Gissigheim

25 Jahre Biotopvernetzungen in der tauberfränkischen Landschaft

Vor 25 Jahren hat man begonnen, die Streuobstwiesen miteinander zu vernetzen.
Vor 25 Jahren hat man begonnen, die Streuobstwiesen miteinander zu vernetzen. Foto: Edgar Münch

An den vielen Streuobstwiesen und mancherorts auch an den schönen Heckenbiotopen kann sich jeder, der einen offenen Blick für die tauberfänkische Landschaft hat, erfreuen. Dies vor allem, wenn im Frühling Bäume und Sträucher in voller Blütenpracht stehen. Das war nicht immer so. Um großflächigen Maschineneinsatz in der Landwirtschaft zu ermöglichen, mussten infolge der Flurbereinigungen vor mehr als 50 Jahren viele Baumbestände, Hecken und Kleinbiotope verschwinden, heißt es in einer Pressemitteilung.

Diesen Verlust versuchte man immer wieder mal zu kompensieren. Vor genau 25 Jahren ging der Kreisverband für Obst-Garten und Landschaft (KOGL) Main-Tauber-Kreis daran, zusammen mit einigen örtlichen Obst- und Gartenbauvereinen sogenannte Biotopvernetzungen durchzuführen.

Ziel war es, durch Neupflanzungen einzelne bestehende Biotope wie Waldgehölze, Wegraine und Streuobstwiesen miteinander zu vernetzen. Dadurch sollten Käfer, Kriechtiere, Eidechsen und andere Tiere leichter in andere Biotope wechseln und ihre Population stabilisieren können. Auch bot man damit dem Niederwild den Schutzraum, den eine offene Landschaft nicht bieten kann. Schließlich wollte man vielen ehemals heimischen Sträuchern, die inzwischen in der Landschaft selten geworden sind, hier wieder einen Standort geben.

Zuschuss von 1330 DM

Von der positiven Wirkung dieses Projektes überzeugte Oberamtsrat Max Braun, damals Leiter des Umweltschutzamtes am Landratsamt Main-Tauber-Kreis und Vorsitzender des Kreisverbandes für Obst, Garten und Landschaft auch andere Gruppierungen, darunter die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald, die Kreisjägervereinigung und einige örtliche Vereine, die sich dann finanziell beteiligten.

So entstanden 1995 Feldgehölz-Pflanzungen unter anderem in Großrinderfeld, Heckfeld und in Gissigheim. An der Kreisstraße zwischen Gissigheim und Heckfeld, direkt neben dem später errichteten Windrad, kann man heute den Erfolg bewundern. Es ist ein Streifen von etwa 200 Metern Länge und zehn Metern Breite.

Der örtliche Obst- und Gartenbauvereins unter seinem damaligen Vorsitzende Ludwig Leimbach und auch einige Jagdpächter hatten hier eifrig Hand angelegt, so dass die Kosten stark reduziert werden konnten. Das Umweltschutzamt im Landratsamt Tauberbischofsheim übernahm mit dem Betrag von 1330 DM  50 Prozent der Bepflanzungskosten.

Große Biodiversität

Gepflanzt wurden damals unter anderem: Eberesche, Vogelkirsche, Wildbirne, Ahorn, Gemeiner Schneeball, Hundsrose, Traubenkirsche, Hartriegel, Holunder, Heckenkirsche, Schlehe, Pfaffenhütchen und der ehemals weit verbreitete Speierlingsbaum. Bereichernd für diesen Biotop wirkte auch, dass man zwei Streuobstwiesen in dieses Areal miteinbinden konnte. Hier wachsen alten Obstsorten auf Hochstämmen mit großer Schädlingsresistenz.

Vielfältig ist auch die Vogelwelt. Bunte Schmetterlinge wie Pfauenauge und Zitronenfalter, Laufkäfer, Rauben, Hummeln, Wildbienen und viele Ameisenarten sind hier zuhause. Inzwischen haben sich viele typische Pflanzen angesiedelt wie der Großer Wiesenknopf, Wiesenlabkraut, Sichelblättriges Hasenöhr, gelber Steinklee, Skabiosenblättrige Flockenblume, Waldglockenblume, Taubenkropf, Leinkraut und ganze Kissen von violett blühenden Vogelwicken.

So sind diese Biotope nach 25 Jahren eine echte Bereicherung für die Natur, da sie eine große Biodiversität aufweisen und auch für die umgebenden Ackerflächen ein günstiges Kleinklima schaffen. Zurzeit stehen die Holundersträucher, die Heckenrosen und  die Vogelwicken in voller Blüte und begeistern die Naturfreunde.

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