Thüngen

Zwei Fässer gebrannt: Der erste Whisky aus dem Thüngener Sudhaus

Bei einem Schottlandbesuch entdeckte Hanskarl von Thüngen seine Liebe für die Spirituose. Nun brennt er das Getränk im Thüngener Sudhaus.
Der Whiskyfachmann Helmut Knöpfle (links) und Hanskarl von Thüngen stellen den ersten Whisky aus der eigenen Destille vor. Die Anlage steht im Sudhaus von Thüngen zwischen den beiden großen Sudkesseln.
Foto: Günter Roth | Der Whiskyfachmann Helmut Knöpfle (links) und Hanskarl von Thüngen stellen den ersten Whisky aus der eigenen Destille vor. Die Anlage steht im Sudhaus von Thüngen zwischen den beiden großen Sudkesseln.

"Das Brauen hat bei uns in Thüngen eine lange Tradition", betonte Hanskarl Freiherr von Thüngen bei der Vorstellung seines neuen Whiskyjahrgangs "Single Malt" im Sudhaus der Marktgemeinde. Mit den eigenen Zutaten habe man gute Voraussetzungen für eine Brennerei. 

Als Hanskarl von Thüngen bei einem Schottlandbesuch im Jahr 2012 seine Liebe zum dortigen Nationalgetränk Whisky entdeckt hatte, reifte in ihm der Wunsch heran, dieses "uisge beatha" (gälisch, "Wasser des Lebens") selbst herzustellen. Schließlich hatte er in seiner Domäne alle dazu notwendigen Erfahrungen und Rohstoffe aus eigener Erzeugung zur Verfügung: das Malz aus der heimischen Gerstenernte, das Wasser vom eigenen Brunnen und Fachwissen um das Brauen.

Neue Destillerie im Thüngener Sudhaus 

Was ihm aber fehlte, war ein Fachmann für die Destillerie. Den fand er in Kellermeister Norbert Gerhard aus dem benachbarten Stetten, der nicht nur Experte im Ausbau von Weinen ist, sondern auch über reiche Erfahrungen im Umgang mit Bränden und der fachgerechten Lagerung in Holzfässern verfügt. Tage und Nächte lang experimentierten die beiden – bis sie mit dem Ergebnis zufrieden waren. Gebrannt wurde damals in Großheubach in der Rhön. Seit diesem Jahr aber steht im Thüngener Sudhaus eine eigene nagelneue Destillerie zwischen den beiden großen Kupfertöpfen.

Die neue Destille im Thüngener Sudhaus ist nicht nur funktional, sondern auch ein  Hingucker.
Foto: Günter Roth | Die neue Destille im Thüngener Sudhaus ist nicht nur funktional, sondern auch ein  Hingucker.

Helmut Knöpfle, ein international anerkannter Fachmann für Whisky und andere Spirituosen, begleitete die Präsentation im Sudhaus. "Whisky ist nicht zum Saufen gedacht, sondern zum Genießen", betonte er. Über den Geschmack von Whisky könne man nicht diskutieren, wohl aber philosophieren. Knöpfle gab einen kurzen Einblick in die Geschichte des Edelbrands, der 1289 erstmals in Irland nachweislich erwähnt wird. Etwa 200 Jahre später erreichte er seine zweite Heimat Schottland und gelangte 1736 in seiner amerikanischen Ausprägung "Whiskey" über den großen Teich. 

Auch in Deutschland nimmt nicht nur die Freude am Whiskytrinken zu, sondern auch am Brand. Während es 2006 hierzulande 45 entsprechende Brennereien gab, seien es heute schon 350, so Knöpfle. Dem Fachmann und Ausbilder wurde vom Branchenverband der seltene Titel "Keeper Of The Quaich" für die Pflege, Wahrung und Förderung der schottischen Whisky-Kultur verliehen. Der Quaich ist ein traditionelles schottisches Trinkgefäß mit zwei Henkeln, das hauptsächlich für Whisky genutzt wird. Der Begriff ist abgeleitet vom gälischen Wort cuach für Becher.

Zwei Fässer mit 200 Litern stehen zur Verfügung 

Hanskarl von Thüngen betonte besonders die gemeinsame Arbeit an der Spirituose, an der auch sein Sohn Konrad von Thüngen beteiligt war. Gutsverwalter Stefan Höfling und sein Mitarbeiter Michael Feser lieferten die Braugerste, Braumeister Dieter Beutel verarbeitete das Malz ähnlich wie beim Bierbrauen – allerdings ohne Hopfen – und Norbert Gerhard brachte sein Wissen um die Brennerei sowie zur richtigen Lagerung in geeigneten Fässern mit ein. 

Von Thüngen und Gerhard nahmen sogar an einer Ausbildung zum Edelbrand-Sommelier in Weihenstephan teil. Was lag also näher, als den dortigen Lehrmeister Helmut Knöpfle zur offiziellen Vorstellung des ersten Whiskybrands mit der neuen Brennanlage als fachkundigen Verkoster einzuladen. Zwei Fässer mit jeweils 200 Litern stehen nun für Freunde des schottisch-irischen Nationalgetränks bereit. 

Weitere Informationen gibt es auch im Internet bei Facebook und Instagram unter "Gutsverwaltung Thüngen".

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