezifischen Hinweisschreiben" eines Rechtsvertreters einer der Frauen von den Vorwürfen erfahren. 

A. sei mit den Vorwürfen konfrontiert und mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden. Er habe den Aufsichtsrat der ZDF Digital nicht über die Vorwürfe und die strafrechtlichen Ermittlungen informiert. Deshalb und weil er die Vorwürfe nicht hinreichend entkräften konnte, sei ihm fristlos gekündigt worden. 

Strafverfahren gegen Geldauflage erledigt

Inzwischen bemühte sich das zuständige Amtsgericht um Schadensbegrenzung. Man gehe von einem Fall am unteren Rand der Strafbarkeit aus. Deshalb sei das Verfahren jetzt "mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft, des Angeklagten und des Verteidigers sowie nach Anhörung der Nebenbeteiligten" eingestellt worden – gegen eine Geldauflage an zwei gemeinnützige Einrichtungen. Dies "lässt die strafrechtliche Unschuldsvermutung unberührt", betont Amtsgerichts-Direktorin Sabine Lange auf Anfrage.

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