Lohr

Ziel: Trotz Wechsel Konstanz im Wald

Michael Neuner (von links) ist der designierte neue Leiter des Lohrer Stadtwaldes. Er löst Bernhard Rückert ab, der Ende Februar in Ruhestand geht. Bürgermeister Mario Paul betont, dass der Kurs der naturnahen Waldbewirtschaftung auch unter neuer Leitung fortgesetzt werden soll.
Foto: Johannes Ungemach | Michael Neuner (von links) ist der designierte neue Leiter des Lohrer Stadtwaldes. Er löst Bernhard Rückert ab, der Ende Februar in Ruhestand geht.

Nach fast drei Jahrzehnten bahnt sich an der Spitze des Lohrer Stadtwaldes ein personeller Wechsel an. Bernhard Rückert (65), der langjährige Leiter der Forstverwaltung, geht Ende Februar in Ruhestand. Vier Wochen vorher, am 1. Februar, tritt sein Nachfolger Michael Neuner (37) seinen Dienst an. Der Wechsel soll keine Änderung am von Rückert etablierten Kurs der naturnahen Waldbewirtschaftung mit sich bringen. "Ich stehe für Konstanz", sagte Neuner bei einem Pressetermin, mit dem das Rathaus den bevorstehenden Wechsel ankündigte.

Bürgermeister Mario Paul betonte dabei, dass der 1988 zur Stadt gekommene Rückert den Stadtwald "ausschließlich zum Guten geprägt" habe. In der Tat gilt der mit rund 4100 Hektar zweitgrößte Stadtwald Bayerns heute bundesweit als Vorzeigeobjekt für naturnahe Forstwirtschaft. Man werde sich noch Gedanken machen, wie man Rückert in Zeiten der Corona-Pandemie gebührend verabschieden könne, so Paul.

Rückert: Am Anfang holprig

Rückert selbst bekannte, dass es vor gut 30 Jahren nicht sein Plan gewesen sei, seine Berufslaufbahn bei der Stadt zu beschließen. Nun jedoch sei er sehr zufrieden mit der Entwicklung, "und auch mit mir", so der Forstmann. Am Anfang sei es bei dem von ihm angestrebten Kurswechsel hin zu mehr Naturnähe im Forst "ein holpriger Weg" gewesen, sagte Rückert. Es habe fünf bis zehn Jahre Überzeugungsarbeit gebraucht, was auch daran gelegen habe, dass der Stadtwald mit der von naturnahen Bewirtschaftung "der Zeit voraus" gewesen sei. Heute zeigten sich im Wald nicht nur Ergebnisse, "mit denen die Stadt zufrieden sein kann", so Rückert. Der Lohrer Stadtwald finde überdies in Fachkreisen breite Anerkennung.

"Mir tut es leid, dass ich so alt bin", sagte Rückert angesichts seines nahenden Ausscheidens aus dem Forstdienst. Andererseits sei er auch froh, weil man nach einer gewissen Zeit in einer Funktion "einfach müde wird".

Bürgermeister Paul betonte, dass es der Stadt sehr wichtig gewesen sei, den von Rückert eingeschlagene Kurs fortzuführen. Man sei sicher, dass man mit Neuner dafür den passenden Mann gefunden habe. Die Stadträte hatten den 37-Jährigen per einstimmigem Beschluss aus einer Reihe von 14 Bewerbern ausgewählt, darunter zwei Frauen. Neuner sei fachlich sehr versiert und noch dazu ortskundig, begründete Paul die Auswahl.

Neuner: In Spessart verliebt

Der künftige Mann an der Spitze des Stadtwaldes stammt aus der Oberpfalz. Er habe sich, so erklärte Neuner, als Forststudent 2008 während einer Exkursion in den Spessart und dessen große Laubwälder "verliebt". Eine Station sei damals auch der Stadtwald gewesen, dessen "vorbildliche und zukunftsweisende Bewirtschaftung" ihn fasziniert habe, so Neuner. Wenn er nun die Leitung eben dieses Stadtwaldes übernehme, gehe für ihn "ein Berufstraum in Erfüllung".

Umweltbildung als Schwerpunkt

Er wolle die in Lohr praktizierte Waldbewirtschaftung konsequent fortsetzen, kündige Neuner an, wobei der Klimawandel eine große Herausforderung sein werde. Einen Schwerpunkt sehe er darin, das Verständnis der Bevölkerung für das Tun im Stadtwald zu stärken. "Ich will den Stadtwald in der Mitte der Gesellschaft platzieren", sagte Neuner. Dazu wolle er die forstliche Umweltbildung stärken. Ziel müsse es sein, "dass die Leute verstehen, was der Stadtwald für Lohr bedeutet". Dieser sei viel mehr als nur Holzlieferant, sagte der Forstmann mit Blick beispielsweise auf Trinkwasserschutz, sanften Tourismus und Naherholung.

Darin, diese sozialen Interessen mit der Ökologie und der Ökonomie in Einklang zu bringen, sehe er seine Hauptaufgabe, sagte Neuner. Die Wirtschaftlichkeit dürfe dabei aber "nicht hinten runter fallen". Obwohl die Lage angesichts von Klimawandel, Käferkalamitäten und niedrigen Holzpreisen schwierig sei, müsse der Forst kostendeckend bewirtschaftet werden, so Neuner.

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