KARLSTADT

Zwischen Schwermut, Verzweiflung und Ironie

Beeindruckender Abend: Tobias Jennewein, Wolfgang Tröster und Georg Schirmer lasen aus dem Roman „Die Jünger Jesu“.
Foto: Georg Schirmer | Beeindruckender Abend: Tobias Jennewein, Wolfgang Tröster und Georg Schirmer lasen aus dem Roman „Die Jünger Jesu“.

Im Rahmen einer Gemeinschaftsveranstaltung des Förderkreises „Ehemalige Synagoge Laudenbach e.V.“ und der Stadtbibliothek lasen Tobias Jennewein, Wolfgang Tröster und Georg Schirmer aus dem Roman „Die Jünger Jesu“ von Leonhardt Frank im Lesecafé der Bibliothek, informiert eine Mitteilung an die Presse. Der Würzburger Schriftsteller gehörte selbst zu den Autoren, dessen Werke am 10. Mai 1933 verbrannt wurden. Bibliotheksleiterin Sina Köhlnhofer begrüßte an dem Abend die Gäste im voll besetzten Lesesaal der Stadtbibliothek.

Im Mittelpunkt der fiktiven Handlung steht das Schicksal der Würzburger Jüdin Ruth Freudenheim. Sie muss miterleben, wie ihre Eltern erschlagen werden, sie selbst überlebt den Holocaust nur, weil sie in ein Warschauer NS-Bordell eingeliefert wird. Dabei wird ihre Persönlichkeit nahezu vernichtet. Von ihrem Trauma kann sie sich nur lösen, indem sie den Mörder ihrer Eltern tötet. Ruth wird vor Gericht gestellt.

Ausdrucksstarke Stimme

Tobias Jennewein bestritt den Hauptteil des Vortrags mit ausdrucksstarker Stimme. Auf meisterliche Weise gelang es ihm, Spannung zu erzeugen und die Zuhörer auf die wesentlichen Elemente der Handlung, vor allem auf die ungeheuerliche Traumatisierung der jungen Ruth Freudenheim zu lenken. Die Zuschauer verfolgten seinen Vortrag mit äußerster Konzentration, man konnte die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören.

Die von Georg Schirmer vorgetragenen Kreisler-Chansons, passgenau zur Handlung ausgewählt, verstärkten die im Roman vorherrschende Stimmung. Sie unterstrichen beispielsweise wie das Lied „Ich kann tanzen“ das Leid der jungen Ruth Freudenheim. Durch wechselnde Tempi, Dynamik und Lautstärke wurden Schwermut, Verzweiflung und das unermessliche Leid der jungen Frau zum Ausdruck gebracht. Andere Liedbeiträge waren von Melancholie, aber auch durch Sarkasmus und Ironie gekennzeichnet.

Regisseur Wolfgang Tröster, der Beiträge zur Handlung sowie Dialoge vortrug, vermochte gemeinsam mit den anderen Darbietern den Text von Leonhard Frank intensiv an die Zuhörer heranzutragen. Dadurch wurde ein wichtiges literarisches Werk des nach dem Krieg fast vergessenen Dichters zum Leben erweckt. Die durchweg positive Resonanz beim Publikum äußerte sich in lang anhaltendem Beifall und großer Spendenbereitschaft für den Förderkreis der Synagoge Laudenbach.

Zwei weitere Veranstaltungen des Förderkreises finden am 6. und 9. Juni im Theater in der Gerbergasse mit der Heine-Revue „Schlage die Trommel und küsse die Marketenderin“ statt. Beginn ist um 19.30 Uhr, der Eintritt ist frei.

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