LAUDA

150 Jahre Frankenbahn

Vor anderthalb Jahrhunderten wurde regionale Bahngeschichte geschrieben: 1866

wurde die Badische Odenwaldbahn mit dem Abschnitt Osterburken- Lauda eröffnet.

Der Bahnhof Lauda: Der Zugbetrieb wurde im Jahr 1972 auch noch mit Dampfloks betrieben.
Der Bahnhof Lauda: Der Zugbetrieb wurde im Jahr 1972 auch noch mit Dampfloks betrieben. Foto: Sammlung Büttner

Genau vor 150 Jahren, am 1.November 1866, wurde die Badische Odenwaldbahn mit dem Teilabschnitt Osterburken-Lauda-Würzburg feierlich eröffnet. Zum stolzen Jubiläum gibt es leider keinen Festakt. In Boxberg, Wittighausen, Königshofen und Zimmern aber gab es in diesem Jahr Ausstellungen, die an die einst hoch frequentierte Bahnstrecke mit ihren Bahn- und Güterstationen erinnerten. Beim Thema der diesjährigen Taubertäler Wandertage „Landschaften entlang der Bahnstrecke durchs Umpfertal“ ging es auch auf Spurensuche der einstigen Bahnstationen. Von den einst 13 Haltepunkten und Bahnhöfen der Bahnstrecke im Kreisgebiet werden heute nur noch neun Stationen von der Bahn angefahren.

Die Geschichte der Strecke Osterburken – Lauda – Würzburg: Bereits im April 1865 wurden von der Großherzoglich Badischen Staatseisenbahnbaugesellschaft die Bauarbeiten zu den Bahnstationen zwischen Adelsheim und Unterwittighausen ausgeschrieben. Im heutigen Gebiet des Main-Tauber-Kreises entstanden die Bahnstationen Eubigheim, Wölchingen, Unterschüpf, Königshofen, Gerlachsheim, Grünsfeld, Zimmern, Unterwittighausen und 29 Bahnwärterstationen. Die Kosten für die Bahnhofsgebäude betrugen 341 571,24 Gulden, die für die Bahnwärterstationen 95 726,44 Gulden – für die damalige Zeit eine gewaltige Summe.

Im heutigen Landkreis Würzburg wurden die Stationen Kirchheim, Geroldshausen, Reichenberg und Heidingsfeld gebaut. Im benachbarten Neckar-Odenwaldkreis entstanden 1866 die Bahnhöfe Osterburken und Rosenberg, einige Jahre später kam hier noch der Bahnhof Hirschlanden dazu.

Provisorisches Holzgebäude in Lauda

Bis Oktober 1866 war der Bahnhof Lauda, damals noch ein provisorisches Holzgebäude, mit seinen Gleisanlagen soweit fertiggestellt, dass die ersten Probefahrten stattfinden konnten. Am 15.Oktober 1866 trafen bei Wittighausen jeweils Züge der Königlich Bayerischen und Großherzoglich Badischen Staatseisenbahn zusammen. Noch am gleichen Abend feierten alle Teilnehmer der ersten Probefahrt bei einer gemeinsamen Abendunterhaltung im Russischen Hof in Würzburg das historische Ereignis.

Durch die langen Steigungen und vielen Kurven wurde aus Sicherheitsgründen bei der Eröffnung der Bahnstrecke sehr langsam gefahren. Die Fahrzeit von Würzburg nach Heidelberg dauerte im Eröffnungsjahr fünf Stunden. Mit dem Sommerfahrplan 1867 sollte diese dann in dreieinhalb Stunden bewältigt werden.

Bis zur offiziellen Eröffnung der Bahnstrecke fuhren noch vier bis sechs Probezüge – anfangs noch ohne Personenbeförderung. Die Badener erhielten im neuen Würzburger Bahnhof einen eigenen Fahrkartenschalter sowie eine Wagenremise. Bereits Ende Oktober 1866 wurden die neuen Würzburger Dienststellen vom badischen Personal bezogen.

Streckenlänge: 180,617 Kilometer

Die Würzburger-Heidelberger-Bahn wie die Badische Odenwaldbahn auch genannt wurde, hatte eine Länge von 23,98 Meilen (180,617 Kilometer). Zwischen Heidingsfeld und Mannheim befanden sich 38 Bahnstationen. Die Abfahrtszeiten, die um 15 Minuten differierten, wurden damals noch in „Münchner und Karlsruher Zeit“ angegeben. Am 1. November 1866 wurde die Trasse schließlich für den Personen- und Güterverkehr freigegeben. Zwischen Heidelberg und Würzburg fuhren täglich ab morgens 2.14 Uhr (Karlsruher Zeit) fünf Personenzüge und zwei Güterzüge. Der erste Fahrplan ist noch in alten Zeitungsbänden vorhanden.

Endgültiges Aus im Jahr 1985

In den Folgejahren wurden an der Strecke weitere Bahnstationen gebaut und eröffnet: Schweigern (1872), Sachsenflur (1903), Gaubüttelbrunn (um 1913) und als letzte Haltestation schließlich Uiffingen (1920). Im Jahr 1920 hatte der Streckenabschnitt von Kilometer 81,4 (Bahnhof Osterburken) bis Kilometer 159,9 (Hauptbahnhof Würzburg) insgesamt 23 Bahnstationen. Für viele Bahnhöfe an der Strecke Osterburken – Lauda – Würzburg kam mit dem Fahrplanwechsel im Jahr 1985 das endgültige Aus. Der Lokkehrbahnhof Seewiese, die Stationsgebäude in Uiffingen, Schweigern, Sachsenflur, Gerlachsheim und Gaubüttelbrunn sowie 19 Bahnwärterstationen fielen zwischen den 1950er und 1980er Jahren der Spitzhacke zum Opfer. Der noch erhaltene Bahnhof Unterschüpf befindet sich in Privatbesitz und wird seit Jahrzehnten nicht mehr angefahren.

Keine andere Bahnstrecke in unserer Region büßte in ihrer Geschichte so viele Bahnstationen ein wie die heutige Frankenbahn. Im Neckar-Odenwaldkreis wurde der Bahnhof Hirschlanden, der sich seit vielen Jahren im Privatbesitz befindet, ebenfalls stillgelegt. Der Bahnhof in Rosenberg wurde erst vor wenigen Tagen abgebrochen.

Bundesbahn rationalisierte

In den 1960er Jahren begannen die ersten Rationalisierungsmaßnahmen der Bundesbahn und viele Stationen wurden stillgelegt oder zu unbesetzten Haltestationen wie zuletzt der Bahnhof Lauda. Noch bis 1962 wurde die komplette Bahnstrecke von Heidelberg bis nach Würzburg als Badische Odenwaldbahn befahren – seither gibt es keine durchgehenden Verbindungen mehr auf dieser Strecke.

Der im Krieg zerstörte Würzburger Bahnhof im Jahr 1935.
Der im Krieg zerstörte Würzburger Bahnhof im Jahr 1935. Foto: Sammlung Büttner
Bahnhof Osterburken mit Personenverkehr im Jahr 1970.
Bahnhof Osterburken mit Personenverkehr im Jahr 1970. Foto: Sammlung Büttner

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